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Ancestors: The Humankind Odyssey

Entwickler: Panache Digital Games
Publisher: Private Division

Genre: Simulationen
USK Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 39,99 €

Systeme: PC, PlayStation 4, Xbox One

Testsystem: Windows 10, 8 GB RAM, AMD Radeon R9 200 series 4 GB, Intel Core i5-4690

Anforderungen: Windows 7, 8 GB RAM, GeForce GTX 760 (4 GB Videospeicher)/ AMD Radeon HD 7950 (3 GB Videospeicher), Intel Core i5 2500K/ AMD Phenom 2 X6

Inhalt:
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Wir befinden uns im Jahre 10 Millionen vor unserer Zeitrechnung. Alles Leben auf der Erde ist instinktgesteuert, kulturlos, weit entfernt von Vernunft. Alles Leben? Nein! In einem kleinen Tal in Afrika regt sich ein Funken von höherer Intelligenz im Genom eines Frühmenschen-Clans. Ob die Mitglieder des Clans den Funken nutzen können und irgendwann in ferner Zukunft ihre Nachfahren diese Rezension lesen oder ob die unerbittliche Natur den Funken erstickt, wird die Zeit zeigen.



Meinung:


Eines kann man mit Sicherheit über Ancestors: The Humankind Odyssey sagen: das Spiel ist ambitioniert. Die Entwicklungsgeschichte der Gattung Homo nachzubilden, ist ein Unterfangen. Denn um nichts Geringeres geht es, als die Evolution unserer Vorfahren zu lenken und dafür zu sorgen, dass die Abstammungslinie nicht endet.

Ich starte also vor 10 Millionen Jahren mit einem kleinen Clan Menschenaffen, die im Prinzip nichts können und ohne meine überlegene Intelligenz völlig verloren wären, so ein bisschen wie Sims, die man ihrem Schicksal überlässt. Immerhin sind sie schon mal größtenteils von den Bäumen runter gekommen und haben bereits ihre Schwänze verloren.

What is a man?
Meine Aufgabe ist es nun, diesem Clan in den nächsten paar Millionen Jahren beizubringen, was es heißt, „Mensch“ zu sein. Klingt machbar, oder? Ich schlüpfe in die Rolle eines beliebigen Sippenmitglieds und gebe ihm oder ihr Anweisungen, bestimmte Dinge zu tun. Anfangs sind das nur sehr grundlegende Tätigkeiten, wie Beeren pflücken und fressen oder sich paaren. Je öfter ich meine Äffchen eine Tätigkeit üben und ausüben lasse, desto gefestigter werden die entsprechenden Neuronen in ihren Gehirnen. Mit Neuronenenergie sorge ich für Verbindung zwischen den Neuronen und für Vererbung der neuen Hirnstrukturen an die nächste Generation.

Death Stranding
Die nächste Generation ist in diesem Zusammenhang übrigens der zentrale Faktor. Fähigkeiten sind logischerweise nur dann vorhanden, wenn der Nachwuchs sie von der Elterngeneration gelernt hat. Deswegen sammelt sich Neuronenenergie nur dann an, wenn mindestens ein kleiner Spross in der Nähe ist. Das heißt, auf jede Expedition außerhalb unseres Lagers muss ich mindestens ein Kind mitnehmen. Andererseits erhöht sich dadurch das Risiko, dass es erst gar keine nächste Generation gibt, denn außerhalb des Lagers lauern unzählige Gefahren, wie Schlangen, Raubkatzen oder auch Nilpferde. Ich muss also abwägen, ob ich viel Energie sammeln will und dabei womöglich alle Kinder unseres Clans aufs Spiel setze oder lieber auf Nummer Sicher gehe, dafür aber langsamere Fortschritte mache.

Mit jeder Generation erweitern sich die Fähigkeiten meiner Verwandten also ein kleines bisschen, das heißt, sie werden etwas geschickter im Umgang mit Werkzeug oder können potenzielle Nahrung schneller identifizieren. Langsam (sehr langsam), aber stetig, entwickelt meine Ahnenreihe ihre Fähigkeiten und erkundet nach und nach ihre Umwelt. Sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind, kann ich einen Evolutionssprung einleiten. Dabei überspringe ich mehrere hunderttausend Jahre und sorge dafür, dass meine Sippschaft sich zu einer neuen Spezies Mensch weiterentwickelt.

Das große Manko
Was gleich in den ersten Minuten auffällt, ist die Steuerung. Die ist nämlich, gelinde gesagt, eigen. Nicht immer ist intuitiv klar, welchen Knopf am Controller ich wie und wann betätigen muss, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Gleich zu Anfang stellt das Spiel mir die Aufgabe, ein verschrecktes Waisenkind aus seinem Versteck zu locken und zu beruhigen. Dazu soll ich B drücken. Soweit so gut – nur passiert da nicht viel. Eine HUD-Einblendung erscheint, die wohl eine Art Fortschrittsbalken sein soll. Aber bis ich es schaffe, diesen Balken in der richtigen Richtung zu beeinflussen - das heißt, das Kind zu beruhigen - vergehen durchaus mehr als 10 Minuten der endlosen Verwirrung und am Ende weiß ich selbst nicht, was ich eigentlich gemacht habe.

Des Rätsels Lösung: das Spiel arbeitet mit einem leisen Klickton, der mir den richtigen Zeitpunkt signalisiert, an dem ich den Knopf loslassen muss, um eine Vielzahl verschiedener Tätigkeiten durchzuführen. Bis ich diesen Klickton verlässlich hören kann, dauert es meines Erachtens viel zu lange. Das Signal geht einfach unter in der Vielzahl an Geräuschen im Dschungel. Gerade bei körperlichen Tätigkeiten, wie der Herstellung von Werkzeugen, würde sich ein einfaches Minispiel in aus manchem anderen Spiel bekannter Manier anbieten, in dem der richtige Zeitpunkt visuell, zum Beispiel durch einen Pegel auf einer Skala, angezeigt wird. Immerhin ist es nach der ersten Eingewöhnungszeit nicht allzu schwierig, den für die einzelnen Tätigkeiten richtigen Rhythmus herauszufinden.

A miserable pile of secrets
Trotzdem ist diese Mechanik eine Hürde, die vielleicht nicht jeder gewillt ist, zu nehmen, zumal sie nichts damit zu tun hat, die Welt des Spiels zu erkunden. Gleich im Intro warnt das Spiel mich zwar, dass nicht viel erklärt werden wird und dass ich das Meiste selbst herausfinden muss. Diese Herangehensweise finde ich lobens- und erwähnenswert, schließlich mussten unsere Vorfahren ebenfalls erst selbst herausfinden, dass man zwei Steine aufeinander schlagen kann. Die richtige Kombination von Gegenständen zu finden, benötigt durchaus Köpfchen und Geduld. Dagegen ist nichts einzuwenden. Das Erraten der richtigen Art der Button-Betätigung hat für mich allerdings nicht viel mit den mentalen Herausforderungen zu tun, denen unsere Vorfahren sich stellen mussten.

Lern gehen, bevor du versuchst zu laufen
Die richtige, sichere Art der Fortbewegung ist ebenfalls nicht unbedingt einfach erlernt, sondern erfordert trial & error. Auf dem Boden herumzulaufen ist noch harmlos. Aber immerhin sind wir im Dschungel und immer noch mehr Affe als Mensch, also wollen wir auch beschwingt durch die Baumkronen hüpfen. Mehrere Generationen kommen und gehen, bevor nicht mehr ständig mehrere meiner Familienmitglieder aus offenen Wunden bluten oder mit gebrochenen Knochen durch die Gegend wanken. Auch nach 2 Millionen Jahren bin ich in den luftigen Höhen der Äste vorsichtig, zumal das dichte Blattwerk oft schlicht die Sicht versperrt und ich blind springen muss.
Immerhin lerne ich schließlich den aufrechten Gang. Als ich mich zum ersten Mal aufrichte und es schaffe, ein paar Meter auf zwei Beinen zu gehen, entschädigt der Stolz für einiges. Wenn ich diesen für die Menschheitsgeschichte entscheidenden Punkt erreicht habe, dann mache ich wahrscheinlich nicht alles falsch und die Zukunft sieht gut aus für meine Sippe.

Und sonst so?
Mit Hungermechaniken in Videospielen kann man mich ja normalerweise jagen. Ständig irgendwas in den Mund stopfen zu müssen, damit mein Charakter nicht alle paar Minuten vom Fleisch fällt, hat mir noch nie sonderlich viel Spaß bereitet. Ancestors dagegen schafft es, Hunger, Durst und auch Schlaf sinnvoll zu implementieren. Zwar werden meine Äffchen ein wenig maulig, wenn sie eine Weile nichts zwischen die Zähne bekommen, aber ein voller Magen hält eine mehr als angemessene Zeit vor, sodass nicht jede Expedition alle paar Sekunden unterbrochen werden muss, um verzweifelt nach irgendetwas Essbarem zu suchen.

Als ich in einer meiner ersten Generationen Nachwuchs zeugen will, stoße ich zufällig auf ein interessantes, erwähnenswertes Detail. Das Paar, das ich gerade verkuppelt habe, paart sich mit Gusto, aber Nachwuchs will und will sich nicht einstellen. Bis mir einfällt, die beiden Turteltäubchen genauer zu inspizieren, und ich leicht amüsiert merke: es handelt sich um zwei Damen. Meine Äffchen haben überhaupt kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen und sind damit weiter als viele unserer Zeitgenossen – nur Nachwuchs gibt‘s natürlich nicht.

Im Verlauf des Spiels lernt mein Clan nach und nach, auch mit Raubtieren und anderen übel gesinnten Nachbarn umzugehen. Nicht nur die ersten einfachen Speere stärken das Selbstvertrauen, auch die Erkenntnis, dass ausreichend lautes Geschrei so gut wie jeden Feind in die Flucht schlägt, ist Gold wert. Sobald wir dann auch noch die Fähigkeit entwickelt haben, zusammen Radau zu machen, stehen alle Wege offen und wir tyrannisieren wie eine marodierende Bande Halbstarker den ganzen Dschungel.

Die Konsolenversion

Die am 06.12.2019 erschienenen PS4- und Xbox One-Versionen bieten im Prinzip das gleiche wie die oben ausführlich getestete PC-Version. Allerdings hat Entwickler Panache sich seitdem auch die Wünsche und Kritik der Spieler angehört und ein paar neue Funktionen ins Spiel integriert, die in der Konsolen-Version direkt enthalten und auf dem PC ab sofort als Update erhältlich sind.

Die wohl wichtigste Neuerung sind dabei wohl die zusätzlichen Tutorials. Durch diese werden Situationen, wie sie meine Kollegin während ihres Tests erlebt hat, nicht mehr vorkommen. Zumindest hatte ich nie das Gefühl, nicht zu wissen, was das Spiel nun von mir will, wodurch das gesamte Geschehen natürlich wesentlich flüssiger abläuft. Dennoch sollte man nach wie vor nach seinem eigenen Tempo spielen und sich nicht durch die Evolution scheuchen lassen. Denn eines der wichtigsten Dinge an Ancestors ist und bleibt die Tatsache, dass man alles nach seinem eigenen Tempo angehen kann.

Eine weitere Verbesserung betrifft die Steuerung, um genau zu sein die Zielerfassung. Das Spiel priorisiert nun nämlich das Aufheben von Objekten, mit denen man sich gegen Gefahren verteidigen kann. Gerade in Kampf-Situationen ist diese Neuerung verständlicherweise sehr nützlich.

Ansonsten bietet die Konsolen-Version noch eine vollständige Abstammungsstatistik, die man jederzeit im Pause-Menü betrachten, sowie neue Fähigkeiten, mit denen man seinen eigenen Clan besser verwalten kann. So können Clanmitglieder nun aus der Ferne analysiert werden, um zu sehen, wie es ihnen geht und dank neuer Mimik-Fähigkeiten können andere Clanmitglieder nun etwa dazu aufgefordert werden, Gegenstände für sich selbst zu nutzen. All diese Verbesserungen sind alleine genommen nur klein, zusammengenommen sorgen sie aber doch für einen etwas runderen Spielablauf.

Ansonsten ist die Konsolen-Version mit der des PCs aber identisch. Das gilt so weit auch für die Grafik, die auf der von mit genutzten Xbox One X genauso gut aussieht wie auf dem PC. Allerdings gab es hier und da kleinere Ruckler, die aber glücklicherweise nie sonderlich störten. Ansonsten sieht die Grafik aber sehr schön aus, vor allem weiß natürlich unsere Affenbande mit ihren tollen Animationen zu gefallen.



Fazit:
Ancestors ist im wahrsten Sinne ein Survival-Spiel. Nirgends im Tal bin ich wirklich hundertprozentig sicher und der geringste Fehler kann zur völligen Auslöschung meiner Ahnenreihe führen. Dafür belohnt es mich aber mit einem stetigen Fluss an Erfolgserlebnissen und auch nach 30 Stunden und 3 Millionen Jahren Evolution habe ich bei weitem nicht das Gefühl, alles gesehen zu haben. Man muss sich auf jeden Fall für die Thematik interessieren, um die kleinen Erfolge würdigen zu können und die Äffchen, in all ihrer stupiden Nutz- und Hilflosigkeit, ins Herz zu schließen. Wenn man dann noch die nötige Geduld aufbringt, nicht nur die evolutionären Erkenntnisse sorgfältig zu erarbeiten, sondern auch die teilweise widerspenstige Steuerung zu verstehen, wird man an Ancestors: The Humankind Odyssey ziemlich sicher Spaß haben.

Fazit von Stefan Heppert:

Als Konsolero musste ich nun eine ganze Weile auf Ancestors warten: Doch die Zeit hat sich gelohnt, denn auch auf PS4 und Xbox One stellt das Spiel etwas ganz Besonderes dar, das sich von jedem anderen Survival-Game unterscheidet. Dank der kleinen Verbesserungen meine ich, dass sich das Spiel nun noch etwas runder anfühlt, wobei der Weg der kleinen Schritte nach wie vor gilt.
Wer sich etwas für die menschliche Evolution interessiert und obendrein auch noch Zeit und Muße in ein Spiel stecken möchte, wird also auch auf den Konsolen sehr viel Spaß mit Ancestors: The Humankind Odyssey haben.

Durch die Verbesserungen der Konsolenversion, die es dank eines Patches auch in die PC-Version geschafft haben, haben wir unsere Endwertung nach oben korrigiert.

 



Ancestors: The Humankind Odyssey - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Helena Lichtmeß

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 7.625 Grafik: 8.00
Sound: 7.00
Steuerung: 6.50
Gameplay: 9.00
Wertung: 7.625
  • Höchst interessante Thematik
  • Ständige kleine Erfolgserlebnisse
  • Innovatives Progression-System
  • Neue Tutorials (Konsolenversion)
  • Kleine Verbesserungen (Konsolenversion)
  • Steuerung unnötig kompliziert (Besserung nach Patch)
  • HUD nicht immer verständlich
  • Gelegentliche Ruckler (Konsolenversion)

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Rezension vom: 09.12.2019
Kategorie: Simulationen
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