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Kingdom Come: Deliverance

Entwickler: Warhorse Studios
Publisher: Deep Silver

Genre: Rollenspiele
USK Freigabe: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: ab 49,99 €

Systeme: PC, PlayStation 4, Xbox One

Inhalt:
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Normalerweise mache ich um Rollenspiele einen großen Bogen. Nicht etwa, weil ich das Genre partout nicht mag, sondern weil ich mit dem zumeist genutzten Fantasy-Setting nichts anfangen kann. Umso erfreuter war ich, als Kingdom Come: Deliverance angekündigt wurde. Schließlich sollte dies in einem authentischen Mittelalter spielen – ganz ohne Orks und Drachen. Ausschließlich aufgrund dessen habe ich mich also nach Jahren doch wieder an ein Rollenspiel gewagt. Meine Erfahrungen und ob das Spiel tatsächlich ganz ohne Fantasy auskommt, habe ich in den folgenden Zeilen niedergeschrieben.


Meinung:


Zugegeben, unser Test kommt ein wenig später, als man es sonst von uns gewohnt ist. Zwar hätte ich mit dem Reviewguide durch das Spiel hetzen können. Doch wenn ich dann endlich mal wieder ein Rollenspiel teste, wollte ich mir auch die Zeit nehmen, das Spiel in all seinen Facetten in aller Ruhe zu entdecken. Genau dies haben schließlich auch die Entwickler getan und immerhin vier Jahre in das Spiel gesteckt. Weit mehr als 100 Stunden und somit wesentlich mehr als bei jedem anderen Spiel, das ich jemals getestet habe, habe ich in der Welt von Kingdom Come: Deliverance verbracht. Starten möchte ich diesen Test aber erst mal ganz klassisch mit der Story.

Willkommen im alten Böhmen
Kingdom Come: Deliverance
versetzt uns ins Böhmen des Jahres 1403. Gerade ist Kaiser Karl IV gestorben. Als neuer Herrscher regiert nun dessen ältester Sohn Wenzel IV. Doch ihm droht bereits Ungemach. Sein Halbbruder Sigismund, seines Zeichens König von Ungarn, will sich die Macht über das reiche und mächtige Königtum einverleiben und fällt mit einer Armee kumanischer Söldnern mordend und brandschatzend ins Land ein, um seinen verhassten Halbbruder in Ketten legen zu lassen.
Einer der Leidtragenden dieses blutigen Konflikts ist Heinrich, Sohn eines Waffenschmieds. Auch sein Dorf wurde überfallen, seine Bewohner ermordet und das Dorf niedergebrannt. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass er überhaupt als einer von wenigen das grauenvolle Massaker überlebt hat. Voller Zorn und Schmerz über den Verlust seiner Eltern schwört er, Rache an den Schuldigen zu nehmen. Zunächst muss er aber seinem Lehnsherren Radzig Kobyla dienen, dessen frisch geschmiedetes Schwert Heinrich aufgrund seines leidlichen Kampfgeschickes gestohlen wurde, so dass Heinrich Radzig nun etwas schuldet.

Wer sich ein wenig mit Geschichte auskennt (oder auf Wikipedia nachschaut) wird feststellen, dass die Story, die hier erzählt wird, bis auf den Part unseres Helden Heinrich, geschichtlich exakt ist. Nicht zuletzt deswegen fasziniert mich dieses Rollenspiel. Hier erlebt man echte Geschichte und nicht irgendwelche Kämpfe zwischen Orks, Zwergen und diversen anderen Fantasiegestalten.

Es muss authentisch sein

Das Schöne dabei ist, dass sich der Realitätsanspruch nicht auf die Geschichte beschränkt. Das gesamte Spiel hat den Anspruch, möglichst authentisch zu sein, was schon bei der Gestaltung der Spielwelt anfängt. Hier gibt es keine verwunschenen Wälder oder hunderte Meter tiefe und mit irgendwelchen seltsamen Maschinen durchzogene Minen. Nein, hier wird das Böhmen der damaligen Zeit möglichst authentisch nachgebildet, was bedeutet, dass man auf den 16 Quadratmetern, die die Spielwelt umfasst, viel Wald, idyllische Bächlein, kleine Dörfer, etwas größere Ansiedlungen und mittelalterliche Städte wie etwa (das real existierende) Rattay, das einen beim ersten Anblick den Atem verschlägt, zu sehen bekommt.
Ohnehin ist Kingdom Come: Deliverance wundervoll anzusehen. Die Warhorse Studios hatten die genutzte CryEngine allem Anschein nach größtenteils sehr gut im Griff, wofür zumindest die unglaublichen Licht- und Schatteneffekte und detaillierte und vor allem abwechslungsreiche Flora sprechen. Leider gibt es in der von uns getesteten Xbox One-Version aber auch immer wieder unschöne Grafik-Bugs wie etwa Glitches, nachladende Objekte oder Framerate-Einbrüche zu beobachten, die beweisen, dass vier Jahre Entwicklungszeit bei einem solch ambitionierten Projekt dann eben doch nicht ganz ausreichen und es noch ein oder zwei Monate für den Feinschliff gebraucht hätte - so müssen es nun eben Patches richten.

Bekannte Stimmen
Die Spielwelt sieht aber (bis auf die genannten Probleme) nicht nur wundervoll und authentisch aus, sie verhält sich auch so. Wenn man sich einmal die Zeit nimmt – was ich während der Testphase ausgiebig getan habe – kann man den NPCs richtiggehend dabei zusehen, wie sie ihren Tagesgeschäften nachgehen. Großteils reagieren die KI-Gesteuerten Bewohner auch auf den Spieler und grüßen beispielsweise. Dabei reagieren sie teilweise sogar auf die Ausrüstung, die man gerade trägt oder das allgemeine Aussehen. Auch vorherige Taten haben Einfluss auf unseren Ruf. Wer Gutes tut, dem sind die Leute also besser gesonnen. Manchmal kommt es aber leider auch vor, dass sie uns vollkommen ignorieren, was die Immersion dann natürlich ein wenig stört.
Doch nicht nur aus diesem Grund ist dies sehr bedauerlich. Die deutsche Synchro ist nämlich so glaubhaft geschrieben und erstklassig vertont, dass man sich über jeden einzelnen gesprochenen Satz erfreut. Ein Grund, weshalb die deutsche Synchro so gut ist, ist natürlich bei den Synchronsprechern zu finden: Dies sind nämlich ausschließlich Profis, die wissen, wie man Sätze glaubhaft ausspricht und betont. Unser Held Heinrich wurde etwa von Leonhard Mahlich vertont, dessen Stimme wir von Chris Pratt oder Liam Hemsworth kennen. Der Mutter von Heinrich lieh Gundi Ehrhart ihre Stimme, die unter anderem als Synchronstimme von Jessica Biel und Michelle Monaghan tätig ist. Hauptmann Bernard, ebenfalls eine wichtige Figur im Spiel, erhielt seine Stimme von Bernd Rumpf, der sonst Liam Neeson und Alan Rickman synchronisiert. Doch nicht nur die Hauptfiguren wurden von professionellen und bekannten Sprecher eingesprochen. Selbst kleineren Figuren wurde dies zu Teil, so dass wir auch hier immer wieder auf bekannte Stimmen, wie die von Charles Rettinghaus treffen, der im Spiel mehrere Geschäftsmänner spricht und ansonsten als Synchronstimme von Jamie Foxx, Jean-Claude van Damme oder Robert Downey Jr. bekannt ist.
Die Liste der bekannten Synchronsprecher ließe sich sogar noch einige Zeilen fortfahren, doch leider merkt man trotz dieser tollen Arbeit beim Sound, dass auch hier der letzte Feinschliff fehlt. In den Zwischensequenzen sind die Stimmen der Protagonisten nämlich leider sehr leise geraten, weshalb man teilweise wirklich auf die Untertitel angewiesen ist. Bei den Soundeffekten gibt es solche Probleme seltsamerweise nicht. Hier bekommen wir durchgehend eine wunderbare und ebenfalls authentische Klangkulisse aus Vogelgezwitscher, dem Klingen des Ambosses, knirschenden Holzbrücken und vielem mehr zu hören. Passend dazu ist auch der Soundtrack mit seinen stilistisch zum Mittelalter passenden Stücken nahezu tadellos. 




Übung macht den Meister
Spielerisch geht Kingdom Come: Deliverance ebenfalls eigene Wege. Es gibt zwar die klassische Aufteilung zwischen Hauptquest und Nebenaufgaben, doch anders als in zahlreichen anderen Spielen wird man hier nicht nur die Hauptquest gescheucht. Das Spiel nimmt sich sehr viel Zeit jeden Charakter einzuführen und vor allem Heinrichs Charakter zu entwickeln. So ist die Entwicklung von Radzigs Dienstboten zu seinem engen Vertrauten etwas, was über mehrere Stunden andauert. Nicht nur geschichtlich ist die Charakterentwicklung etwas ganz Besonderes, auch wie man seinen Charakter immer weiter verbessert ist ungewöhnlich. Denn auch hier setzt das Spiel auf Realismus. Anders als in anderen Rollenspielen werden hier einzelne Werte nicht einfach durch das Verteilen von Skill-Punkten aufgelevelt. Hier zählt eher das Motto „Übung macht den Meister“. Ganz nach diesem Credo muss man, um etwa im Reiten besser zu werden, viel reiten. Wer viel kämpft, wird stärker und besser am Schwert und wer viel mit anderen Charakteren spricht, verbessert seine diplomatischen Fähigkeiten.

Wie weit die Entwickler dieses Skill-System ausgearbeitet haben, merkt man aber erst nach und nach in voller Gänze. So muss man zum Beispiel regelmäßig schlafen und essen, ansonsten wird man schwächer oder sieht verschwommen.
Ein weiteres gutes Beispiel ist das Lesen. Von Hause aus ist Heinrich ein Analphabet, schließlich war das Privileg des Lesens im Mittelalter nur Gelehrten vorbehalten. Und so muss auch Heinrich zunächst bei einem Gelehrten in die Lehre gehen, bevor er überhaupt in der Lage ist, Texte und Bücher zu lesen. Selbst dann kann man es aber natürlich noch nicht perfekt, weshalb man zunächst noch oft vertauschte Buchstaben zu sehen bekommt. Erst mit der Zeit wird Heinrich auch hier besser und kann die Texte und Bücher dann flüssig lesen.
Ähnlich interessant ist der Umgang mit der Alchemie. Denn auch hier werden nicht etwa nur irgendwelche Zutaten in einem Menü zusammengefügt. Stattdessen steht man tatsächlich an einem alten Alchemietisch und muss dort seinen Trank zusammenbrauen. Abhängig davon, wie geübt man dabei ist, kann man mehr oder weniger Fehler begehen, bis der Trank endgültig misslingt.

Auf die eigenen Fähigkeiten setzen

All dies ist logisch und nachvollziehbar und verändert auch den Spielstil. Denn selbstverständlich ist es Quatsch, in einer Quest plötzlich auf Waffengewalt zurückgreifen zu wollen, wenn man bisher doch immer eher der Schleicher oder Diplomat war. Zum Glück erlaubt uns das Spiel, in vielen Fällen selber zu entscheiden, wie wir eine Mission angehen, so dass wir hier auf unsere eigenen Fähigkeiten setzen können.
Wenn es dann doch mal zum direkten Infight kommt, erlebt man in Kindgom Come: Deliverance noch etwas für Rollenspiele eher Ungewöhnliches. Die Kämpfe sind nämlich tatsächlich sehr fordernd. Hierbei gilt es nicht nur eine der fünf Trefferzonen zu treffen, nein, man muss auch Paraden und Blocks genau timen und dabei auch noch auf die Ausdauer achten. All dies ist gerade zu Anfang, wenn die eigenen Fähigkeiten und die des Spielcharakters noch nicht allzu gut sind, ziemlich kompliziert – zumal die Gegner genau dieselben Möglichkeiten haben und diese auch wesentlich besser zu nutzen wissen und uns so nicht nur einmal mit wenigen Schlägen niederschlagen. Gerade hier verflucht man dann hin und wieder das Speichersystem. Leider speichert das Spiel nämlich nur in relativ großen Abständen von alleine. Um selber speichern zu können, muss man entweder schlafen oder einen sogenannten Retterschnaps trinken, der aber gerade zu Anfang noch fast unerschwinglich ist. Also ist man gezwungen, mehr als nur einmal lange Passagen nochmals zu spielen, was recht frustrierend sein kann. Bleibt zu hoffen, dass hier früher oder später ein Patch Abhilfe bringt.

Auf die Ausrüstung achten
Um nicht allzu oft Passagen noch einmal angehen zu müssen, sollte man unbedingt die Chance nutzen, sich Vorteile in den Kämpfen zu sichern. So ist es zum Beispiel von Vorteil, Lager nachts zu infiltrieren, um Gegner im Schlaf zu überraschen. Zusätzlich sollte man bei dieser Gelegenheit auch die metallene Rüstung beiseitelegen und gegen dunkle Gewänder austauschen, dann ist man nämlich nicht nur leiser, sondern auch schwieriger sichtbar. Eine weitere Möglichkeit sind Tränke, die zum Beispiel etwas Stärke verleihen, oder Perks, die ebenfalls besondere Vorteile verschaffen.
All dies hilft aber nicht gegen die etwas zerstreute KI. Während Eins-gegen-Eins-Duelle tadellos funktionieren, kann es bei Kämpfen gegen größere Feindansammlungen schon mal zu der kuriosen Situation kommen, dass die Hälfte der Angreifer tatenlos herumstehen, während wir mit der anderen Hälfte um sie herum laufen. Das wirkt nicht nur sehr abstrus, sondern auch wenig realistisch – dabei ist Letzteres doch der selbst gewählte Anspruch des Spiels.


Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Stefan Heppert Im Grunde ist Kingdom Come: Deliverance ein ausgesprochen gelungenes Rollenspiel, das mit seinem realistischen Ansatz eine schöne Abwechslung zu dem herkömmlichen Fantasy-Setting darstellt und so auch für all diejenigen interessant ist, die mit Orks, Zwergen und Drachen nichts anfangen können. Allerdings muss man auch sagen, dass das Spiel momentan noch einige ärgerliche Fehler aufweist. Seien es KI-Probleme, Sound-Bugs oder Grafikfehler, alles und noch vieles mehr ist momentan im Spiel zu finden. All dies ist nicht wirklich tragisch und macht das Spiel auch nicht unspielbar, sondern zeigt vielmehr, dass es den Entwickler trotz vierjähriger Entwicklungszeit einfach noch an Zeit fehlte, die nun eben durch Patches nachgeholt werden muss – entsprechend leider auch die Wirkung auf die aktuelle Bewertung. In ein paar Wochen werde ich aber noch mal einen gründlichen Blick ins Spiel werfen und die Bewertung dann gegebenenfalls anpassen.

Wer ein rundum perfektes Spielerlebnis haben möchte, sollte deswegen mit dem Kauf am besten noch ein bisschen warten. Wer hingegen mit den Problemen leben und es nicht erwarten kann, in die atmosphärisch unglaublich dichte Mittelalterwelt einzutauchen, der kann sofort zugreifen.


Kingdom Come: Deliverance - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Stefan Heppert

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 7.5 Grafik: 7.00
Sound: 7.50
Steuerung: 8.00
Gameplay: 7.50
Wertung: 7.5
  • Geschichtlich nachgewiesener Hintergrund
  • Authentisches Mittelalter-Setting
  • Nachvollziehbares Skill-System
  • Lesen muss erst erlernt werden
  • Man hat fast immer die Freiheit wie man eine Mission angehen möchte
  • Schwere Kämpfe
  • Automatische Speicherpunkte unfair gesetzt
  • Zahlreiche Bugs und Fehler

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Rezension vom: 04.03.2018
Kategorie: Rollenspiele
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