Splashpages  Home Games  Specials  Stromausfall: Die geilste Lücke im Lebenslauf – Die dunkle Seite  Stromausfall: Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979
RSS-Feeds
Podcast
https://splashgames.de/php/images/spacer.gif
In der Datenbank befinden sich derzeit 377 Specials. Alle Specials anzeigen...
Specials Eventspecials

Stromausfall: Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979
«  ZurückIndexWeiter  »


/starwarsEs ist heute kaum noch vorstellbar, wie klein Star Wars einmal angefangen hat. Kein riesiger Kanon, keine Serien, die Lücken zwischen den Kinofilmen füllten, keine unzähligen Romane und Comics, die praktisch jede Ecke der Galaxis beleuchteten. 1977 gab es zunächst nur einen Film. Doch der hinterließ beim Publikum einen solchen Eindruck, dass die Nachfrage nach weiteren Abenteuern sofort riesig war.

Nur: Auf den nächsten Star Wars-Film mussten die Fans einige Jahre warten. Die einzige Möglichkeit, diese Wartezeit zu überbrücken, waren deshalb die Comics von Marvel. Sie führten Luke Skywalker, Han Solo, Leia Organa und Darth Vader in neue Abenteuer und entwickelten die Welt abseits der Kinoleinwand weiter. Genau an diesem Punkt setzt Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979 an. TASCHEN versammelt darin die ersten 23 Marvel-Ausgaben und macht daraus einen außergewöhnlich aufwendig produzierten Band.

Sechs Hefte für einen Film
Den Auftakt bilden die ersten sechs Ausgaben, in denen Marvel die Geschichte des ersten Star Wars-Films als Comic erzählt. Für heutige Leser*innen ist die Handlung natürlich bestens bekannt. Luke lebt auf Tatooine, begegnet Obi-Wan Kenobi und wird gemeinsam mit Han Solo und Chewbacca in den Kampf der Rebellen gegen das Imperium hineingezogen.

Trotzdem lohnt sich gerade dieser Teil der Sammlung. Denn die Comicmacher arbeiteten damals nicht mit dem Wissen, das wir heute besitzen. Viele visuelle Vorstellungen waren noch nicht endgültig festgelegt, und manche Entscheidungen mussten getroffen werden, bevor die entsprechenden Bilder aus dem Film überhaupt zur Verfügung standen.

Das lässt sich an den Seiten wunderbar nachvollziehen. Die Figuren sehen teilweise etwas anders aus als in den später vertrauten Darstellungen, und auch bei einzelnen Schauplätzen oder Wesen erkennt man, dass die Comiczeichner ihre eigene Vorstellung entwickeln mussten. Besonders interessant ist das bei Jabba the Hutt, dessen spätere Erscheinungsform zum Zeitpunkt der Comicproduktion noch gar nicht feststand.

Dadurch wird die Filmadaption zu mehr als einer bloßen Nacherzählung. Sie ist ein Dokument aus einer Zeit, in der Star Wars seine endgültige visuelle Identität noch gar nicht gefunden hatte.

Danach beginnt das Experiment
Richtig spannend wird es allerdings, sobald Marvel nicht mehr an die Handlung des Films gebunden ist. Ab Ausgabe sieben entstehen eigenständige Geschichten, in denen Luke, Han und Leia auf neue Gegner treffen und fremde Welten erkunden.

Hier zeigt sich besonders deutlich, wie viel sich seit damals verändert hat. Die Autoren mussten nicht auf Jahrzehnte später entstandene Vorgaben Rücksicht nehmen. Es gab noch keine umfangreiche Kontinuität, in die sich jede neue Geschichte einfügen musste. Stattdessen durfte ausprobiert werden.

Das führt zu teilweise überraschenden Ergebnissen. Manche Ideen wirken erstaunlich vertraut, andere sind aus heutiger Sicht ausgesprochen ungewöhnlich. Neue Aliens und Schauplätze werden eingeführt, Charaktere bekommen zusätzliche Facetten und auch die Beziehungen zwischen den bekannten Figuren werden weiterentwickelt.

Nicht alles davon wirkt heute noch zeitgemäß. Einige Geschichten sind deutlich geradliniger erzählt, als man es von modernen Comics gewohnt ist, und manches wirkt aus heutiger Sicht fast schon kurios. Aber genau diese Eigenheiten machen die Sammlung interessant. Sie zeigt nicht, wie Star Wars später aussehen sollte, sondern wie sich die Comicmacher Star Wars damals vorstellten.

Ein schönes Beispiel dafür ist Jaxxon. Der riesige grüne Hasen-Außerirdische, der als Schmuggler auftritt, dürfte heutigen Star Wars-Fans zunächst reichlich ungewöhnlich vorkommen. Doch gerade deshalb ist er ein gutes Beispiel dafür, wie wenig festgelegt die Welt damals noch war.

Unterschiedliche Künstler, unterschiedliche Stile
Auch optisch ist die Sammlung eine interessante Zeitreise. Roy Thomas und Howard Chaykin gehören zu den wichtigsten Kreativen der Anfangsphase. Später kommen unter anderem Archie Goodwin und Carmine Infantino hinzu.

Die unterschiedlichen Zeichner sorgen natürlich dafür, dass die 23 Ausgaben keineswegs vollkommen gleich aussehen. Und genau das ist ein Vorteil. Man bekommt keinen nachträglich vereinheitlichten Star Wars-Stil präsentiert, sondern erlebt die Entwicklung der Serie so, wie sie tatsächlich stattgefunden hat.

Dabei wird auch deutlich, wie stark sich die damalige amerikanische Comicästhetik von heutigen Veröffentlichungen unterscheidet. Die kräftigen Farben, die teilweise sehr dynamischen Figuren und die Gestaltung der Panels besitzen einen unverwechselbaren Charme. Wer moderne Star Wars-Comics gewohnt ist, entdeckt hier deshalb beinahe eine andere Version der Saga.

TASCHEN setzt auf Größe
Die Comics selbst sind aber nur die eine Hälfte des Erlebnisses. Die andere ist das Buch, das TASCHEN daraus gemacht hat.

Mit 680 Seiten, rund 700 Abbildungen und einem Format von 28 × 39,5 Zentimetern ist die Star Wars Comics Library gewaltig. Zudem ist das Buch, welches nur in englischer Sprache erhältlich ist, mit 175 Euro eindeutig im Premiumsegment angesiedelt.

Das XXL-Format ist aber nicht nur Show, sondern verändert die Wirkung der Comics tatsächlich. Seiten, die ursprünglich für ein relativ kleines Heftformat konzipiert wurden, bekommen hier plötzlich enorm viel Raum. Einzelne Panels lassen sich so viel genauer betrachten, Linien und Details fallen stärker auf und auch die Seitengestaltung kommt wesentlich besser zur Geltung.

TASCHEN hat die Comics dabei digital remastert, um die Unzulänglichkeiten des ursprünglichen Drucks zu korrigieren. Dabei wurde jedoch nicht versucht, die Seiten mit modernen Farben und einem komplett überarbeiteten Look zu versehen. Der historische Charakter soll erhalten bleiben. Und genau das ist die richtige Entscheidung, denn gerade die etwas eigenwillige Farbgebung und die typische Optik der alten Marvel-Comics machen ihren Reiz aus.

Mehr Bildband als klassische Comicsammlung
Das riesige Format des Buchs bringt allerdings auch eine ganz praktische Konsequenz mit sich: Dieser Band ist nicht gerade als handlich zu bezeichnen. Mit seinen beinahe 40 Zentimetern Höhe und dem hohen Gewicht ist er nichts, was man mal eben mit auf die Couch oder ins Bett nimmt.

Doch eigentlich ist das gar kein Problem. Denn die Star Wars Comics Library möchte gar kein möglichst bequemes Lesebuch sein. Man blättert vielmehr durch die Seiten, betrachtet einzelne Zeichnungen und entdeckt immer wieder Details. Das Buch funktioniert dadurch beinahe wie eine kleine Ausstellung der frühen Marvel-Comics. Man kann die Geschichten selbstverständlich von vorne bis hinten lesen, aber ebenso gut irgendwo aufschlagen und einfach in den Bildern versinken.

Die Geschichte hinter den Geschichten
Dazu passt auch das umfangreiche Begleitmaterial. Comic-Historiker Peter Sanderson ordnet nämlich immer wieder die Entstehung der frühen Marvel-Serie ausführlich ein. Herausgeber Paul Duncan verbindet die historischen Informationen zudem mit dem eigentlichen Comicmaterial.

Das ist eine sinnvolle Ergänzung, denn die Comics funktionieren dadurch nicht nur als Unterhaltung. Man erfährt gleichzeitig, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind und warum diese frühen Marvel-Ausgaben für die Entwicklung des Franchise so interessant sind.

Marvel musste mit den Comics damals nämlich nicht nur ein erfolgreiches Lizenzprodukt abliefern. Die Hefte waren für viele Fans tatsächlich die einzige Möglichkeit, neue Star Wars-Geschichten zu bekommen, während sie auf den nächsten Film warteten. Entsprechend erfolgreich war die Reihe. Die ersten Ausgaben sollen sich jeweils mehr als eine Million Mal verkauft haben und machten Star Wars damit zu einem der erfolgreichsten Marvel-Titel jener Zeit.

Das verändert auch den Blick auf die teilweise ungewöhnlichen Geschichten. Denn was heute wie ein kurioser Ausflug in eine längst vergangene Comicwelt wirkt, war damals Teil einer lebendigen Erweiterung eines gerade erst entstandenen Universums.

Nicht ganz preiswert
Bleibt die Frage, ob man für all das tatsächlich 175 Euro ausgeben sollte.

Wer ausschließlich die alten Geschichten lesen möchte, muss das sicherlich nicht. Die enthaltenen Ausgaben sind auch in anderen Sammelbänden erhältlich. In dieser Hinsicht ist die TASCHEN-Ausgabe eindeutig kein Schnäppchen.

Anders sieht es bei der Betrachtung als Sammler- und Bildband aus. Hier bekommt man schließlich nicht einfach nur 23 alte Comics, sondern eine außergewöhnlich große und hochwertig aufbereitete Präsentation.

Die Zielgruppe ist deshalb ziemlich klar: Wer nur wissen möchte, wie die frühen Marvel-Geschichten aussehen, kann günstiger einsteigen. Wer dagegen Star Wars sammelt, sich für Comicgeschichte interessiert oder die ursprünglichen Marvel-Seiten möglichst eindrucksvoll erleben möchte, findet hier eine Ausgabe, die ihren Preis zumindest nachvollziehbar macht.

Fazit:
Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979 ist weniger ein gewöhnlicher Sammelband als eine aufwendig präsentierte Zeitreise zu den Anfängen der Marvel Star Wars-Comics. Die 23 Ausgaben zeigen eine noch erstaunlich offene Version der Saga und sind gerade wegen ihrer zeittypischen Eigenheiten interessant. TASCHEN ergänzt das historische Material um eine hervorragende Aufbereitung und macht die alten Seiten im XXL-Format zu einem echten Blickfang. Für Star Wars- und Comic-Sammler ist der 175 Euro teure Band damit vor allem eines: ein außergewöhnliches Stück Comicgeschichte.

Zu erwerben gibt es Star Wars Comics Library: Vol. 1. 1977–1979 für 175,00 Euro bei Amazon, im Buchhandel sowie direkt beim herausgebenden TASCHEN Verlag.

© 2026 TASCHEN Verlag

«  ZurückIndexWeiter  »


Special vom: 24.08.2026
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
Weitere Seiten innerhalb dieses Specials können über das seitliche Menü links oben aufgerufen werden.
Zurück zur Hauptseite des Specials