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Stromausfall: Asterix - Die Tochter des Vercingetorix
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Asterix_TochterPünktlich zum 60. Jubiläum des Gallier-Duos brachte Egmont Ehapa den nunmehr 38. Asterix-Band heraus.

Ursprünglich hatten Jean-Yves Ferri und Didier Conrad die Idee, dass sich der Jubiläumsband von Asterix um Vercingetorix drehen sollte. Der legendäre Averner-Häuptling scheiterte 52 vor Christus zwar mit seinem Versuch, gemeinsam mit dem gallischen Volk die Eroberung durch Gaius Julius Caesar zu verhindern, gilt aber bis heute als Sinnbild des stolzen Franzosen, weil er der Legende nach bei seiner Gefangennahme seine Waffen vor Caesars Füße warf. Dieser Heldenstatus bringt jedoch mit sich, dass bereits alles über ihn bekannt ist und eine gänzlich neue Geschichte um ihn vor allem in Frankreich kaum wohlwollend aufgenommen geworden wäre, weshalb man diese Idee wieder verwarf. Stattdessen haben sich die beiden, die seit Asterix bei den Pikten für die neuen Asterix-Abenteuer verantwortlich sind, dafür entschieden, dass sich in Band 38 alles um seine Tochter drehen soll. Die ist zwar nicht historisch belegt, bietet dafür aber eine Menge erzählerischen Spielraum. Diesen nutzten die beiden, um es so aussehen zu lassen, dass Vercingetorix kurz vor seiner Niederlage in Alesia seine Tochter Adrenaline mitsamt dem Wendelring, der als Zeichen für den Widerstand gilt, in Sicherheit bringen ließ. Da Caesar sowohl den Ring, als auch Adrenaline in Rom wissen möchte, befindet sich diese seitdem gemeinsam mit ihren beiden Ziehvätern, zwei Arverner-Häuptlingen, auf der Flucht. Um die Überfahrt ins sichere Londinium organisieren zu können, bitten sie Majestix, den Häuptling des uns nur allzu bekannten Dorfes, darum, solange auf Adrenaline aufzupassen. Natürlich entpuppt sich dies als eine schwerere Aufgabe, als man denkt, denn Adrenaline ist ein typisches Teenagermädchen, das sich von niemanden etwas sagen lässt („Hinkelstein und Zaubertrank sind Stützen des Wildschweinsystems“) und gerne mal ausbüxt.

Auch wenn es sich so anfühlen mag, war die Entscheidung, Adrenaline als Hauptfigur des neuesten Asterix-Bandes einzuführen, bei weitem keine Notlösung. Vielmehr wollten Ferri und Conrad endlich mal eine starke, weibliche Hauptfigur in einem Asterix zeigen und keine, die nur als Love Interest oder nette Hausfrau dienen muss – und damit ganz nebenbei auch noch neue Leser anziehen. Tatsächlich ist die Figur der Adrenaline im Grunde auch sehr gut gelungen. Allerdings ist sie bei näherer Betrachtung dann doch nicht so einzigartig, wie es uns die Macher weismachen wollen: Denn obwohl sie durchaus die erste starke, weibliche Figur im Asterix-Universum ist (mal von Kleopatra abgesehen) ist sie im Grunde doch nur die weibliche Version von Grautvornix aus Asterix und die Normannen.

Das ist aber leider nicht der einzige Kritikpunkt, den sich Ferri und Conrad gefallen lassen müssen. Auch die Tatsache, dass Adrenaline und unsere beiden gallischen Helden Asterix und Obelix während der gesamten Geschichte eigentlich nur nebenher wandeln, anstatt gemeinsam Abenteuer zu erleben, ist etwas unglücklich ausgefallen. Ohnehin erleben Asterix und Obelix hier ungewöhnlich wenige Abenteuer. Im Prinzip beschränkt es sich auf einen einzigen Konflikt, ansonsten sind sie nur damit beschäftigt, hinter Adrenaline herzulaufen und dabei möglichst „natürlich zu wirken“ (auch das dürfte Asterix-Fans bereits aus Asterix als Legionär bekannt vorkommen).
Auch die ebenfalls neu eingeführten Nebenfiguren wollen nicht so zünden, wie man es von Asterix sonst gewohnt ist. Mal ganz abgehen davon, dass Automatix und Verleihnix mit Aspix und Selfix plötzlich Söhne zu haben scheinen, von denen vorher noch nie die Rede war, sind auch die beiden Arverner-Häuptlinge Mausklix und Monolitix und selbst der Bösewicht Miesetrix eher blasse Figuren, die man schnell wieder vergisst.
Auch der Humor hält sich in einem eher überschaubaren Rahmen. Zwar gibt es immer wieder einige Gags, die einem ein Lächeln auf die Lippen zaubern, doch insgesamt wirkt alles zu platt und zu brav, weshalb Die Tochter von Vercingetorix, zumindest was den Text angeht, meiner Meinung nach der bisher schwächste der nunmehr vier Bände ist, für die sich Ferri und Conrad verantwortlich zeigen.
Auch weshalb Alesia plötzlich problemlos ausgesprochen werden darf, ja sogar in Sprichwörtern vorkommt, wobei wir doch alle seit dem ersten Band wissen, dass das Aussprechen der Stadt in der Vercingetorix seine bittere Niederlage einstecken musste, verpönt ist, im Gegenzug aber der Name Vercingetorix, der bisher problemlos gesagt werden durfte, plötzlich nur noch geflüstert werden darf, erschließt sich mir auch nicht so recht.

Es ist aber bei Weitem nicht alles schlecht am neuen Asterix. Was mir wirklich sehr gut gefallen hat und was auch an die guten alten Zeiten von Goscinny und Uderzo erinnerte, sind die Zeichnungen. Zeichner Didier Conrad schafft es nämlich, wie der unvergessene Uderzo, Dynamik und zahlreiche nette Details in seine Panels zu bringen und so zumindest optisch für Kurzweil zu sorgen.

Fazit:
Endlich mal eine starke, weibliche Hauptfigur einzusetzen, die obendrein auch noch eine Teenagerin ist, ist im Grund eine sehr gute, ja sogar lobenswerte Idee. Nur bei der Ausführung des Ganzen hapert es gewaltig. Im Grunde ist Adrenaline nichts anderes als die weibliche Version von Grautvornix (Asterix und die Normannen) und somit dann doch nicht mehr so etwas Besonderes. Gleiches gilt auch für die Geschichte selbst. Der Tatsache geschuldet, dass Asterix und Obelix hier in erster Linie als Beobachter fungieren, mangelt es dem nunmehr 38. Band in ungewohnter Weise an Action. Obwohl Die Tochter des Vercingetorix somit der wohl schwächste der bisher von Ferri und Conrad verantwortlichen Asterix-Bände ist, werden eingefleischte Asterix-Fans natürlich dennoch zugreifen – schließlich möchte man seine Sammlung vollständig halten. Ob man mit dem neuen Band aber auch die erhofften neuen Leser an Land ziehen kann, möchte ich mal bezweifeln.

Zu erwerben gibt es Asterix – Die Tochter des Vercingetorix für 6,90 € bei Amazon, direkt beim Egmont Ehapa Verlag oder im Buchhandel.


Copyright an: © 2019 Egmont Ehapa Media 
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Special vom: 05.11.2019
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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