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Mit Strange Pictures – Seltsame Bilder veröffentlicht Panini Manga einen der aktuell spannendsten Mystery-Horror-Titel aus Japan nun endlich auch auf Deutsch. Die Reihe basiert auf dem Roman Hen na E des geheimnisvollen Autors Uketsu und wurde von KikÅ Aiba als Manga umgesetzt. Schon die Grundidee hebt sich angenehm vom typischen Horror-Alltag ab: Statt Monster, Dämonen oder brutaler Gewalt stehen scheinbar harmlose Zeichnungen im Mittelpunkt – Bilder, hinter denen sich düstere Geheimnisse verbergen.
Bilder, die mehr erzählen, als sie sollten Die Geschichte wirft uns direkt in die Welt von Sasaki, einem Psychologiestudenten, der sich im Rahmen seines Studiums intensiv mit der Analyse von Zeichnungen beschäftigt. Besonders aufmerksam wird er durch den bewegenden Blog eines gewissen Ren Nanashino. Über mehrere Monate hinweg dokumentiert dieser dort sein Leben sowie die Schwangerschaft seiner Frau Yuki – begleitet von handgezeichneten Bildern, die seine Gedanken und Gefühle festhalten.
Voller Vorfreude auf die bevorstehende Geburt zeichnet Ren auch Szenen davon, wie er sich die Zukunft seines Kindes ausmalt. Auf den ersten Blick wirken die Illustrationen völlig harmlos – wie die liebevollen Werke eines fürsorglichen Ehemanns und werdenden Vaters. Doch bei genauerem Hinsehen bemerkt Sasaki erste Unstimmigkeiten. Vor allem die Nummerierung der Zeichnungen scheint nicht zusammenzupassen.
Als Ren schließlich berichtet, dass seine Frau die Geburt nicht überlebt hat und dabei rätselhafte Andeutungen über eine „Sünde“ macht, wächst Sasakis Misstrauen zunehmend. Er beginnt, den seltsamen Details genauer nachzugehen. Anfangs scheinen lediglich die Zahlen nicht zu stimmen – doch schon bald stößt er auf weit mehr als nur einen simplen Fehler.
Horror zum Miträtseln Besonders spannend an Strange Pictures ist, wie der Manga seine Leser*innen aktiv in die Handlung einbindet. Man konsumiert die Geschichte nicht einfach passiv, sondern beginnt automatisch damit, selbst nach Hinweisen zu suchen. Jede Zeichnung wird analysiert, schließlich könnte selbst die kleinste Kleinigkeit von Bedeutung sein. Dadurch entwickelt der Manga eine fast schon spielerische Komponente, die hervorragend funktioniert und ihn deutlich von vielen anderen Genrevertretern abhebt.
Auch atmosphärisch geht die Reihe einen eigenen Weg. Strange Pictures versteht es meisterhaft, das Unbehagen im Alltäglichen zu finden. Statt auf klassische Schockmomente oder billige Jumpscares zu setzen, entsteht der Horror hier durch die schrittweise Zerlegung scheinbarer Normalität. Nach und nach offenbaren sich verstörende Wahrheiten über menschliche Abgründe – und genau das macht den Manga so faszinierend.
Dass Panini den Titel erst ab 16 Jahren empfiehlt, überrascht daher kaum. Zwar setzt Strange Pictures nur selten auf explizite Gewalt, doch die psychologische Spannung und die teils äußerst bedrückenden Themen erzeugen eine konstant unangenehme Atmosphäre, die gerade jüngere Leser*innen durchaus mitnehmen könnte.
Eine besondere Art des Horrors Autor Uketsu hat sich in Japan inzwischen einen Namen mit ungewöhnlichen Mystery- und Horror-Konzepten gemacht. Besonders auffällig ist dabei seine Vorliebe für komplexe Rätselstrukturen und psychologischen Horror. Seine Geschichten leben weniger von offensichtlicher Gewalt als vielmehr von Erkenntnis, Interpretation und dem langsamen Begreifen des eigentlichen Schreckens.
Auch Strange Pictures funktioniert genau nach diesem Prinzip. Der eigentliche Horror entsteht oft erst in dem Moment, in dem man versteht, was ein Bild tatsächlich zeigt. Dieser Ansatz wirkt unglaublich effektiv, weil der Manga dadurch ständig mit der Wahrnehmung seiner Leser*innen spielt.
Man merkt außerdem deutlich, dass die Geschichte ursprünglich als Roman konzipiert wurde. Viele Hinweise werden früh eingebaut und später clever miteinander verknüpft. Dadurch entsteht eine angenehm durchdachte Erzählweise, die zum Miträtseln einlädt.
Fesselnde Atmosphäre Für die Manga-Umsetzung zeigt sich KikÅ Aiba verantwortlich – und die Arbeit des Zeichners passt hervorragend zum Stil der Geschichte. Statt übertriebener Horroroptik setzt Aiba auf realistische Figuren, ruhige Panels und eine konstant bedrückende Stimmung.
Gerade dadurch wirken die eigentlichen „seltsamen Bilder“ umso stärker. Manche Zeichnungen erscheinen zunächst völlig harmlos, entwickeln aber nach und nach eine verstörende Wirkung. Andere wirken sofort falsch, ohne dass man zunächst genau erklären könnte, warum eigentlich.
Besonders gelungen ist außerdem das Pacing. Die Geschichte nimmt sich ausreichend Zeit für ihre Rätsel, verliert dabei jedoch nie ihre Spannung. Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss, bei dem man kaum erwarten kann zu erfahren, wie es weitergeht. Wer allerdings permanente Action oder ständig eskalierenden Horror erwartet, könnte das Tempo stellenweise soch als etwas zu gemächlich empfinden. Zudem wirken manche Enthüllungen leicht konstruiert, da die Handlung sehr stark von ihren Rätselmechaniken lebt. Wirklich störend fällt das allerdings kaum ins Gewicht.
Fazit: Mit dem ersten Band von Strange Pictures – Seltsame Bilder liefert Panini Manga einen äußerst starken Auftakt ab, der sich angenehm vom typischen Horror-Einheitsbrei abhebt. Die Mischung aus Mystery, psychologischem Horror und Rätselstruktur funktioniert hervorragend und sorgt dafür, dass man jede einzelne Seite aufmerksam betrachtet.
Vor allem Fans von intelligent aufgebauten Thriller- und Horror-Geschichten dürften hier voll auf ihre Kosten kommen. Der Manga schafft etwas, das nur wenigen Genrevertretern gelingt: Er bleibt auch nach dem Lesen noch im Kopf – und sorgt dafür, dass man selbst scheinbar harmlose Zeichnungen plötzlich mit ganz anderen Augen betrachtet.
Zu erwerben gibt es Strange Pictures – Seltsame Bilder – Band 01 für 8,99 Euro bei Amazon, im Buchhandel oder im herausgebenden Panini Verlag.
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