Der Landwirtschafts-Simulator ist der mit Abstand bekannteste und erfolgreichste seiner Zunft, doch Simulator-Spiele im Allgemeinen boomen seit einiger Zeit. Ein Blick auf die monatliche Releaseliste zeigt, dass kein Monat vergeht, ohne dass zumindest ein oder zwei neue Simulatoren erscheinen. Dabei gibt es schon jetzt kaum einen Beruf oder eine Tätigkeit, die noch nicht in einem Simulator für jedermann zugänglich gemacht wurde. Da es bei diesem riesigen Angebot kaum machbar ist, alle Spiele zu testen, möchten wir euch in diesem Special in unregelmäßigen Abständen die neuesten, besten oder auch kuriosesten Simulatoren vorstellen.
Teil 341: Ancient Farm Wie wäre es eigentlich, einen Bauernhof im alten Ägypten aufzubauen? Genau das dürfen wir in Ancient Farm von Ultimate Games ausprobieren. Statt mit Traktor und Mähdrescher geht es hier mit einfachen Werkzeugen zur Sache. Wir starten mit einem Stück Land und müssen unseren Hof Schritt für Schritt selbst aufbauen.
Zunächst heißt es also, Ärmel hochkrempeln. Wir beseitigen Hindernisse, sammeln Holz und Steine und stellen daraus die benötigten Werkzeuge her. Danach können wir uns an die ersten Felder machen. Pflanzen wollen ausgesät, bewässert und gedüngt werden. Dabei kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt an, denn die drei Jahreszeiten Akhet, Peret und Shemu bestimmen unter anderem, wann welche Pflanzen angebaut werden können. Wer seine Felder nicht richtig im Blick behält, muss sich deshalb über eine schlechtere Ernte nicht wundern.
Säen, ernten und bauen Auf unseren Feldern bauen wir verschiedene Nutzpflanzen an, die später entweder direkt als Nahrung dienen oder für weitere Produktionsschritte benötigt werden. Dazu kommen Obstbäume, die uns langfristig mit Erträgen versorgen, sowie besondere Uferpflanzen wie Papyrus und Zuckerrohr. Letztere benötigen allerdings etwas mehr Planung, da wir bei der Gestaltung unserer Farm auch die passenden Flächen am Wasser berücksichtigen müssen.
Auch Tiere gehören zum Hofleben und liefern uns wichtige Rohstoffe. Kühe, Schafe, Schweine und Hühner bringen jeweils unterschiedliche Erzeugnisse, die wir wiederum für die weitere Verarbeitung nutzen können. Eine etwas praktischere Rolle übernehmen die Ochsen: Sie können beim Pflügen eingesetzt werden und nehmen uns damit zumindest einen Teil der körperlichen Arbeit ab. Gerade diese Mischung aus Anbau, Tierhaltung und Weiterverarbeitung sorgt dafür, dass wir nicht nur stumpf Felder bestellen, sondern immer wieder überlegen müssen, welche Ressourcen wir für den nächsten Ausbauschritt benötigen.
Aus den gesammelten Materialien entstehen außerdem neue Werkzeuge und Gebäude. Werkstätten und Produktionsstätten erweitern unsere Möglichkeiten, während wir aus unseren Erzeugnissen unter anderem Mahlzeiten herstellen oder Waren für den Handel produzieren. Über Baupläne, die wir beim Händler erhalten, kommen immer weitere Gebäude hinzu, wobei das Angebot von einfachen Stallungen und Produktionsgebäuden bis hin zu aufwendigen Bauwerken und schließlich einem großen Tempel reicht. Letzterer bildet auch das große Ziel unserer Hofentwicklung und gibt dem Ausbau des eigenen Bauernhofs einen klaren Anreiz.
Viel Handarbeit Die größte Geduldsprobe ist und bleibt die Bewässerung. Gerade bei vielen Feldern und Bäumen verbringen wir einiges an Zeit damit, Wasser zu holen und unsere Pflanzen zu versorgen. Immerhin gibt es inzwischen einen Brunnen, der nach seiner Aktivierung eine größere Fläche automatisch bewässern kann. Das nimmt uns etwas Arbeit ab, eine vollständige Automatisierung des Hofes gibt es aber weiterhin nicht. Und das passt hier auch ganz gut, schließlich bewirtschaften wir keinen modernen Hightech-Hof, sondern einen Bauernhof im alten Ägypten. Dass wir hier selbst Hand anlegen müssen, gehört deshalb einfach zum Spielprinzip.
Was leider negativ auffällt, ist die Welt außerhalb unseres Hofes. Abgesehen von Händlern und einigen Tieren passiert dort nämlich nicht besonders viel. Einen richtigen Tages-Nacht-Wechsel gibt es ebenfalls nicht und auch die Jahreszeiten machen sich hauptsächlich beim Pflanzenwachstum bemerkbar. Abseits davon haben sie nur wenig Einfluss auf unsere Umgebung oder den Spielablauf. Das ägyptische Setting passt damit zwar wunderbar zum Spiel, wird spielerisch aber bedauerlicherweise nicht so stark genutzt, wie es möglich gewesen wäre.
Hinzu kommt, dass die Spielmöglichkeiten nach und nach überschaubarer werden. Anfangs gibt es noch viel aufzubauen und auszuprobieren, später wiederholen sich die Abläufe jedoch zunehmend. Ist der große Tempel schließlich errichtet, fehlt ein vergleichbares übergeordnetes Ziel, das uns dauerhaft weitermachen lässt. Genau hier macht sich bemerkbar, dass Ancient Farm neben dem Ausbau des eigenen Hofes nur wenige zusätzliche Anreize bietet.
Fazit: Ancient Farm hat mit seinem altägyptischen Szenario eine interessante Ausgangsidee und macht gerade beim Aufbau des ersten eigenen Hofes durchaus Spaß. Die Kombination aus Landwirtschaft, Crafting, Produktion und Handel funktioniert grundsätzlich, wobei die vielen manuellen Arbeitsschritte später auch zur Belastung werden können.
Leider bleibt die Welt außerhalb des eigenen Hofes dabei aber ziemlich leer und auch die langfristige Motivation hält sich in Grenzen. Wer eine bewusst einfache und ruhige Landwirtschaftssimulation sucht und Spaß daran hat, viele Aufgaben selbst zu erledigen, kann mit Ancient Farm aber natürlich dennoch einige gemütliche Stunden verbringen. Für mehr Abwechslung und eine lebendigere Welt hätte das Spiel sein interessantes Ägypten-Setting allerdings deutlich stärker nutzen können.