Mit Our Adventurer Guild liefert Indie-Entwickler GreenGuy ein charmantes Taktik-Rollenspiel ab, das klassische Fantasy-Ideen mit moderner Gildenverwaltung verbindet. Statt selbst als Held durch Dungeons zu ziehen, übernehmen Spielerinnen und Spieler die Rolle des Gildenmeisters – und genau das macht den Reiz dieses ungewöhnlichen Genre-Mixes aus.
Zwischen Taktik, Management und Abenteuer ​Der Einstieg in das Spielprinzip wirkt zunächst vertraut, entfaltet aber schnell eine eigene Dynamik. Als neuer Leiter einer maroden Gilde liegt es an uns, das Prestige der Organisation wieder aufzubauen. Das Herzstück bilden dabei die Rekrutierung und Betreuung unserer Abenteurer. Anstatt uns mit vorgefertigten Helden zu begnügen, kuratieren wir eine wachsende Truppe aus Individuen, die jeweils eigene Persönlichkeiten und Talente mitbringen.
Helden mit Persönlichkeit Die wahre Tiefe des Spiels zeigt sich aber in der sozialen Ebene: Die Charaktere, die alle über eigene Stärken und Schwächen verfügen, sind keine bloßen Stat-Blöcke. Stattdessen entwickeln sie sich mit jeder Mission weiter und treten dabei sogar untereinander in Interaktion. Sie knüpfen Bande, entwickeln Freundschaften oder pflegen Rivalitäten, was sich unmittelbar auf ihre Leistung auf dem Schlachtfeld auswirkt. Ein gut eingespieltes Team kämpft effektiver, was den Spieler dazu zwingt, nicht nur auf die Ausrüstung, sondern auch auf die Gruppenchemie zu achten.
​Taktische Tiefe auf dem Schlachtfeld ​Sobald die Planung am Schreibtisch abgeschlossen ist, wechselt das Geschehen in rundenbasierte Taktik-Kämpfe. Hier setzt GreenGuy auf klassische Tugenden wie präzise Positionierung und das kluge Management von Aktionspunkten. Das System ist fordernd und belohnt Synergien zwischen den verschiedenen Klassen. Es ist ein ungemein befriedigendes Gefühl, wenn eine mühsam ausgetüftelte Strategie aufgeht und man sieht, wie die Schützlinge, die man vor kurzem noch als Grünschnäbel angeheuert hat, nun komplexe Bossmechaniken souverän aushebeln. Das Crafting-System ergänzt diesen Loop perfekt, da jede gefundene Ressource direkt in die Verbesserung der Gilde oder die Schmiede neuer Ausrüstung fließt, was den Fortschritt jederzeit greifbar macht.
Anspruchsvoll, aber fair Der Schwierigkeitsgrad zieht dabei nach einer Zeit spürbar an, bleibt dabei jedoch fair. Fehler werden bestraft, lassen sich aber meist auf strategische Fehlentscheidungen zurückführen. Wer bereit ist, sich auf die Systeme einzulassen und langfristig zu planen, wird mit motivierendem Spielfluss und stetem Fortschritt belohnt.
Zweckmäßig statt pompös ​Visuell gibt sich Our Adventurer Guild wenig pompös. Die grafische Präsentation ist zweckmäßig und die Menüführung wirkt zu Beginn etwas trocken. Doch wer über die minimalistische Optik hinwegsieht, entdeckt ein mechanisches Meisterwerk. Die Motivation speist sich weniger aus spektakulären Partikeleffekten als vielmehr aus der ständigen Optimierung der eigenen Abläufe und der emotionalen Bindung zu den Schützlingen. Jeder Verlust schmerzt hier doppelt – nicht nur, weil ein Kämpfer fehlt, sondern weil eine mühsam aufgebaute Geschichte endet.
Fazit: Our Adventurer Guild hat mich positiv überrascht. Das ich mit dem Titel ein so liebevoll gestaltetes Taktik-RPG erhalte, das mich mit durchdachten Systemen, cleverem Ressourcenmanagement und klassischer Fantasy überzeugt, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. GreenGuy beweist hier aber eindrucksvoll, dass auch mit überschaubarem Budget ein tiefgründiges, motivierendes Spielerlebnis möglich ist, das Fans von etwas anders gestalteten Taktik-RPGs sicherlich eine ganze Weile gut unterhalten wird.