Genre:
Sport USK Freigabe:
Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
79,99 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Switch 2, Xbox Series X/S
Inhalt:
Seit über 30 Jahren bin ich NFL-Fan, meine große Leidenschaft gehört dabei den Philadelphia Eagles. Und auch Madden NFL begleitet mich schon sehr lange. Auf SplashGames habe ich seit Madden NFL 2005 jeden einzelnen Teil getestet. Ich habe also inzwischen so ziemlich jede Phase der Reihe miterlebt und dabei auch gelernt, nicht jede Neuerung automatisch als großen Fortschritt zu feiern. Gerade bei einer jährlich erscheinenden Sportspielreihe ist schließlich nicht entscheidend, wie lang die Liste der neuen Features ausfällt. Viel wichtiger ist, ob diese Neuerungen das Spielerlebnis tatsächlich verändern.
Bei Madden NFL 27 gibt es darauf erfreulich viele positive Antworten. EA Sports hat diesmal an zahlreichen Stellen angesetzt und dabei nicht nur einzelne Animationen ausgetauscht. Körperlichere Duelle zwischen Receivern und Defensive Backs, dynamisches Wetter, neue Short-Yardage-Mechaniken inklusive Tush Push, deutlich umfangreichere Pre-Play-Anpassungen, mehr Kontrolle beim Fangen und ein überarbeiteter Superstar-Modus gehören zu den auffälligsten Neuerungen.
Die interessanteste Veränderung steckt für mich allerdings im Franchise-Modus. Dort soll die neue Persona Engine dafür sorgen, dass Spieler nicht mehr nur anhand ihrer Ratings funktionieren, sondern unterschiedliche Persönlichkeiten entwickeln und entsprechend auf ihre Situation reagieren.
All das hört sich auf dem Papier wirklich gut an. Doch wie verhält es sich denn tatsächlich auf dem (Kunst‑)Rasen? Sind die Veränderungen beim Spielen auch tatsächlich spürbar? Um das herauszufinden, habe ich mir auch diesmal wieder meine virtuellen Pads angezogen und mich auf den Turf gewagt.
Meinung:
Bewährtes Fundament, mehr taktische Möglichkeiten Wer schon einmal Madden gespielt hat, findet sich auch in der aktuellen Ausgabe sofort zurecht. Die grundlegende Steuerung wurde nämlich nicht unnötig verändert und auch das eigentliche Footballspiel bleibt selbstverständlich der Mittelpunkt. Das ist auch gut so, denn EA muss nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden. Und ganz nebenbei schafft es Madden NFL 27 so auch diesmal wieder, den schwierigen Spagat zwischen einfacher Zugänglichkeit und großer taktischer Tiefe zu meistern. Wer nur schnell eine Partie spielen möchte, kann sich bei der Spielzugauswahl auf die Empfehlungen des Coaches verlassen. Wer dagegen genau weiß, welche Formation gegen eine bestimmte Defense Erfolg verspricht, kann sich durch die Playbooks arbeiten und seinen Spielzug selbst auswählen.
Für erfahrene Spieler wird es allerdings deutlich interessanter, wenn man sich vor dem Snap etwas intensiver mit der eigenen Formation beschäftigt. Die Möglichkeiten zur Pre-Play-Anpassung wurden massiv erweitert. Neben zahlreichen Einstellungen für die Positionierung und das Verhalten der Verteidiger gibt es nun unter anderem mehr Kontrolle über Cornerbacks und Safeties sowie unterschiedliche Verhaltensweisen von Zonenverteidigern. Auch gegen Formationen wie Bunch, Trips oder Stacks stehen zusätzliche Coverage-Anpassungen zur Verfügung.
Besonders praktisch sind dabei die Custom Adjustments. Statt vor jedem Spielzug zahlreiche Einstellungen einzeln vorzunehmen, lassen sich eigene Anpassungspakete speichern und anschließend mit wenigen Eingaben abrufen. Das ist vor allem für erfahrene Spieler eine enorme Zeitersparnis und macht komplexere taktische Änderungen wesentlich zugänglicher. Dadurch fühlt sich Madden NFL 27 bereits vor dem Snap ein ganzes Stück taktischer an: Man versucht nicht mehr, nur herauszufinden, welchen Spielzug der Gegner gewählt haben könnte, sondern kann die eigene Formation und das Verhalten der Spieler jetzt noch gezielter auf die Situation abstimmen.
Die Defense denkt mehr mit Ein Punkt, der bei den letzten Madden-Teilen immer etwas Sorgen bereitet hat, war die Defense. Trotz stetiger Verbesserungen hat sie leider nicht immer den Eindruck vermittelt, wirklich zu verstehen, was auf dem Feld passiert. Natürlich hat auch EA das erkannt und hier noch einmal Hand angelegt. So sollen vor allem Zonenverteidiger ihre Umgebung jetzt besser verstehen und die aktuelle Spielsituation besser berücksichtigen. Je nach Einstellung können sie beispielsweise aggressiver auf kurze Routen reagieren oder konservativer spielen und stärker darauf achten, tiefe Pässe zu verhindern.
Interessant ist außerdem, dass Verteidiger bei improvisierten Spielzügen besser auf ihre Gegenspieler reagieren. Bricht ein Spielzug auseinander und der Quarterback beginnt zu improvisieren, können die Verteidiger schneller auf Receiver reagieren, anstatt stur in ihrer ursprünglichen Zone zu bleiben. Dazu kommen weitere Coverage-Anpassungen, mit denen sich die Verteidigung gezielter auf bestimmte Receiver oder Bereiche des Spielfelds ausrichten lässt.
Das macht die Defense insgesamt flexibler und gibt erfahrenen Spielern deutlich mehr Kontrolle. Gleichzeitig sollte man die Erwartungen nicht übertreiben. Auch die neuen Systeme verhindern nicht jede unlogische Reaktion und gelegentlich sorgt die KI weiterhin für Situationen, bei denen man sich fragt, was der betreffende Verteidiger gerade eigentlich vorhatte. Insgesamt ist die Entwicklung aber eindeutig positiv.
Receiver gegen Cornerback Noch stärker spürt man die Veränderungen beim eigentlichen Spielzug. Die Duelle zwischen Wide Receivern und Defensive Backs sind körperlicher geworden. Beim Release, während der Route und insbesondere am Catch Point kämpfen die Spieler stärker um ihre Position. Das neue Jostling-System sorgt für mehr Hand-Fighting und macht gutes Stellungsspiel, Press Coverage und die richtige Balance wichtiger.
Das ist besonders bei sogenannten 50/50-Bällen interessant. Ein schneller Receiver ist nicht mehr automatisch im Vorteil, wenn der Cornerback technisch sauber verteidigt. Gleichzeitig bleiben die Ratings wichtig, sodass ein schwächerer Spieler nicht plötzlich einen Elite-Receiver völlig aus dem Spiel nehmen kann. Das Ergebnis sind insgesamt etwas intensivere und nachvollziehbarere Duelle zwischen den beiden Positionen.
Auch das Passspiel selbst erhält mit Timing Based Catching eine interessante Ergänzung. Nach dem Pass kann der Spieler nun den gewünschten Catch-Typ auswählen und über ein Timing-System beeinflussen, wie sauber der Fang ausgeführt wird. Ein gutes Timing kann dabei einen Vorteil bringen, während die normalen Spielerwerte weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Das System ersetzt die Ratings also nicht, sondern ergänzt sie um eine zusätzliche spielerische Ebene.
Das gefällt mir gut, weil dadurch gerade bei schwierigen Pässen etwas mehr Verantwortung beim Spieler liegt. Ein Receiver mit guten Werten bleibt wichtig, aber auch das eigene Timing kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Mehr Möglichkeiten für die Offense Zusätzlich zu alledem gibt es in der Offense noch weitere kleinere Verbesserungen und Neuerungen, die zusammengenommen aber auch für mehr taktische Möglichkeiten sorgen. Running Backs und Tight Ends können beispielsweise über neue Check-and-Release-Varianten zunächst einen Pass Rusher blocken und anschließend verzögert in ihre Route starten. Das bietet zusätzliche Möglichkeiten gegen Zonenverteidigungen und kann gleichzeitig die Pass Protection verbessern.
Zusammen mit den umfangreicheren Pre-Play-Optionen und den Custom Adjustments kann die eigene Offense dadurch stärker auf bestimmte Situationen zugeschnitten werden. Madden wird damit allerdings nicht plötzlich zu einer Football-Strategiesimulation. Wer einfach einen Spielzug auswählt und loslegt, kann das weiterhin tun. Die zusätzlichen Möglichkeiten sind vielmehr ein Angebot an Spieler, die tiefer in die taktische Seite des Sports einsteigen möchten.
Endlich: Der Tush Push Eine Neuerung freut mich als Eagles-Fan natürlich besonders. Denn erstmals ist der sogenannte Tush Push in Madden enthalten. Bei diesem Spielzug, bei dem es sich um eine spezielle Form des Quarterback-Sneaks handelt, ist schließlich der Parade-Spielzug der Eagles und bescherte ihnen schon zahlreiche Punkte und sogar Siege. Madden NFL 27 widmet diesen Situationen, die für viele andere Franchises, Spieler, Fans und auch Experten verboten gehört, nun endlich eine ganz eigene Mechanik.
Das ganze hört auf den Namen QB Sneak Meter und kommt sowohl beim Tush Push als auch bei normalen Quarterback Sneaks zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein skill-basiertes Timing-Spiel, das bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts die Erfolgschance des QB Sneaks erhöht, die Conversion aber keinesfalls automatisch garantiert. Denn neben dem richtigen Timing spielen auch die Stärke der Offensive Line, die körperlichen Voraussetzungen des Quarterbacks und die Situation an der Line of Scrimmage eine Rolle.
Das ist wichtig, denn Short-Yardage-Situationen wurden insgesamt überarbeitet. Der Tush Push ist damit nicht einfach nur ein neuer Spielzug im Playbook, sondern Teil eines Systems, das den Kampf an der Line of Scrimmage stärker in den Mittelpunkt rückt. Und ja: Als Philadelphia-Fan macht es natürlich besonders viel Spaß, diesen Spielzug selbst auszuführen.
Wenn aus Sonne plötzlich Regen wird Neu ist diesmal allerdings, dass sich die Bedingungen während einer Partie verändern können. Ein Spiel kann also bei strahlendem Sonnenschein beginnen und sich im weiteren Verlauf zu einer völlig anderen Wettersituation entwickeln. Das Spielfeld verändert sich dabei ebenfalls, wenngleich es nicht mehr so extrem ist wie im letzten Jahr. Denn gerade der heftige Schneefall wurde deutlich reduziert, sodass man dieses Jahr auch im Schneegestöber wieder mehr Überblick hat als zuletzt.
Das Tolle an dem Wetter ist aber, dass es sich nicht nur um eine optische Spielerei handelt. Wetter und Platzverhältnisse können sich nämlich tatsächlich auf Bewegungen, Ausdauer, Ballkontrolle und damit letztlich auch auf die eigene Spielweise auswirken. Wer seine Partie bei besten Bedingungen mit einem aggressiven Passspiel beginnt, muss bei stärker werdendem Regen möglicherweise umdenken. Vielleicht sind kurze Pässe nun die bessere Wahl, vielleicht sollte der Running Back häufiger eingesetzt werden oder man entscheidet sich generell für eine vorsichtigere Spielweise.
Genau solche Situationen gefallen mir. Football lebt davon, dass sich eine Partie entwickeln kann und man auf neue Umstände reagieren muss – und genau das schafft Madden NFL 27 mit dem dynamischen Wetter jetzt noch eindrucksvoller zu vermitteln.
Mehr Heimspielgefühl Passend dazu soll auch der Vorteil eines Heimspiels stärker zur Geltung kommen. Die verschiedenen Spielstätten unterscheiden sich jetzt mehr voneinander und ihre typischen Faktoren wie Atmosphäre, Wetter oder die Besonderheiten bestimmter Stadien haben jetzt mehr Einfluss auf das Spiel. Damit wird der Spielort zu einem etwas wichtigeren Bestandteil einer Saison.
Das Madden jetzt auch das berücksichtigt, finde ich sehr toll. Denn ein Auswärtsspiel in Denver fühlt sich nun einmal anders an als eine Partie im warmen Miami. Zumal passend dazu auch die ganze Präsentation der Spiele noch einmal überarbeitet wurde. Nun dürfen wir uns nämlich auch in Madden über noch mehr teambezogene Traditionen, besondere Einmärsche, Maskottchen, Musik und zusätzliche Showelemente freuen. Dazu gehören beispielsweise die Fallschirmspringer in Denver oder die Zipline in Jacksonville, an der Jaxson die Ville vom Stadiondach auf den Rasen saust.
Solche Details wirken für viele zunächst sicherlich nebensächlich. Für jemanden, der regelmäßig NFL schaut, sind sie es aber nicht. Die NFL lebt schließlich von ihren unterschiedlichen Stadien und Traditionen. Deswegen ist es schön, dass EA auch dies jetzt stärker in Madden NFL einbinden möchte, wenngleich man auch sagen muss, dass die Detailverliebtheit eines College Football 27 hier nicht erreicht wird.
Mehr als nur neue Animationen Apropos Präsentation. Dazu gehören natürlich auch die Bewegungen und Animationen der Spieler auf dem Feld. Und auch hier hat EA noch einmal kräftig nachgelegt und die Bewegungen der Spieler überarbeitet und zahlreiche Animationen ergänzt, wodurch Läufe, Cuts, Würfe und Tackles flüssiger wirken. Gerade beim Laufspiel merkt man, dass die Bewegungen der Running Backs besser ineinandergreifen. Doch auch die Blocker reagieren intelligenter auf bestimmte Situationen, wodurch sich Laufwege etwas natürlicher entwickeln können.
Beim Tackling gibt es mit dem Tackle Stick außerdem eine kleine, aber sinnvolle Ergänzung. Neben den bisherigen Hit- und Cut-Stick-Tackles können nun auch Lunge- und Wrap-Tackles über den rechten Stick ausgeführt werden. Dadurch stehen je nach Situation mehr Möglichkeiten zur Verfügung, einen Ballträger zu stoppen.
Das alles ist keine Revolution. Aber genau diese vielen kleinen Verbesserungen sorgen dafür, dass sich das Gameplay insgesamt noch ein Stückchen runder und realistischer anfühlt.
Die KI macht Fortschritte Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die KI, die natürlich - wie jedes Jahr, auch diesmal noch einmal verbessert wurde. Quarterbacks treffen ab sofort bessere Entscheidungen, Ballträger reagieren realistischer und typische „Robo-QB“-Momente treten seltener auf. Gleichzeitig kann die KI auf viele der neuen offensiven und defensiven Anpassungen zurückgreifen, die auch menschlichen Spielern zur Verfügung stehen.
Das ist gerade für diejenigen interessant, die häufig gegen die KI spielen oder lange Franchise-Saisons absolvieren. Denn dort fällt schnell auf, wenn die künstliche Intelligenz immer nach denselben Mustern agiert.
Allerdings ist auch Madden NFL 27 nicht frei von KI-Aussetzern. Manchmal wirkt die Positionierung eines Verteidigers weiterhin merkwürdig, und auch bei Kollisionen und Tackles gibt es Situationen, die nicht ganz nachvollziehbar aussehen. Die KI ist also besser geworden, aber noch lange nicht perfekt.
Coach Mode für Football-Nerds Eine interessante Ergänzung ist außerdem der erweiterte Coach Mode. Hier kann man Spielzüge ansagen, Anpassungen vor dem Snap vornehmen und Hot Routes oder Audibles vorgeben. Anschließend übernimmt die KI das Geschehen und führt das Vorgegebene auf dem Spielfeld so gut wie möglich aus. Dazu kommt noch eine spezielle Coach-Perspektive, aus der man das Geschehen von der Seitenlinie oder aus der Kabine verfolgen kann.
Für mich ist das kein Modus, in dem ich den Großteil meiner Zeit verbringen werde. Für Football-Fans, die sich eher als Coach denn als Spieler sehen, dürfte er aber eine nette Ergänzung sein.
Die größte Neuerung steckt im Franchise-Modus Viel Interessanter ist für mich hingegen der Franchise-Modus, der meiner Meinung nach traditionell das Herzstück von Madden bildet. Hier verbringe ich die meiste Zeit und hier entscheidet sich für mich auch, ob ein neuer Teil langfristig überzeugen kann. Und genau hier hat EA Sports diesmal besonders viel investiert.
Eine der Neuerungen ist beispielsweise die Persona Engine, die den Spielern unterschiedliche Persönlichkeiten gibt. Insgesamt gibt es dabei mehr als 65 unterschiedliche Persona-DNA-Typen, die beeinflussen, welche Ziele Spieler verfolgen, was ihnen wichtig ist und wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Damit wird aus einem Spieler jetzt mehr als eine Kombination aus Ratings und Vertragswert.
Und auch wenn sich das zunächst nur nach einer weiteren Statistik anhört, sorgt die Persona Engine tatsächlich dafür, dass sich das Spiel anders anfühlt. Plötzlich kann es nämlich einen Unterschied machen, um welchen Spieler es sich handelt.
Nicht jeder Star will dasselbe Nehmen wir an, du hast einen jungen Wide Receiver, der gerade seine erste richtig starke Saison gespielt hat. Seine Werte sind hervorragend, sein Vertrag läuft allerdings bald aus. Bisher war eine solche Situation im Wesentlichen eine mathematische Angelegenheit: Wie viel Cap Space hast du? Wie hoch ist sein Marktwert? Wie lange möchtest du ihn binden?
Jetzt kann zusätzlich die Persönlichkeit des Spielers eine Rolle spielen. Vielleicht will er unbedingt bleiben, weil er sich in deinem Team wohlfühlt. Vielleicht ist ihm dagegen seine persönliche Rolle wichtiger und er möchte mehr Targets. Vielleicht verlangt er einen deutlich besseren Vertrag oder ist mit dem sportlichen Erfolg unzufrieden.
Das kann im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass ein Spieler einen Trade verlangt oder sich weigert, weiterzuarbeiten. Damit bekommt der Franchise-Modus eine Dimension, die bisher häufig gefehlt hat, in der NFL aber zum Alltag gehört: Drama.
Verträge werden zu echten Verhandlungen Das zeigt sich besonders schön bei den neuen Vertragsverhandlungen. Statt einfach nur Geld und Vertragsdauer festzulegen, wird tatsächlich verhandelt. Dabei spielen unter anderem die Geduld des Spielers, seine Wünsche und die Entwicklung des Gesprächs eine Rolle. Je nachdem, mit welchem Spielertyp man es zu tun hat, können sich die Gespräche unterschiedlich entwickeln.
Das gefällt mir ausgesprochen gut, denn genau solche kleinen Geschichten sind es, die eine lange Franchise-Saison interessant machen. Wenn ich nach zehn Jahren zurückblicke, erinnere ich mich schließlich nicht daran, ob mein Salary Cap in Saison sechs exakt bei einem bestimmten Wert lag.
Ich erinnere mich daran, dass mein bester Receiver plötzlich einen Trade gefordert hat. Oder dass mein alter Quarterback unbedingt noch einen Ring gewinnen wollte. Oder dass ein Rookie, dem ich zunächst kaum etwas zugetraut habe, plötzlich zum Gesicht meiner Franchise wurde.
Eine Liga, die lebt Passend dazu wurde auch das Drumherum überarbeitet. Ein permanenter News-Ticker informiert über Ereignisse in der Liga, größere Meldungen können als Breaking News eingeblendet werden und Wochenrückblicke greifen ebenfalls Geschehnisse rund um die NFL auf.
Dadurch entsteht stärker der Eindruck, dass nicht nur die eigene Mannschaft existiert. Das ist für mich als NFL-Fan besonders wichtig. Wenn ich mit den Eagles spiele, interessiert mich schließlich auch, was bei den Cowboys, Giants oder Commanders passiert. Und wenn in einer anderen Division plötzlich ein Star-Quarterback verletzt ausfällt, möchte ich das nicht erst irgendwann im Menü entdecken.
Und auch die Free Agency wurde interessanter gestaltet. Statt dass sich die Verpflichtung eines Spielers ausschließlich wie ein Menüpunkt anfühlt, entsteht jetzt mehr Wettbewerb um begehrte Spieler. Zusammen mit der Persona Engine ergibt sich daraus eine schöne Mischung aus Sportmanagement und zwischenmenschlichen Entscheidungen.
Der perfekte NFL-Sonntag? Auch die allgemeine Präsentation wurde noch einmal überarbeitet. Neue Kameraperspektiven, Halbzeitberichte, saisonale Präsentationen und zusätzliche Storytelling-Elemente sollen das Gefühl einer echten TV-Übertragung verstärken.
Besonders schön finde ich, dass die Halbzeit nicht ausschließlich auf die gerade gespielte Partie beschränkt ist. Auch andere Begegnungen und Entwicklungen der NFL können eine Rolle spielen. Dazu kommen besondere Präsentationen für bestimmte Termine und Feiertage.
Das alles macht die einzelnen Partien abwechslungsreicher und sorgt dafür, dass man nicht jedes Spiel als exakt dieselbe Präsentation erlebt. Allerdings gibt es auch hier noch Luft nach oben. Die Kommentatoren wirken teilweise weiterhin etwas generisch und reagieren nicht immer so präzise auf die aktuelle Spielsituation, wie man es sich wünschen würde. Auch die Halbzeitpräsentation könnte noch wesentlich umfangreicher ausfallen.
Superstar wird zur kompletten Karriere Der Superstar-Modus erhält ebenfalls einen größeren Umbau. Mit der neuen G.O.A.T. Career Journey verfolgt man den Weg vom Nachwuchsspieler bis zur möglichen Aufnahme in die Pro Football Hall of Fame. Dabei geht es nicht mehr nur darum, möglichst gute Statistiken zu produzieren. Auch die Entwicklung des eigenen Spielers, seine Leistungen, Auszeichnungen und seine langfristige Karriere spielen eine Rolle.
Dazu kommen tiefere Skill Trees und drei neue spielbare Positionen: Tight End, Edge Rusher und Free Safety. Gerade der Tight End ist eine interessante Ergänzung, weil diese Position wesentlich stärker auf die Kombination aus Fangen und Blocken angewiesen ist. Dadurch fühlt sich Superstar nicht mehr ganz so stark auf die klassischen Skill-Positionen beschränkt an.
Vom College bis nach Canton Besonders interessant wird das Ganze natürlich für Besitzer von College Football 27. Wer dort seine Karriere beginnt, kann seinen Spieler anschließend in Madden NFL 27 übernehmen und seinen Weg in der NFL fortsetzen. Damit entsteht erneut die Möglichkeit, tatsächlich eine Karriere vom College bis in die NFL zu verfolgen. Für Football-Fans, die beide Spiele besitzen, ist das natürlich ein großer Pluspunkt. Aber auch ohne College Football 27 funktioniert Superstar eigenständig.
Was mir allerdings weiterhin etwas fehlt, ist das Leben abseits des Spielfelds. Wenn EA Sports schon die komplette Karriere eines zukünftigen Hall-of-Famers erzählen möchte, dürfte der Modus meiner Meinung nach ruhig noch stärker auf Sponsoren, Medien, persönliche Entscheidungen und andere Aspekte des Profidaseins eingehen. Die sportliche Karriere ist umfangreich. Das Leben des Stars könnte dabei aber noch deutlich interessanter inszeniert werden.
Ultimate Team mit mehr Möglichkeiten Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist der Ultimate Team-Modus. Hier können Spieler ihre Mannschaft weiterhin aus aktuellen Stars und Legenden als Karten zusammenstellen und über Herausforderungen sowie Belohnungen verbessern. Die Möglichkeiten, einzelne Spieler weiterzuentwickeln, bieten zusätzlichen Spielraum für diejenigen, die viel Zeit in den Modus investieren.
Für eingefleischte MUT-Spieler dürfte das durchaus interessant sein. Für mich persönlich bleibt dieser Modus allerdings weiterhin eher Nebensache. Ich möchte Madden spielen, um eine NFL-Saison zu erleben, meine Eagles zum Super Bowl zu führen oder eine andere Franchise über viele Jahre aufzubauen. Das Sammeln und permanente Optimieren von Karten reizt mich dagegen deutlich weniger.
Technisch weiterhin stark Umso mehr gefällt mir aber die Grafik, die auch in Madden NFL 27 wieder recht beeindruckend ist. Die Spielermodelle sehen hervorragend aus, die Stadien sind detailliert und gerade die neue Wetterdarstellung sorgt für einige sehr schöne Momente.
Besonders gut gefällt mir, dass Wetter und Spielfeld nicht einfach nur als Hintergrundeffekt eingesetzt werden. Wenn ein Spiel mit Sonnenschein beginnt und sich später zu einem echten Regenspiel entwickelt, verändert sich die komplette Atmosphäre. Im Schnee hinterlassen Spieler zudem sichtbare Spuren, während sich die Bedingungen im Verlauf einer Partie verändern können.
Zusammen mit den überarbeiteten Animationen, den neuen Kameraperspektiven, der neuen Präsentation und den allgemein guten Kommentatoren entsteht so das Gefühl, tatsächlich eine NFL-Übertragung zu verfolgen. Passend dazu präsentiert sich auch der Soundtrack, der wieder exzellent zum Spiel passt und für die richtige musikalische Untermalung sorgt.
Fazit:
Nach über 30 Jahren NFL-Fan-Dasein und seit Madden NFL 2005 als Tester auf SplashGames.de habe ich schon viele Madden-Varianten erlebt. Umso erfreulicher ist es, dass Madden NFL 27 trotz des bekannten Grundgerüsts einige Neuerungen bietet, die tatsächlich etwas verändern. Das dynamische Wetter, die körperlicheren WR/DB-Duelle, Timing Based Catching, die neuen Short-Yardage-Mechaniken und vor allem die umfangreicheren Pre-Play-Anpassungen machen das Gameplay abwechslungsreicher und taktisch interessanter. Mein persönliches Highlight ist jedoch die Persona Engine, die dem Franchise-Modus eine neue Dimension verleiht und dafür sorgen kann, dass aus Statistiken und Management-Entscheidungen tatsächlich eigene Geschichten entstehen.
Eine Revolution ist Madden NFL 27 trotzdem nicht – allerdings ist das nach einem bereits so starken Vorgänger wie Madden NFL 26 auch eine schwierige Aufgabe. EA Sports hat deshalb weniger das komplette Fundament verändert, sondern an vielen wichtigen Stellen sinnvoll weitergebaut. Einige Schwächen wie gelegentliche KI-Aussetzer, nicht immer perfekte Kollisionsphysik und eine teilweise noch ausbaufähige Präsentation bleiben aber leider bestehen. Wer Madden NFL 26 besitzt, muss deshalb nicht zwingend sofort wechseln. Für Franchise-Fans, Football-Enthusiasten und alle, die länger kein Madden mehr gespielt haben, ist Madden NFL 27 aber ein sehr gelungenes und umfangreiches NFL-Paket und dürfte auch dieses Jahr wieder um den Titel der besten Sportsimulation ein gehöriges Wörtchen mitreden.
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