Genre:
Jump'n'Run USK Freigabe:
Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
ab 10,25 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Switch 2, Xbox Series X/S
Inhalt:
Fußball und Videospiele verbindet seit Jahrzehnten eine ganz besondere Beziehung. Während heute vor allem aufwendige Simulationen mit fotorealistischer Grafik und millionenschweren Lizenzen den Ton angeben, war in den Neunzigerjahren noch deutlich mehr Platz für verrückte Ideen. Mitten in der Hochzeit der bunten Maskottchen-Plattformer betrat so damals ein rothaariger Junge im Sportdress die Bühne und stellte das Genre kurzerhand auf den Kopf.
Meinung:
Mit der kürzlich erschienenen Soccer Kid Collection bringt QUByte Interactive genau diesen charmanten Außenseiter zurück auf moderne Konsolen. Wer hier allerdings ein klassisches Fußballspiel erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Statt Elfmeterschießen und Meisterschaften erwartet euch ein herrlich skurriles Jump'n'Run, in dem ein Fußball zur wichtigsten Waffe gegen eine Alien-Invasion wird – typisch 16-Bit-Ära eben.
Eine ungewöhnliche Idee aus der goldenen Retro-Ära Die Geschichte von Soccer Kid beginnt Anfang der Neunzigerjahre – einer Zeit, in der Entwickler deutlich häufiger den Mut hatten, ungewöhnliche Ideen auszuprobieren. So auch das britische Entwicklerteam von Krisalis Software, das sich an ein Konzept wagte, das auf dem Papier zunächst ziemlich verrückt klang: ein Fußballspiel, das eigentlich gar keines ist.
Das Original erschien 1993 zunächst für den Amiga und wurde damals vor allem für seine farbenfrohe Präsentation und das ungewöhnliche Spielprinzip gelobt. Obwohl sogar über einen Nachfolger nachgedacht wurde, blieb Soccer Kid letztlich ein Einzelspiel. Umso interessanter ist daher die Frage, was die neue Collection eigentlich beinhaltet.
Die Antwort liefert ein Blick auf die Veröffentlichungsgeschichte des Spiels. Da der Amiga zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seinen Zenit bereits langsam überschritten hatte, entschieden sich Entwickler und Publisher dazu, Soccer Kid auch für weitere Heimcomputer und Konsolen umzusetzen. Genau aus diesen Versionen bedient sich QUByte Interactive nun für die Collection und packt die SNES- sowie die MS-DOS-Fassung gemeinsam auf moderne Systeme.
Zwei Versionen, ein Klassiker Gerade für Retro-Fans ist diese Auswahl ausgesprochen spannend. Zwar erzählen beide Fassungen dieselbe Geschichte und bieten dasselbe Spielprinzip, technisch unterscheiden sie sich jedoch deutlich. Die SNES-Version überzeugt mit den typischen farbenfrohen Sprites, geschmeidigen Animationen und einem fantastischen Chiptune-Soundtrack. Die DOS-Version wirkt dagegen etwas rauer, punktet aber mit einem höheren Detailgrad und versprüht den ganz eigenen Charme früher PC-Spiele.
Es macht tatsächlich Spaß, beide Varianten direkt miteinander zu vergleichen und zu erleben, wie unterschiedlich Entwickler damals mit den Möglichkeiten der jeweiligen Hardware umgingen. Genau deshalb ist es schön, dass QUByte Interactive beide Versionen in einer Sammlung vereint.
Typisch Neunziger Die eigentliche Geschichte schreit dabei förmlich nach den Neunzigern. Der außerirdische Pirat Scab stiehlt den begehrten WM-Pokal direkt vor den Augen der Menschheit. Auf seiner Flucht kollidiert sein Raumschiff jedoch mit einem Asteroiden, wodurch die Trophäe in zahlreiche Einzelteile zerbricht, die überall auf der Welt verstreut werden. Nun liegt es an einem jungen, namenlosen Fußballfan, die Scherben wieder einzusammeln. Seine Reise führt ihn dabei von Italien über Russland bis nach Japan.
Anstelle klassischer Fußballspiele erwarten den Spieler dabei aber seitlich scrollende Levels voller Gegner, Plattformen und kleiner Rätsel. Soccer Kid verbindet also klassische Jump'n'Run-Elemente mit Action und einer ordentlichen Portion Fußball und hebt sich dadurch auch heute noch angenehm von der Masse ab.
Fußball mal anders Das Herzstück des Spiels ist dabei aber selbstverständlich der Ball. Während Mario auf Gegner springt und andere Helden Schwerter oder Blaster schwingen, verlässt sich Soccer Kid ausschließlich auf seine Schusstechnik. Dabei beschränkt sich das Spiel glücklicherweise aber nicht auf einfache Schüsse nach vorne. Mit unterschiedlichen Tastenkombinationen gelingen nämlich auch hohe Lupfer, kraftvolle Kopfbälle oder sogar spektakuläre Fallrückzieher.
Genau diese Mechanik verleiht Soccer Kid seinen ganz eigenen Charakter. Viele Gegner lassen sich nur mit gezielten Schüssen ausschalten, während bestimmte Hindernisse erst durch einen clever platzierten Ball überwunden werden können. Dadurch entstehen immer wieder kreative Situationen, die deutlich mehr verlangen, als lediglich von Plattform zu Plattform zu springen.
Vor allem in den späteren Levels zeigen die Entwickler, wie viel Potenzial in dieser ungewöhnlichen Grundidee steckt. Selbst heute fühlt sich das Spielkonzept deshalb noch immer angenehm frisch an.
Allerdings offenbart sich hier gleichzeitig eine der größten Schwächen des Spiels. Aus heutiger Sicht wirkt die Steuerung stellenweise leider etwas hakelig und unpräzise. Besonders beim Springen oder beim exakten Platzieren des Balls ist zunächst einiges an Eingewöhnung erforderlich. Was Anfang der Neunziger zum normalen Schwierigkeitsgrad gehörte, dürfte heutigen Spielern stellenweise durchaus Geduld abverlangen.
Retro-Charme mit kleinen Macken Wer mit Spielen der 16-Bit-Ära aufgewachsen ist, wird sich dennoch sofort heimisch fühlen. Die farbenfrohen Hintergründe, die eingängigen Melodien und die liebevoll gestalteten Figuren versprühen genau den Charme einer Zeit, in der Entwickler mit begrenzten technischen Möglichkeiten erstaunlich kreative Welten erschufen.
Die abwechslungsreichen Schauplätze sorgen zusätzlich dafür, dass die Reise rund um den Globus nie langweilig wird. Natürlich kann die Technik mit modernen Produktionen längst nicht mehr mithalten, doch genau darin liegt auch ein großer Teil des Reizes. Soccer Kid besitzt eine ganz eigene Identität, die bis heute erhalten geblieben ist.
Dennoch merkt man der Collection ihr Alter in einigen Bereichen deutlich an. Vor allem die teilweise ungenaue Kollisionsabfrage und der Frust beim Ballverlust können gerade in hektischen Situationen für Ärger sorgen. Fällt der Ball in einen Abgrund oder verschwindet kurzzeitig aus dem Bild, steht der kleine Held oftmals nahezu wehrlos da, während die Gegner keine Gnade kennen.
Auch das Leveldesign wird gegen Ende stellenweise etwas unübersichtlich. Das Auffinden sämtlicher Pokalteile entwickelt sich dadurch gelegentlich zur Geduldsprobe.
Eine Collection mit Luft nach oben Neben den technischen Macken fällt vor allem noch eines auf: der etwas großzügige Umgang mit dem Begriff „Collection“. Kauft man eine Sammlung, erwartet man normalerweise mehrere unterschiedliche Spiele einer Reihe. Tatsächlich bekommt man hier jedoch lediglich ein und dasselbe Spiel in zwei verschiedenen Fassungen geboten. Da zusätzlich umfangreiches Bonusmaterial, Entwicklerinterviews oder eine kleine Dokumentation zur Entstehungsgeschichte fehlen, dürfte der Umfang der Sammlung für den ein oder anderen Retro-Fan etwas enttäuschend ausfallen.
Immerhin haben es einige moderne Komfortfunktionen ins Spiel geschafft. So gibt es Speicherstände, die den damals berüchtigten Schwierigkeitsgrad deutlich entschärfen. Außerdem sind verschiedene Bildschirmfilter enthalten, mit denen sich der klassische Röhrenfernseher-Look nachempfinden lässt. Beides sind zwar keine außergewöhnlichen Extras, dennoch ist es schön zu sehen, dass QUByte Interactive zumindest an diese kleinen Verbesserungen gedacht hat.
Fazit:
Die Soccer Kid Collection ist keine aufwendig restaurierte Retro-Sammlung, sondern vielmehr eine liebevolle Erinnerung an eine Zeit, in der Entwickler noch den Mut hatten, völlig verrückte Ideen umzusetzen. Fußball und Jump'n'Run ergeben auf den ersten Blick zwar eine ungewöhnliche Kombination, funktionieren hier aber erstaunlich gut.
Es sei aber auch gesagt, dass man dem Spiel dabei ganz klar sein Alter anmerkt. Die Steuerung verlangt Geduld, manche Passagen können frustrieren und auch der Umfang der Collection hätte etwas großzügiger ausfallen dürfen. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch ein charmantes Stück Videospielgeschichte serviert, das sich selbst nach über drei Jahrzehnten noch angenehm von modernen Genrevertretern abhebt.
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