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Screamer

Entwickler: Milestone
Publisher: Milestone

Genre: Simulationen
USK Freigabe: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: ab 69,99 €

Systeme: PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S

Inhalt:

1995 brachte das italienische Entwicklerstudio Graffiti mit Screamer – beziehungsweise Bleifuss, wie es in Deutschland hieß – einen Arcade-Racer heraus, der in direkter Konkurrenz zu Need for Speed stand. Während EAs Rennserie seitdem zahlreiche neue Ableger erhielt, wurde es nach zwei weiteren Teilen (erschienen 1996 und 1997) still um Screamer. Erst jetzt, rund 30 Jahre später, kehrt die Marke zurück. Abgesehen vom Namen und dem Entwicklerteam, das mittlerweile unter dem Namen Milestone bekannt ist, hat der Reboot allerdings nur noch wenig mit dem Original gemein.



Meinung:

Um zu verstehen, wie groß dieser Wandel ist, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Screamer erschien Mitte der 90er-Jahre und war damals ein echter Hingucker. Während viele Konkurrenten noch auf 2D-Technik setzten, bot das Spiel bereits rasante 3D-Rennen – und das ganz ohne dedizierte 3D-Beschleunigerkarten, allein durch die Rechenleistung der CPU. Geschwindigkeit, einfache Zugänglichkeit und spektakuläre Rennen standen im Fokus – eine Formel, die damals hervorragend funktionierte. Story? Fehlanzeige. Komplexe Systeme? Ebenfalls nicht. Screamer war pures Rennspiel-Vergnügen. Der Reboot schlägt nun allerdings einen (in weiten Teilen) anderen Weg ein.

Ein interaktiver Anime
Am auffälligsten ist dieser neue Weg bei der Grafik zu sehen. Anstatt auf Realismus zu setzen, wie man es zum Beispiel auch aus Milestones’ MotoGP-Reihe kennt, kooperiert man hier eng mit dem legendären Studio Polygon Pictures, wodurch das Spiel wie ein spielbarer High-End-Anime wirkt.
Die Fahrzeuge nutzen dabei ein aufwendiges Cel-Shading-Verfahren, das sie gleichzeitig plastisch und wie handgezeichnet erscheinen lässt. Wenn man mit über 300 km/h durch neonbeleuchtete Häuserschluchten einer futuristischen Metropole jagt und bei jedem Drift stilisierte Speed-Lines über den Bildschirm zucken, fühlt man sich schnell wie der Protagonist eines rasanten Cyberpunk-Epos. Besonders eindrucksvoll ist dabei das Schadensmodell: Während in vielen Arcade-Racern nur ein paar Dellen entstehen, sprühen hier Funken im Comic-Stil, und der Lack splittert sichtbar ab – und das alles, ohne dass die Performance einbricht.

Auch die rund zehnstündige Story-Kampagne unterstreicht diesen Ansatz. Sie führt ins titelgebende Screamer-Turnier, in dem sich fünf Teams in weit mehr als einer bloßen Aneinanderreihung von Rennen duellieren. Stattdessen erwartet einen eine inszenierte Handlung mit unterschiedlichen Charakteren, Rivalitäten und persönlichen Motiven – ganz im Stil eines Anime. Erzählerisch bleibt das zwar ohne große Überraschungen, erfüllt aber seinen Zweck und sorgt für gute Unterhaltung. Vor allem die Zwischensequenzen tragen maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei.

Kein braves Rennspiel
Auch spielerisch geht Screamer neue Wege, bleibt dabei aber dem arcadigen Grundgefühl des Originals treu. Es ist kein braves Rennspiel mit strengen Regeln, sondern ein kompromissloses Duell auf der Strecke.

Zentral ist dabei das sogenannte ECHO-System, das eine überraschend strategische Komponente ins Spiel bringt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheidet man, ob man angreift, sich verteidigt oder einen entscheidenden Boost einsetzt. Grundlage dafür sind verschiedene Energieleisten, die sich auf unterschiedliche Weise füllen. Der klassische Boost – hier „Sync-Boost“ genannt – lädt sich etwa durch perfektes Schalten auf. Aktiviert man ihn, füllt sich gleichzeitig die Entropy-Leiste. Diese wiederum ermöglicht offensive Aktionen wie Rammattacken oder defensive Manöver in Form von Schutzschilden. Ist die Leiste vollständig gefüllt, steht zudem der Overdrive zur Verfügung, der das Fahrzeug förmlich über die Strecke katapultiert.

All das sorgt für eine Dynamik, die an die goldenen Zeiten von Burnout erinnert, dabei aber deutlich taktischer ausfällt. Wer seine Ressourcen zu früh verbraucht, wird auf der Zielgeraden gnadenlos abgefangen. Da auch die KI diese Systeme effektiv nutzt, bleiben die Rennen bis zur letzten Sekunde ein nervenaufreibender Tanz am Limit.

Die riskante Neuerfindung des Drifts
Die wohl größte Kontroverse – und gleichzeitig eine der größten Stärken – ist jedoch das innovative Twin-Stick-Steuerungssystem, mit dem Milestone ein spielmechanisches Risiko eingeht, das man heute nur noch selten sieht.

Während der linke Stick klassisch die Vorderachse steuert, kontrolliert der rechte Stick aktiv das Heck und damit den Driftwinkel. In den ersten Minuten führt das unweigerlich zu Frust: Man dreht sich, verliert die Kontrolle und küsst häufiger die Bande, als einem lieb ist. Doch irgendwann setzt der Aha-Moment ein. Plötzlich balanciert man das Fahrzeug mit beeindruckender Präzision durch enge Kurven und nutzt den Drift gezielt, um den Boost optimal aufzuladen.
Selbst für Spieler, die normalerweise wenig mit Driften anfangen können, entfaltet dieses System nach der Eingewöhnung einen enormen Reiz. Jede Kurve wird zur kleinen Herausforderung – und gleichzeitig zur Chance, das eigene Fahrgefühl zu perfektionieren.

Allerdings hängt der Erfolg nicht allein vom eigenen Können ab. Auch die Wahl des Charakters spielt eine entscheidende Rolle. Jeder der 15 Fahrer bringt nämlich ein eigenes Fahrzeug mit, das sich nicht nur optisch anpassen lässt, sondern auch individuelle Werte besitzt. Manche Autos sind schneller, andere bremsen besser oder lassen sich leichter kontrollieren. Unterschiede im Über- und Untersteuern beeinflussen zusätzlich das Fahrverhalten.
Hinzu kommen individuelle Spezialfähigkeiten: So kann ein Charakter nach einem Boost direkt einen weiteren, kleineren zünden, während ein anderer über besonders starke Angriffe verfügt. Diese Unterschiede haben spürbare Auswirkungen auf das Handling und können letztlich darüber entscheiden, ob man mit der Steuerung souverän zurechtkommt und um Siege fährt – oder von einer Bande in die nächste knallt und dem Feld hinterherhechelt. Insgesamt empfand ich die Steuerung jedoch als äußerst erfrischend und bin dankbar dafür, dass sich Milestone getraut hat, hier bewusst vom gewohnten Standard abzuweichen.

Spielmodi für jeden Geschmack
Wer das Turnier durchgespielt hat oder zwischendurch ein wenig Abwechslung sucht, kann sich natürlich auch an weiteren Spielmodi versuchen. Besonders gut eignet sich dafür das Arcade-Menü, in dem gleich mehrere alternative Rennvarianten zur Auswahl stehen. In „Rennen!“ kann man beispielsweise offline eigene Rennen mit individuellen Regeln austragen. So lässt sich hier etwa festlegen, ob man ausschließlich gegen Teammitglieder oder im „Jeder gegen jeden“-Modus gegen das komplette Fahrerfeld antreten möchte.

Im „Teamrennen“ steht – wie der Name bereits vermuten lässt – das Zusammenspiel im Vordergrund. Ziel ist es hier, gemeinsam die meisten Punkte zu sammeln. Diese gibt es dabei nicht nur für die Platzierung im Ziel, sondern auch für Aktionen auf der Strecke sowie für erzielte KOs. Der Modus kann sowohl alleine gegen die KI als auch online mit Freunden gespielt werden.
Die „Punkteherausforderung“ wiederum erinnert stark an klassische Spielhallen-Zeiten. Ähnlich wie in alten Arcade-Games nimmt man hier an einer Reihe von Rennen, Herausforderungen und sogar Bosskämpfen teil, um möglichst viele Punkte zu sammeln und sich einen Platz an der Spitze der Rangliste zu sichern.

Richtig rasant wird es in der „Overdrive-Herausforderung“. Hier besteht das Ziel darin, möglichst lange im namensgebenden Fahrmodus zu bleiben. Doch Vorsicht: Schon die kleinste Berührung mit einer Wand führt zu einer spektakulären Explosion – und beendet den Run abrupt.
Wesentlich bodenständiger fällt dagegen die „Kontrollpunkt“-Herausforderung aus. Hier geht es auf ganz klassische Weise darum, innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele Checkpoints zu durchfahren.

Ebenfalls ein Genre-Dauerbrenner ist das „Zeitrennen“, bei dem man schlicht versucht, die bestmögliche Rundenzeit auf die Strecke zu bringen. Wie alle anderen Modi verfügt auch dieser über globale Ranglisten, in denen man sich mit Spielerinnen und Spielern aus aller Welt messen kann.
Zu guter Letzt darf natürlich auch ein Mehrspieler-Modus nicht fehlen. Hier kann man entweder im Vier-Spieler-Splitscreen lokal gegeneinander antreten oder sich online mit anderen Spieler*innen messen.

Zwischen Faszination und Wiederholung
So frisch und mutig sich Screamer in vielen Bereichen präsentiert, ganz ohne Schwächen kommt der Reboot leider nicht aus. Mit der Zeit schleichen sich zum Beispiel spürbare Wiederholungen ein – sowohl bei den Strecken, obwohl das Angebot mit rund 30 Kursen durchaus solide ist, als auch im generellen Rennablauf. Auch die Steuerung zeigt gelegentlich Schwächen. In manchen Situationen kippt das präzise Fahrgefühl plötzlich ins Chaos, sodass eher der Zufall als das eigene Können über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Glücklicherweise bleiben solche Momente die Ausnahme.
Die KI offenbart ebenfalls kleinere Defizite. In direkten Duellen agiert sie zwar überzeugend, nutzt jedoch auffällig selten die auf vielen Strecken vorhandenen Abkürzungen. Das verschafft dem Spieler einen gewissen Vorteil, weshalb es sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit empfiehlt, den Schwierigkeitsgrad etwas anzuheben.



Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Stefan.Heppert

Das neue Screamer ist ein mutiger Neustart, der sich bewusst von seinen Wurzeln löst. Statt das Original einfach zu kopieren, geht das Spiel eigene Wege und kombiniert Rennspiel, Action und Inszenierung zu einem ungewöhnlichen Gesamtpaket.
Zwar zündet nicht jede neue Idee auf Anhieb, dennoch überzeugt der Reboot mit einem klaren Stil, frischen Ansätzen und dem Mut, das Genre neu zu denken. Wer offen für Experimente ist und kein klassisches Rennspiel erwartet, dürfte mit dem neuen Screamer aber definitiv auf seine Kosten kommen.



Screamer - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Stefan.Heppert

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 7.875 Grafik: 8.00
Sound: 8.50
Steuerung: 7.50
Gameplay: 7.50
Wertung: 7.875
  • Herrlich arcadiges Fahrgefühl
  • 15 Charaktere mit unterschiedlichen Autos
  • 30 unterschiedliche Strecken
  • Interessante neue Drift-Steuerung
  • Taktischer als man zunächst vermutet
  • KI findet keine Abkürzungen
  • Steuerung nicht immer ganz optimal
  • Schwierigkeitsgrad wird schnell zu einfach

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Rezension vom: 25.03.2026
Kategorie: Simulationen
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