Genre:
Action USK Freigabe:
keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG. ca. Preis:
39,99 €
Systeme:
PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S
Inhalt:
Manchmal braucht man keine tiefgreifende Abhandlung über die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz. Manchmal will man einfach nur mit einem 20-Tonner durch eine Horde mutierter Schlamm-Monster brettern, während ein treibender Synthie-Beat das Trommelfell massiert. John Carpenter’s Toxic Commando ist genau das: Ein spielgewordenes Grindhouse-Movie, das sich einen feuchten Dreck um Konventionen schert.
Meinung:
Die Handlung ist so herrlich B-Movie, dass man automatisch nach Popcorn greifen möchte. Ein größenwahnsinniger Wissenschaftler versucht, Energie aus dem Erdkern zu gewinnen – und weckt dabei versehentlich den „Sludge God“. Das Resultat: Die Welt versinkt in einer klebrigen, neonfarbenen Endzeit, Untote kriechen aus dem Boden, und die Natur wirkt, als hätte jemand den Abfluss einer Giftmülldeponie offen gelassen. Hier kommen die Toxic Commandos ins Spiel – eine Söldnertruppe, die aussieht, als wäre sie direkt aus einem 80er-Jahre-Actionfigurenkatalog entsprungen. Ihre Mission ist ebenso simpel wie effektiv: den Planeten säubern. Und zwar mit Blei.
Lieber Koop statt Einzelkämpfer Solo ist Toxic Commando durch den Einsatz von KI-Kollegen zwar machbar, aber ungefähr so spaßig wie eine Solopartie Mario Kart. Seine wahre Stärke spielt der Titel erst im Koop aus. Die verschiedenen Klassen decken alle Genre-Klischees ab – vom schwer gepanzerten Tank mit Schild bis zum flinken Scout – und greifen hervorragend ineinander. Daraus entstehen regelmäßig spektakuläre Situationen: Während ein Spieler mit einem gepanzerten Truck durch die Gegnerhorden pflügt, sichert ein anderer den Rückzug mit dem Flammenwerfer, und irgendwo im Hintergrund detoniert mal wieder etwas.
Teamwork ist dabei entscheidend. Munition, Heilung und Spezialfähigkeiten müssen koordiniert eingesetzt werden, wodurch unter der trashigen Oberfläche überraschend viel taktische Tiefe entsteht. Der Schwierigkeitsgrad zieht ebenfalls mit jeder Mission auch ordentlich an. Die Horden sind hier nämlich keine bloßen Statisten, sondern flankieren uns sogar so manchesmal (wenn auch eher zufällig, aber dennoch effektiv) und setzen uns mit schieren Massen unter Druck. Dennoch bleibt das Spiel aber zugänglich genug, um auch mit Random-Mitspielern Spaß zu machen.
Fahrzeuge? Das sind keine Fahrzeuge. Das sind Waffen! Und dann ist da ja auch noch unser Gefährt, mit dem wir oft unterwegs sind. Diese bringen uns nicht nur schneller von einem Punkt zum anderen, sondern sind teilweise auch mit Waffen ausgerüstet, mit denen wir den zahlreichen Feinden noch besser Herr werden können. Besonders nützlich ist der an manchen Vehikeln montierte Greifhaken. Mit ihm lassen sich Container öffnen, die wertvolle Ressourcen wie Munition oder Heilgegenstände enthalten. Allerdings sollte man stets ein Auge auf den Treibstoff behalten – bleibt der Tank leer, kann das in brenzligen Situationen schnell zum Problem werden. Glücklicherweise ist Sprit in dieser Welt aber meist ausreichend vorhanden, sodass das Auffinden keine allzu schwere Aufgabe darstellt.
Wesentlich schwieriger kann da schon das Manövrieren werden. Aber nicht etwa, weil die Steuerung Murks ist – die ist nämlich tatsächlich gut gelungen. Vielmehr könnte uns der Untergrund zum Verhängnis werden. Ähnlich wie bei MudRunner führt der Weg nämlich auch hier oft durch unwegsames Gelände voller Schlamm und Hindernisse. Wer hier blind aufs Gas tritt, steckt schneller fest, als ihm lieb ist.
Viel Feuerkraft, viel Fortschritt Natürlich steht das Ballern aber dennoch im Mittelpunkt. Das Waffenarsenal reicht von klassischen Sturmgewehren über schwere Maschinengewehre bis hin zu absurd übermächtigen Spezialwaffen, die ganze Gegnergruppen pulverisieren. Zusätzliche Motivation liefern freischaltbare Skins und Upgrades für die Waffen. Auch die Charakterentwicklung kommt nicht zu kurz: Jede Klasse verfügt über einen eigenen Skilltree mit individuellen Fähigkeiten, die sich durch Erfahrungspunkte verbessern lassen. Wie langfristig diese Progression motiviert, muss sich aber erst noch zeigen und wird stark vom zukünftigen Content abhängen. Derzeit stehen nämlich lediglich neun Karten zur Verfügung, die man trotz ihrer Größe doch relativ schnell kennt. Sollten regelmäßig neue Missionen und Maps folgen, besitzt das Spiel jedoch ein deutliches Langzeitpotential.
Dreckig und laut Die Technik präsentiert sich von einer guten Seite, wobei Toxic Commando auf eine leicht comichafte und schmutzige, postapokalyptische Optik mit viel Nebel, Schlamm und toxischem Grün setzt. Das sieht auf den ersten Blick zwar nicht nach sehr viel aus, hat aber durchaus seinen Reiz, vor allem da die Spielwelt doch sehr detailliert gestaltet wurde und alles butterweich abläuft – außerdem passt es einfach hervorragend zum Setting. Gleiches gilt auch für den Sound, der mit seinem Synthie-Soundtrack sehr an die 80er-B-Movies erinnert. Neben der Musikuntermalung können aber auch die Effekte überzeugen, wobei hier vor allem die wuchtigen Waffen und brachialen Explosionen das actionreiche Geschehen noch einmal gut untermalen.
Fazit:
Wie kaum ein anderer steht John Carpenter für kultige B-Movies – und genau dieses Gefühl transportiert John Carpenter’s Toxic Commando in spielbarer Form. Dreckige Optik, kompromisslose Action und eine bewusst überzeichnete Story sorgen für authentisches Trash-Kino-Feeling. Unter der Oberfläche verbirgt sich jedoch mehr Substanz, als man zunächst erwarten würde. Unterschiedliche Klassen, freischaltbare Fähigkeiten und kooperative Spielmechaniken sorgen insbesondere im Mehrspieler-Modus für überraschend viel Tiefgang und Spielspaß.
Bleibt letztlich nur die Frage, wie lange der Nachschub an Inhalten das Interesse aufrechterhalten kann. Wer jedoch einfach das Hirn ausschalten und eine ordentliche Portion brachialer Koop-Action genießen möchte, wird hier mit großer Wahrscheinlichkeit bestens unterhalten.
Bewertung Du kannst dieses Game hier benoten. Wohlgemerkt soll nicht die Rezension, sondern das Game an sich bewertet werden! Du hast also dieses Game gespielt? Dann bewerte es hier. Die Benotung erfolgt mit Sternen. Keine Sterne entsprechen der Schulnote 6. Fünf Sterne entsprechen der Schulnote 1.