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Let's Watch: Ballon
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Let_s_watch


ballon_coverMit Ballon, der dank StudioCanal seit dem 14.03. auch zu Hause auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD angeschaut werden kann, beweist Michael „Bully“ Herbig, dass er nicht nur der lustige Quatschkopf ist, den man normalerweise kennt.

Sommer 1979 in Thüringen. Die Familien Strelzyk und Wetzel haben über zwei Jahre hinweg einen waghalsigen Plan geschmiedet: Sie wollen mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR fliehen. Doch der Ballon stürzt kurz vor der westdeutschen Grenze ab. Die Stasi findet Spuren des Fluchtversuchs und nimmt sofort die Ermittlungen auf, während die beiden Familien sich gezwungen sehen, unter großem Zeitdruck einen neuen Flucht-Ballon zu bauen. Mit jedem Tag ist ihnen die Stasi dichter auf den Fersen – ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Filmkritik
Michael „Bully“ Herbig kennt man vor allem als lustigen Typen. Egal, ob vor oder hinter der Kamera, Bully brachte mit seiner Bullyparade, (T)Raumschiff Surprise oder Der Schuh des Manitu die Nation zum Lachen. Im letzten Jahr bewies er aber, dass er eben nicht nur der Quatschkopf ist, als den wir ihn alle kennen, sondern auch ernste Töne anschlagen kann. Zu diesem Zweck hat er sich einen der wohl bekanntesten Fluchtversuche der DDR-Geschichte ausgewählt: Den Versuch der Familien Strelzyk und Wetzel mit einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR in die BRD zu fliehen.
Anders als die allermeisten Filme, die sich um das Thema DDR drehen, setzt Herbig seinen Fokus nicht auf das politische System des sozialistischen Staates. Natürlich sind die Stasi und andere Überwachungsapparate auch hier ein Thema, doch stehen hier vor allem die beiden Familien im Fokus. Welche Gründe haben sie, das risikoreiche Unternehmen überhaupt anzugehen? Was müssen sie während der rund zwei Jahre, in denen sie den Plan geschmiedet haben, alles unternehmen, um nicht aufzufliegen? All das wird hier auf dramatische aber nie überzogene Weise dargestellt. Dass all dies als Film so gut funktioniert, ist auch Herbigs Akribie zu verdanken. Geschlagene sechs Jahre dauerte die Produktion, wovon die wenigste Zeit wohl auf die Dreharbeiten fiel. Vielmehr wollte Herbig die DDR und natürlich die Umstände der Flucht so realitätsnah wie nur möglich darstellen und hat zu diesem Zweck eine unglaubliche Recherchearbeit geleistet, wozu auch unzählige Gespräche mit den beiden realen Familien Strelzyk und Wetzel gehörten.
Ein weiterer Grund, weshalb einen Ballon trotz des bekannten Ausgangs der Geschichte von der ersten bis zur letzten Minute fesselt, ist natürlich auch bei den Schauspielern zu finden – und hier zu aller erst bei Thomas Kretschmann (Resident Evil: Apocalypse). Kretschmann, der hier Oberstleutnant Seidel spielt, flüchtete schließlich einst selbst aus der DDR in die Bundesrepublik und genau diese Verbundenheit merkt man seinem Schauspiel auch in jeder Sekunde an. Er ist mit einer solchen Hingabe dabei, dass es wirklich verwunderlich ist, dass er für diese Darbietung keinen Preis erhalten hat. Aber auch der restliche Cast, wie Alicia von Rittberg (Charité) und David Kross (Knallhart), die das Ehepaar Strelzyk spielen oder Friedrich Mücke (Friendship!) und Karoline Schuch (Hannas Reise) als Ehepaar Wetzel machen ihre Sache herausragend und bringen die zahlreichen Emotionen extrem glaubhaft rüber. Man nimmt es ihnen einfach ab, wenn sie immer paranoider werden und jeden, dem sie begegnen, als potenziellen Spion fürchten.
Für mich persönlich gehört die Darbietung des gesamten Haupt-Casts zum Besten, was ich seit langer, langer Zeit in einem deutschen Film gesehen habe.

Bild & Ton
Wie aktuelle Hollywood-Filme wurde auch Ballon komplett mit den digitalen Arri-Alexa-Mini- und Arri-Alexa-Plus-Kameras gedreht. Diese Kamerawahl zahlt sich auch aus, denn das Bild der Blu-ray wirkt unglaublich sauber. Körnung gibt es hier keine zu sehen und die Schärfe ist sowohl in Nahaufnahmen als auch in Totalen nahezu perfekt. Woran man sich erst ein wenig gewöhnen muss, ist der grün/gelb-Filter, der etwas vom Kontrast nimmt. Allerdings passt dieser Look gut zu der Zeit, in der der Film spielt, weshalb man gerne mit dem leichten Gelbstich lebt. Auf den Schwarzwert hat der Filter übrigens keinen Einfluss, der ist genauso knackig, wie man sich das bei einem aktuellen Film wünscht.
Am Ton gibt es im Grunde auch nichts auszusetzen. Auch hier wurde auf aktuelle Technik gesetzt, weshalb man sich über einen Dolby Atmos 7.1-Sound freuen darf. Und freuen ist hier genau das richtige Verb, denn neben den kristallklaren Dialogen, weiß hier vor allem der Score zu überzeugen. Dieser unterstreicht die Dramatik jederzeit gekonnt mit abwechslungsreichen Streich- und Bass-intensiven Musikstücken und sorgt so für noch mehr Spannung als ohnehin schon da ist. Nicht zu verstecken brauchen sich auch die Soundeffekte. Die sorgen nämlich nicht nur für eine unglaublich gelungene Räumlichkeit, sondern hören sich auch außerordentlich gut an. Wenn das Feuer im Heißluftballon geschürt wird oder die DDR-typischen 2-Takter Motoren durchs Bild fahren, schaut man sich schon mal ungläubig um, um nachzusehen, ob man nicht wirklich Gefahr läuft umgefahren zu werden.

Bonusmaterial
Beim Bonusmaterial hat sich StudioCanal wahrlich nicht lumpen lassen. Neben der achtzehneinhalb-minütigen Featurette „Was für ein Aufwand: Ein Hintergrundbericht von den Dreharbeiten und den Zeitzeugen”, das zeigt, mit welchem Aufwand Michael Herbig und seine Crew die Dreharbeiten angegangen sind, gibt es noch vier weitere Featurettes, wobei sowohl in „Die Requisiten“ als auch „Die Nachbildung des Ballons“, „Über die Geschichte“ sowie „Über die Einbindung der Zeitzeugen“ gezeigt wird, mit welcher Detailverliebtheit Herbig an die Sache ran ging. Wie er immer wieder selbst betont, wollte er nämlich nicht, dass der Eindruck entsteht, dass hier irgendetwas durch den Kakao gezogen wird. Das kommt in den jeweils rund zwei Minuten langen Featurettes auch eindrucksvoll rüber. Weitere Einblicke in die Dreharbeiten gewährt ein Making-of, das mit rund 4:36 Minuten aber leider etwas kurz geraten ist. Zum Abschluss erwartet einen dann aber noch B-Roll Material (7:59 Minuten) und der offizielle Trailer. Außerdem gibt es noch ein Wendecover, auf dem das hässliche USK-Logo nicht zu sehen ist.
Insgesamt ein wirklich reichhaltiges Bonusmaterial, das einige interessante Hintergrundinformationen bietet und den Filmabend so perfekt abrundet.


Fazit:
Mit Ballon beweist Michael „Bully“ Herbig eindrücklich, dass er nicht nur der Spaßvogel ist. Er zeichnet mit einer unglaublichen Akribie, Detailversessenheit und Fingerspitzengefühl die wohl spektakulärste Flucht aus der DDR dermaßen gut nach, dass man von der ersten bis zur letzten Sekunde gebannt vor dem Fernseher sitzt und mitfiebert.
Schön, dass ein solch gelungener Film auch technisch erstklassig präsentiert wird und die Blu-ray sich sowohl in Sachen Bild und Ton als auch Bonusmaterial vor keiner anderen Produktion verstecken muss.
Kurz gesagt: Ballon ist sowohl, was den Film an und für sich, als auch die technische Ausstattung angeht, einer der besten deutschen Film überhaupt.


Originaltitel: Ballon
Darsteller: Alicia von Rittberg, Ben Teichmann, Christian Näthe, David Kross, Emily Kusche, Friedrich Mücke, Gernot Kunert, Jonas Holdenrieder, Karoline Schuch, Ronald Kukulies, Sebastian Hülk, Thomas Kretschmann, Till Patz, Tilman Döbler, Ulrich Brandhoff
Regisseur(e): Michael Herbig
Veröffentlichung: 14. März 2019
Studio/Verleih: StudioCanal
Spieldauer: 125 Minuten
Altersfreigabe: Freigegeben ab 12 Jahren

Wer jetzt Interesse daran hat, sich Ballon zu kaufen, der kann dies u.a. über Amazon machen. Den Film gibt es ab 12,99 Euro auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD.

© StudioCanal
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Special vom: 18.03.2019
Autor dieses Specials: Stefan.Heppert
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