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Srromausfall - Armada
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Stromausfall_neu


ArmadaMit seinem ersten Roman Ready Player One schrieb der bis dahin vor allem als Drehbuchautor von Fanboy bekannte US-Amerikaner Ernest Cline einen echten Millionen-Bestseller, der dieses Jahr sogar von niemandem geringeren als Steven Spielberg verfilmt wurde. Mit seinem kürzlich erschienenen zweiten Roman Armada möchte Cline an diesen Erfolg anknüpfen und die Zeichen dazu stehen wahrlich nicht schlecht.

Genau wie Ready Player One ist auch Armada ein Nerd-Roman, in dem es sehr viel um Videospiele geht. Genauer gesagt dreht sich hier alles um das namensgebende Spiel Armada, welches der Held des Buches, Zack Lightman, schon sein ganzes Leben lang gezockt hat. Für viele war dies nichts weiter als reine Zeitverschwendung, doch wie sich herausstellte, war dem nicht so. Denn eines Tages passiert das Unfassbare: Die Sobrukai, also genau jene Alienspezies, die im Spiel die Feinde darstellen, greifen tatsächlich die Erde an. Wer wäre besser dazu geeignet die Erde vor den Invasoren zu beschützen, als jene die die Aliens schon unzählige Male besiegt haben – die Gamer?

Leseprobe

PHASE EINS
Ich starrte gerade aus dem Fenster des Klassenraums und träumte von Abenteuern, als ich die fliegende Untertasse entdeckte.
Ich blinzelte und sah noch einmal hin – sie war immer noch da, eine glänzende Chromscheibe, die im Zickzack über den Himmel flog. Meine Augen hatten Mühe, dem Objekt zu folgen, während es eine Reihe schneller und unglaublich scharfer Wendungen vollzog, die einen Menschen, wäre denn einer an Bord gewesen, zu Brei zermatscht hätten. Die Scheibe raste auf den fernen Horizont zu und hielt direkt darüber an. Einen Moment lang hing sie reglos über den Baumwipfeln, als würde sie das Gelände unter sich mit einem unsichtbaren Strahl abtasten, nur um dann in den Himmel hochzuschießen und weitere, allen physikalischen Gesetzen spottende Manöver durchzuführen.
Ich versuchte, cool zu bleiben. Cool und skeptisch. Ich sagte mir, dass ich ein Mann der Wissenschaft sei, auch wenn ich in den naturwissenschaftlichen Fächern meistens nur ein C kriege.
Dann schaute ich ein weiteres Mal hin. Worum es sich bei dem Ding handelte, konnte ich immer noch nicht genau sagen, aber ein paar Sachen schieden definitiv aus. Es war kein Meteor. Und auch kein Wetterballon, kein Sumpfgas und kein Kugelblitz. Nein, das unidentifizierte Flugobjekt, das ich da mit eigenen Augen sah, stammte nicht von dieser Erde.
Abgefahren!, war mein erster Gedanke.
Gefolgt von: Ich fass es nicht, dass das jetzt endlich passiert.
Dazu muss man wissen, dass ich seit dem ersten Tag im Kindergarten auf irgendein völlig unglaubliches, weltveränderndes Ereignis gehofft und gewartet hatte, das die endlose Monotonie meiner Bildungslaufbahn unterbrach. Hunderte von Stunden hatte ich in die ruhige, gezähmte Vorstadtlandschaft im Umkreis meiner Schule hinausgeblickt und mir insgeheim den Ausbruch der Zombie-Apokalypse herbeigewünscht oder einen krassen Unfall, der mir Superkräfte bescherte, oder auch das plötzliche Auftauchen einer Gruppe zeitreisender kleptomanischer Zwerge.
Schätzungsweise ein Drittel dieser düsteren Tagträume drehte sich um die unerwartete Ankunft außerirdischer Wesen.
Natürlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass es wirklich geschehen könnte. Selbst wenn Außerirdische beschließen sollten, diesem völlig unbedeutenden kleinen grünblauen Planeten einen Besuch abzustatten, würde wohl kein auch nur halbwegs respektables Alien meine Heimatstadt Beaverton in Oregon – aka »Das öde Loch  – als geeigneten Ort für den Erstkontakt wählen. Es sei denn, sie wollten bei der Auslöschung unserer Zivilisation mit den langweiligsten Gegenden anfangen. Wenn das Universum ein helles Zentrum hat, war ich auf diesem Planeten am weitesten davon weg. Reich mir mal die blaue Milch, Tante Beru.
Aber nun geschah tatsächlich etwas Unglaubliches – und zwar genau in diesem Moment! Da draußen flog ein gottverdammtes UFO herum. Ich sah es klar und deutlich.
Und ich war mir ziemlich sicher, dass es näher kam.
Ich warf einen unauffälligen Blick über die Schulter zu meinen besten Freunden, Cruz und Diehl, die hinter mir saßen. Die beiden flüsterten jedoch gerade miteinander und schauten nicht aus dem Fenster. Ich spielte mit dem Gedanken, sie auf das UFO aufmerksam zu machen, fürchtete aber, das Objekt könnte jeden Moment verschwinden. Ich wollte nichts verpassen.
Schnell schaute ich wieder hinaus und sah das Fluggerät wie einen silbernen Blitz über die Landschaft fegen. Dann hielt es an und schwebte kurz auf der Stelle, bevor es sich erneut in Bewegung setzte. Schweben, losrasen. Schweben, losrasen.
Es kam definitiv näher. Ich konnte seine Form nun genauer erkennen. Und als die Untertasse kurz zur Seite kippte, sah ich, dass es gar keine Untertasse war. Der symmetrisch geformte Rumpf erinnerte eher an die Klinge einer Doppelaxt. In der Mitte zwischen den langen, gezackten Flügeln befand sich ein schwarzes, achtkantiges Prisma, das wie ein dunkles Juwel in der Morgensonne funkelte.
In diesem Moment erlitt mein Hirn einen Kurzschluss, denn ich kannte das markante Design des Fluggeräts nur allzu gut. Schließlich hatte ich es in den letzten paar Jahren beinahe jeden Abend im Fadenkreuz gehabt. Es handelte sich um eine Gleve der Sobrukai, eines der Kampfschiffe der bösen Aliens in Armada, meinem Lieblingscomputerspiel.
Was natürlich nicht sein konnte. Das wäre so, als würde man einen TIE-Jäger oder einen Warbird der Klingonen am Himmel sehen. Die Sobrukai und ihre Gleven waren Fiktion. In der realen Welt existierten sie nicht, basta. Computerspiele erwachten nicht zum Leben, und erfundene Raumschiffe düsten nicht am Himmel über deiner Heimatstadt umher. So ein haarsträubender Schwachsinn passierte höchstens in kitschigen Filmen aus den 80ern wie Tron oder War Games oder Starfight. Filme, die mein verstorbener Vater geliebt hatte.
Das funkelnde Fluggerät kippte erneut zur Seite, und diesmal erhaschte ich einen noch besseren Blick darauf – es gab keinen Zweifel. Das Ding war eine Gleve. Es besaß sogar die typischen klauenähnlichen Vorsprünge am Rumpf und die beiden Plasmakanonen, die wie zwei Fangzähne aus dem Vorderende ragten.
Für das, was ich sah, konnte es nur eine logische Erklärung geben: Es musste eine Halluzination sein. Und ich wusste, was für Menschen am helllichten Tag und ohne den Einfluss von Drogen oder Alkohol unter Halluzinationen litten. Bekloppte. Leute, die nicht mehr alle Tassen im Schrank hatten. Oder Untertassen.

Wer Ready Player One mochte, wird auch Armada auf Anhieb mögen. Denn genau wie in dem Bestseller geht es auch in Armada sehr viel um Games und das Nerdtum allgemein. So spielt etwa Star Wars immer wieder eine große Rolle, aber auch andere bekannte Sci-Fi-Games, Bücher und Filme werden oft genannt. Doch auch ohne diese Bezüge zu beliebten und bekannten Sci-Fi-Titeln wäre Armada äußerst lesenswert. Der Gedanke, dass Spiele seit Jahrzehnten als Trainingsprogramm für einen anstehenden Alienangriff dienen, ist faszinierend und gleichzeitig erschreckend realistisch, wenn man bedenkt, dass etwa die US-Army ihre Truppen tatsächlich mit Games auf Einsätze vorbereiten.
Ganz frei von Kritik bin ich allerdings leider nicht. So wirkt der Einstieg in die Geschichte doch sehr behäbig und hätte sicherlich ein bisschen mehr Pepp vertragen. Auch die Tatsache, dass alle anderen Figuren außer Zack Stereotypen mit wenig oder gar keinen Charakterzügen darstellen, finde ich sehr schade.

Fazit:
Auch wenn die Story hier und da ein wenig zu langsam vorangeht und die Charaktere außer Zack sehr eindimensional sind, hat mir Armada sehr gut gefallen – und ich denke, da werde ich sicherlich nicht der Einzige sein. Gerade Sci-Fi-Affine oder all diejenigen, die bereits Clines ersten Roman Ready Player One verschlungen haben, werden auch Armada mit viel Freude lesen. Denn auch hier strotzt es nur so vor Nerd-Kultur und nerdigen Fakten. Immer wieder gibt es Referenzen auf Star Wars und andere Sci-Fi-Spiele, Bücher und Filme. Die Story selber ist natürlich auch sehr interessant und lässt den Leser ein wenig träumen, dass das was wir alle so gern und ausgiebig machen – das Zocken – schlussendlich doch nicht ganz umsonst ist.

Zu erwerben ist Armada für 9,99€ bei Amazon, beim Fischer Tor Verlag oder im Buchhandel.
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Special vom: 13.04.2018
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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