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Let's Watch: Kikujiros Sommer
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Kikujiros_Sommer_CoverMit Kikujiros Sommer veröffentlichte Capelight Pictures nach Hana-Bi, Brother, Dolls, Outrage und Outrage Beyond bereits den sechsten Film von und mit Takeshi Kitano als Mediabook.

Der achtjährige Masao, der bei seiner Oma aufwächst, will endlich seine Mutter kennenlernen. Sehnsucht und Neugier treiben ihn dazu, sich ganz allein auf den langen Weg zu machen – zumindest vorerst, da er unterwegs auf den raubeinigen Taugenichts Kikujiro und dessen Frau trifft. Diese verdonnert ihren nutzlosen Gatten dazu , den kleinen Masao zu begleiten. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch die japanische Provinz, bei der die beiden immer wieder auf skurille Gestalten treffen und in außergewöhnliche Situationen geraten – die nach und nach dazu führen, dass sich zwischen den ungleichen Gefährten eine tiefe Freundschaft entwickelt.

Filmkritik
Bevor ich wie an dieser Stelle üblich meine Meinung zu dem Film kundtue, möchte ich diesmal ausnahmsweise vorher kurz auf Takeshi Kitano zu sprechen kommen. Vielen dürfte der Name sicherlich nichts sagen. Auch ich muss zugeben, dass ich erst durch meine DVD - und Blu-ray-Rezensionen auf dieser Seite auf ihn aufmerksam geworden bin. Dabei ist der japanische Superstar schon seit Jahren im deutschen TV zu sehen – als Fürst Takeshi in der japanischen Kultspielshow Takeshis Castle. Allein das beweist schon, welche Bandbreite Kitano aufzubieten hat, denn normalerweise ist er ja eher für härtere Filme wie etwa Battle Royale bekannt. Der japanische Superstar hat aber noch einiges mehr zu bieten. Denn neben seiner Arbeit als Schauspieler ist der 1947 in Adachi, einem Arbeiterviertel am Stadtrand von Tokio, geborene Kitano auch als Regisseur, (Drehbuch-)Autor, Dichter, TV- und Radiomoderator, Maler und Comedian tätig – und das alles sehr erfolgreich. International berühmt wurde er 1997, als sein Film Hana-Bi bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig den Goldenen Löwen gewann. Es folgten weitere Auszeichnungen wie etwa 2007, als er für Glory of the Filmmaker! den gleichnamigen neuen Preis in Venedig gewann. 2010 wurde Kitano in Frankreich zudem zum Commandeur des Arts et Lettres ernannt.

Doch nun zum eigentlichen Thema dieser Rezension: Kikujiros Sommer. Wie oben zu lesen, erleben die ungleichen Gefährten hier eine Reise durch die japanische Provinz. Die Geschichte selber ist dabei wenig innovativ, doch das macht gar nichts. Der Film lebt nämlich von der Entwicklung der beiden Charaktere. Gerade bei Kikujiro ist diese unübersehbar. Anfangs der raubeinige Mann, der sein Geld lieber bei Rennradwetten auf den Kopf haut und gar keine Lust auf die Reise hat, entwickelt sich während des Films zu einem immer liebenswerteren Charakter, dem Masao mehr und mehr ans Herz wächst und dem kleinen jungen einen schönen Sommer machen möchte. Dabei lernen sie teils äußerst skurrile Charaktere kennen, die ganz typisch für Kitano-Filme sind.
Ebenfalls ganz typisch ist der hier vorherrschende Humor, welcher durch seine Subtilität glänzt. Es sind die vielen kleinen Szenen, manchmal sogar nur bestimmte Gesten von Kitano, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen. So etwas kann nur Takeshi Kitano.
Der Film ist aber nicht nur lustig, er ist ebenso melancholisch, was vor allem durch die Kameraführung sehr gut transportiert wird. Wenn die Kamera auf einer eigentlich schon fertigen Szene drauf bleibt, Masao ganz allein auf dem Sportplatz stehend oder auch mal ein paar Momente einfach nur die Landschaft zeigt, erzeugt dies beim Zuschauer ein ganz besonderes Gefühl. Eigentlich wäre der Film also ein wunderbar traurig-lustiges, ja beinahe schon poetisches Werk, das einen auf eine ganz besondere Art in seinen Bann zieht, wenn da eben nicht eine bestimmte Szene wäre. Gemeint ist eine Szene, in der der kleine Masao von einem Pädophilen mitgenommen und gezwungen wird, sich auszuziehen. Zwar ist diese Szene nicht lang, dennoch hätte sie sich Kitano schenken können. Die Szene passt weder in den Film noch bringt sie die Geschichte oder die Charaktere auch nur einen Schritt weiter – ein kleiner Makel auf einem an sonst nahezu perfekten Film.

Bild & Ton

Auch wenn wir Kikujiros Sommer nun erstmals auf Blu-ray genießen dürfen, darf man keine Wunderdinge erwarten. Immerhin ist der Film mittlerweile 18 Jahre alt und das sieht man ihm auch an. Gerade bei der Schärfe und dem Detailreichtum kann der Film logischerweise nicht mit heutigen Produktionen mithalten. Für sein Alter sieht der Film aber doch sehr gut aus, gerade im Vergleich zur DVD-Version (die ebenfalls im Mediabook enthalten ist) ist eine große Verbesserung erkennbar. Dies betrifft auch den Schwarzwert und Kontrast, die beide ordentlich sind. Im Zusammenspiel mit einem sehr natürlichen Farbbild führt das zu einem insgesamt doch schönem Bild.
Zum Sound gibt es gar nicht viel zu sagen – was aber nicht negativ gemeint ist. Vielmehr ist es so, dass der Film sehr ruhig ist. Actionsequenzen gibt es so gut wie gar nicht und auch sonst gibt es kaum nennenswerte Spezialeffekte. Folgerichtig werden auch die Boxen und gerade der Bass kaum beansprucht. Nichtsdestotrotz ist es schade, dass die deutsche Tonspur auf der Blu-ray lediglich im PCM 2.0-Format vorliegt, während sie auf der DVD in Dolby Digital 5.1 vorhanden ist.

Bonusmaterial
Wie bei Mediabooks von Capelight Pictures gewohnt, liegt diesem auch im Fall von Kikujiros Sommer eine Menge Bonusmaterial bei.
Fangen wir am besten beim Mediabook selber an. Dieses ist wundervoll gestaltet worden und man merkt, dass sich hier auch über die Ästhetik Gedanken gemacht wurde. Denn anstatt das Mediabook mit dem unschönen USK-Aufkleber zu verunstalten, wurde dem Ganzen ein Extrablatt davor gelegt, auf dem eben jenes hässliche USK-Logo aufgedruckt wurde. Wenn man das Mediabook öffnet, fällt einem sofort das dort integrierte 24-seitige Booklet des Filmwissenschaftlers Prof. Dr. Marcus Stiglegger auf, das neben zahlreichen Szenenbildern aus dem Film auch jeweils einen kurzen Text zu Takeshi Kitano und dem Film sowie ein Interview mit Kitano beherbergt.
Des Weiteren entdeckt man vier Discs in dem Mediabook. Eine davon ist der Film auf Blu-ray und eine der Film auf der DVD. Während auf beiden Discs Trailer sowie ein und dasselbe knapp 9-minütige Interview mit Takeshi Kitano (mit deutschem Voice-over) enthalten sind, ist auf der Blu-ray zusätzlich noch die 93 Minuten lange Dokumentation Jam Sessions zu finden, in der Regisseur Makozo Shinozaki über die Entstehung des Films redet und einige interessante Einblicke in die Produktion gewährt.
Neben den beiden Film-Discs liegt dem Mediabook zudem noch eine CD bei, auf der der wundervolle Soundtrack, der aus der Feder von Joe Hisaishi stammt, zu hören ist.
Die vierte und letzte Disc des Mediabooks hält noch etwas ganz Besonderes für alle Takeshi Kitano Fans bereit. Erstmals überhaupt kann man auf der Bonus Disc hierzulande Kitanos Film Ryuzo and his Seven Henchmen sehen. Die Action-Komödie aus dem Jahre 2015 hat eine Laufzeit von 111 Minuten und dreht sich um eine Gruppe gealterter Yakuzas. Leider liegt der Film nur im original Sound mit deutschen Untertiteln vor, was aber nichts daran ändert, dass man hier einen typischen, also teilweise äußerst skurrilen Kitano-Film zu sehen bekommt.


Fazit:
Auch wenn die Szene mit dem Pädophilen so unnötig wie ein Kropf ist, ist Kikujiros Sommer doch ein Highlight der japanischen Filmgeschichte und ein absolutes Must-See für jeden Takeshi Kitano- oder Fan japanischer Filme. Am besten tut man dies natürlich gleich mit diesem schicken Mediabook. Hier kann man den Film nämlich nicht nur erstmals auf Blu-ray mit verbessertem Bild genießen, sondern erhält auch gleich ein schönes Making-of sowie den hier bisher unveröffentlichten Kitano-Film Ryuzo and his Seven Henchmen.


Originaltitel: Kikujiro no natsu
Darsteller: Beat Takeshi, Yusuke Sekiguchi, Kayoko Kishimoto, u.a.
Regisseur(e): Takeshi Kitano
Veröffentlichung: 13. Oktober 2017
Studio/Verleih: Capelight Pictures
Spieldauer: 122 Minuten
Altersfreigabe: Freigegeben ab 12 Jahren

Wer jetzt Interesse daran hat, sich Kikujiros Sommer zu kaufen, kann dies u.a. über Amazon machen. Das schicke Mediabook gibt es dabei für 22,99 Euro.
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Special vom: 01.11.2017
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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