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Kurz vorgestellt: Virginia
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Es ist beinahe so, dass jeder Film oder jedes Spiel, das auch nur ansatzweise an die Werke von David Lynch erinnert, von vornherein in den Himmel gelobt wird. So war es auch bei Virginia, von dem kleinen Entwicklerstudio Variable State. Doch wenn man das Spiel dann tatsächlich einmal durchspielt, stellt man fest, das dieser Lob vielleicht doch verfrüht war.

Zugegeben, auch mich hat Virginia zunächst total in seinen Bann gezogen. Die Atmosphäre, die hier herrscht, hat etwas besonders, das merkt schon in der ersten Sequenz. Hier sieht man im recht minimalistisch gehaltenen Comic-Look, seinen Charakter, eine junge Frau namens Anne Tarver, vor dem Spiegel in einer Toilette stehen und muss ihr per einzelnen Knopfdruck den Griff zum Lippenstift gewähren. Danach geht man aus dem Bad auf einen langen Flur, rechts und links sind verschlossene Türen und einfarbige Gemälde. Nur eine Tür, ganz am Ende des Ganges ist geöffnet. Als wir hindurchtreten, sehen wir eine Schlange junger, gut gekleideter Männer im Anzug, an die wir uns anstellen. Was machen wir hier? Wo sind wir? Das wird erst klar, wenn wir von einer Dame durchgewunken werden und uns auf einer Bühne wiederfinden, wo wir als neuestes Mitglied des FBI unseren Ausweis in Empfang nehmen. Es brandet Applaus auf, der plötzlich verstummt und von einer Sekunde auf die andere ist der vorher prall gefüllte Saal menschenleer. Das einzige Geräusch, das wir noch wahrnehmen ist eine Art Herzklopfen, das von einem Tonband stammt, das hinter uns steht. Wir schalten es aus und finden uns plötzlich vor der Tür unserer Wohnung wieder, wo wir uns im Schlafzimmer selber beim Schlafen beobachten, bis uns der Wecker aus dem selbigen reißt. War das alles nur ein Traum, oder was ist hier los?

Was ist hier los?

Diese Frage wird man sich im weiteren Spielverlauf noch des Öfteren stellen. Denn genau solche Szenen, in denen scheinbar unmögliche Dinge geschehen, gibt es in Virginia gehäuft. Manchmal muss es aber nicht mal etwas so Ungewöhnliches sein, damit man dumm aus der Wäsche schaut. Da genügt es auch schon mal nur in die falsche Richtung geguckt zu haben, und schon hat man außerhalb des Sichtfeldes etwas Wichtiges verpasst. Ohnehin geht es in Virginia darum, zu beobachten. Denn drauf zu hoffen, dass man später noch mal darauf hingewiesen wird oder gar eine Erklärung dessen bekommt, was man eventuell verpasst hat, muss man nicht. In Virginia gibt es nämlich keine Sprachausgabe oder erklärende Texte. Lediglich Töne und Spielmusik untermalen das Geschehen. Vieles muss man sich selber zusammenreimen, was viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Dies, gemeinsam mit dem Stilmittel des plötzlichen Szenenwechsels, was man ja vor allem aus Filmen kennt, ist etwas, das durchaus an David Lynch erinnert und einen total in seine Bann zieht, zumindest bis kurz vor dem Ende. Das stellt sich nämlich als dermaßen konfus dar, das man gar nicht mehr mit kommt.

Der Glanz verblasst

Doch wie ich eingangs erwähnt habe, verliert dieser Bann auch schon vor dem Ende an Glanz. Denn so faszinierend die Präsentation auch sein mag, es fehlt dem Ganzen einfach an Gameplay. Das gesamte Spiel, bei dem es unsere Hauptaufgabe ist, einen vermissten Jungen zu finden und dabei die an unsere Seite gestellte Partnerin auszuspionieren, besteht nämlich daraus, das wir in jedem Areal ein paar Schritte laufen und dann einen Gegenstand suchen, mit dem wir mit einem einzigen Knopfdruck interagieren können. Das war es. Keine Befragungen (was aufgrund der fehlenden Sprache ja ohnehin schwer gewesen wäre), ja nicht mal irgendwelche Rätsel gilt es zu lösen. Einfach nur gehen und einen Button drücken.
Es scheint beinahe so, als ob die Macher bei der Entwicklung von Virginia die Spieler zunächst vergessen hätten, und am Ende noch händeringend ein Element einfügen mussten, damit der Spieler nicht völlig tatenlos vor dem Bildschirm sitzt. Natürlich ist das viel zu wenig und am Ende ist man deswegen doch froh, das man nach rund 90 Minuten den Abspann zu sehen bekommt.




Fazit:
Als Film wäre Virginia sicherlich toll – eine mysteriöse Story, ein cooler Grafikstil und eine unfassbare Atmosphäre. Als Spiel, was es am Ende ja doch sein soll, enttäuscht es hingegen. Denn was nutzt einem schon all das Genannte, wenn einem spielerisch so gut wie gar nichts geboten wird?
Wer einen interaktiven Film erleben möchte, kann dennoch gern zugreifen, wer spielerischen Anspruch erwartet, sollte sich von dem Mystery-Thriller aber lieber fernhalten.



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Special vom: 11.10.2016
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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