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Stromausfall - Das Dorf - Band 4: Das Ende
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Achtung, Spoiler-Alarm! In dieser Besprechung wird Bezug auf die Geschehnisse der ersten beiden Bände der Das Dorf-Reihe genommen. Wer diese noch nicht gelesen hat und sich den Spaß daran nicht nehmen lassen möchte, sollte die kommende Besprechung noch nicht lesen!

das_dorf_4Auch wenn der vierte Teil der Das Dorf-Reihe Das Ende heißt, stellt er nicht das Finale von Kolles und Primos Abenteuern dar. Karl Olsberg hat noch einige spannende Geschichten über die beiden zu erzählen. Doch zunächst schauen wir uns doch erst einmal an, was Kolle und Primo diesmal erleben.

Seit Primo und Kolle ihr Abenteuer im Nether überlebt haben, ist ein wenig Zeit vergangen. Seitdem leben sie wieder in ihrem kleinen Dorf im Schoß ihrer Familien und Freunde und versuchen wieder ein ganz normales Leben zu führen. Sie haben sogar ein neues Spiel erfunden, bei dem zwei Mannschaften den Kopf eines Knochenmannes mit den Füßen über einen Platz ins gegnerische Tor schießen müssen. Alles scheint also endlich wieder normal zu sein, doch der Schein trügt, denn was Prima nicht weiß ist, dass seine Freundin Golina, seitdem er ihr ein mysteriöses schwarzes Ei aus dem Nether geschenkt hat, heftige Albträume plagen, in denen ein unheimlicher Schattenmann, wie die Dorfbewohner die Endermen nennen, ihr immer wieder einredet, dass das Ei wieder zurückzubringen sei, ansonsten geschehe Schreckliches. Als dann plötzlich, inmitten eines gerade laufenden Fußschädel-Spiels, tatsächlich ein Schattenmann auftaucht, kann sie nicht mehr an sich halten und fängt heftig an zu weinen und berichtet Primo von ihren Träumen. Dieser nimmt ihre Ängste zunächst nicht ernst und sieht auch keinen Zusammenhang zwischen den Träumen und dem Auftauchen des Endermans - schließlich verirren die sich des Öfteren ins Dorf.
Dass seine Freundin aber doch durchaus recht hatte, muss er wenig später zugegeben, denn bei dem einen Enderman bleibt es an den folgenden Tagen und Nächten nicht. Schon bald kommen sie massenweise ins Dorf und als er einen kurzen Moment nicht aufpasst und einem der Schattenmänner in die Augen blickt, widerfährt ihm eine Vision, in der er sieht, was mit dem Dorf und der ganzen Welt geschieht, wenn er das Ei nicht wieder dorthin zurückbringt wo es hergekommen ist.

Um dieses Unheil zu verhindern, macht er sich sofort an sein nächstes Abenteuer, das gefährlicher wird als jedes zuvor, denn aus dem Ende ist noch nie jemand zurückgekehrt ...

Leseprobe:

„Also, ich erklär’s nochmal“, sagt Primo. „Du musst den Schädel nicht in unser Tor schießen, sondern in das der anderen Mannschaft!“
„Ach so! Sag das doch gleich!“ Hakun, der Fleischer, nimmt den Schädel des Knochenmanns, den er zwischen die beiden Fackeln auf einer Seite der Wiese an der Schlucht gekickt hatte, und reicht ihn Primo.
„Dann zählt das Tor aber für uns!“, ruft Olum, der Fischer.
„Überhaupt nicht!“, widerspricht Hakun. „Ich hab es schließlich geschossen, nicht du.“
„Es ist egal, wer den Schädel zuletzt berührt hat. Wichtig ist nur, dass er zwischen die beiden Fackeln auf eurer Seite gerollt ist. Das Tor zählt!“
„Tut es nicht!“
„Tut es doch!“
„Primo, sag ihm, dass das Tor nicht zählt!“
„Was Primo sagt, gilt nicht“, wendet Olum ein. „Er ist in eurer Mannschaft. Wir sollten abstimmen.“
„Also gut. Wer ist dafür, dass das Tor zählt?“
Die Spieler von Olums Mannschaft – außer ihm noch Kolle sowie die Bauern Bendo und Kaus – stimmen dafür, die des anderen Teams – neben Primo und Hakun spielen Willert und Primos Vater Porgo – sind dagegen.
„So geht das nicht“, sagt Primo. „Wir brauchen jemanden, der neutral ist und solche Fragen entscheiden kann.“
„Margi kann das machen“, schlägt Kolle vor. Er wirft einen Blick zu seiner Freundin, die mit den anderen Mädchen und Frauen aus dem Dorf am Rand des Spielfelds steht und dem Spektakel zuschaut.
„Kommt gar nicht infrage!“, protestiert Hakun. „Margi ist deine Freundin. Und außerdem verstehen Frauen nichts von Fußschädel.“
Nun erhebt sich Unmut von den Zuschauerrängen. Margi und Ruuna fordern lautstark, dass auch weibliche Spieler bei diesem neuen Wettkampf zugelassen werden. Magolus, der das Spiel ebenfalls als Zuschauer verfolgt, lehnt diese Forderung jedoch vehement ab, Notch Frauen nicht für dieses „grobe Herumgekicke“ geschaffen habe.
„Vielleicht könnte Magolus der Schiedsrichter sein“, schlägt Primo vor. „Er ist jedenfalls unparteiisch.“
„Glaubst du vielleicht, die Spielregeln für Fußschädel stehen im Heiligen Buch?“, meint Olum.
„Lästere nicht über die Worte des Schöpfers!“, ermahnt ihn Magolus. „Das Heilige Buch liefert die Antwort auf alle Fragen!“
„Na schön. Also zählt das Tor jetzt oder zählt es nicht?“
„Tor?“, fragt der Priester. „Wo ist denn hier ein Tor? Ich sehe keins.“
Primo seufzt. „Ich schlage vor, wir fangen das Spiel noch mal von vorn an.“
Darauf können sich schließlich alle einigen. Primo gibt Golina den Schädel und bittet sie, ihn in die Mitte des Spielfelds zu werfen. Sie scheint sich allerdings über diese besondere Ehre nicht sehr zu freuen, denn sie macht ein angewidertes Gesicht.
„Ich weiß nicht“, meint sie. „Das ist immerhin der Kopf eines Knochenmanns. Irgendwie kommt es mir respektlos vor, ihn mit Füßen zu treten.“
„Sollen wir lieber das Ei nehmen, das ich dir geschenkt habe?“, fragt Primo leicht irritiert.
Sie weicht seinem Blick aus. „Nein.“
Lustlos schleudert sie den Schädel zwischen die Spieler. Bevor er auf das Spielfeld zurückläuft, wirft Primo ihr einen sorgenvollen Blick zu.

Nach seiner und Kolles Rückkehr aus dem Nether vor einigen Tagen schien Golina zunächst überglücklich. Sie war froh, dass Primo unverletzt war und ihr den Streich, den sie ihm gespielt hatte und den er fast mit dem Leben bezahlt hätte, nicht übel nahm. Doch in letzter Zeit kam sie ihm zunehmend schweigsam vor, schlecht gelaunt und mürrisch, so als schliefe sie schlecht.
Als er sie schließlich fragte, was sie bedrücke, sagte sie nur: „Es ist nichts.“
Gestern Abend sprach Primo mit seinem Vater darüber, doch der winkte ab. „Mach dir keine Sorgen, Primo. Frauen sind manchmal etwas launisch, das ist ganz normal.“
„Aber was, wenn sie mich nicht mehr liebt?“
Sein Vater lachte. „Warum sollte sie dich nicht mehr lieben? Ihr seid doch kaum zwei Wochen befreundet, und vor kurzem wolltest du sie sogar noch heiraten.“
„Ich weiß nicht. Kolle ist viel stärker als ich, und ...“
„Du grübelst zu viel, mein Sohn. Ich bin sicher, Golinas Verstimmung hat einen einfachen Grund. Vielleicht hat sie Ärger mit ihren Eltern, oder sie hat etwas gegessen, das ihr nicht bekommen ist. Du wirst sehen, bald geht es ihr besser, und ihr seid wieder glücklich wie zuvor.“ Er lächelte, als beneide er Primo darum.

Heute allerdings scheint es Golina immer noch nicht gut zu gehen. Im Gegenteil: Sie ist noch schweigsamer, und ihre Augen sehen gerötet und glasig aus.
„He, Primo, spielst du mit, oder stehst du nur rum und träumst?“, ruft Willert, der das Tor auf ihrer Seite bewacht.
„Was? Ach so, ja, Entschuldigung.“ Primo zwingt sich, den Blick von Golina abzuwenden, und konzentriert sich auf das Geschehen auf dem Spielfeld. Gerade kommt Olum angerannt und kickt den Schädel in Primos Richtung. Der will danach treten, doch der eckige Skelettkopf kollert in wilden Sprüngen über die Wiese, und Primo verfehlt ihn. Olum kickt den Schädel weiter und schlängelt sich an Primo und Porgo vorbei.
Ein Tritt, und der Schädel fliegt auf das Tor zu. Der Schuss des Fischers ist nicht besonders kräftig, so dass es für Willert eigentlich ein Leichtes sein müsste, ihn mit den Händen abzuwehren. Doch stattdessen steht der Einsiedler mit offenem Mund reglos da.
„Wer träumt denn jetzt hier?“, ruft Primo. Dann erst fällt ihm auf, dass niemand über das Tor jubelt. Stattdessen ist es auf einmal ganz still.
Mit einem komischen Gefühl im Bauch dreht sich Primo langsam um. Erschrocken starrt er die Gestalt an, die unvermittelt neben dem Spielfeld aufgetaucht ist: hochgewachsen und dürr, mit seltsamen, viel zu langen Armen und Beinen und einem nasenlosen Gesicht, in dem zwei Augen purpurn leuchten.
„Seht ihm nicht in die Augen!“, ruft Magolus.
Die Warnung ist unnötig: Jeder im Dorf weiß, wie man sich gegenüber einem Schattenmann zu verhalten hat. Sie sind zwar nicht so häufig wie Nachtwandler und Knochenmänner, doch hin und wieder taucht einer von ihnen nachts in der Gegend auf. Noch nie allerdings hat sich ein Schattenmann am hellen Tag in der Nähe des Dorfs gezeigt.
„Verschwinde, Dämon!“, ruft Magolus. Die Stimme des Priesters zittert leicht. Er macht mit den Armen das Zeichen des Heiligen Würfels. „Kehre zurück in den Abgrund, aus dem du entstiegen bist! Du hast hier keine Macht!“
Der Schattenmann stößt ein seltsames Geräusch aus. Es klingt fast wie eine heisere Stimme, die Worte in einer unbekannten Sprache spricht. Ein bedrücktes Schweigen breitet sich aus, während alle darauf warten, dass die Gestalt wieder verschwindet. Primo hört Golina leise schluchzen. Er möchte zu ihr gehen und sie trösten, doch er wagt es nicht, sich zu rühren. Schattenmänner sind normalerweise nicht aggressiv. Doch wer in ihre Augen blickt, dem rauben sie die Seele, das ist allgemein bekannt. Also sind die Blicke aller Anwesenden auf den Boden gerichtet. Erneut stößt das Wesen seine seltsamen Laute aus, und Primo verspürt auf einmal das dringende Bedürfnis, aufzublicken und in die leuchtenden Augen zu schauen. Nur mit größter Mühe kann er sich selbst daran hindern.
Ein zischender Laut erklingt, nicht unähnlich den Geräuschen, die das Netherportal gemacht hat. Als Primo aufblickt, sind an der Stelle, an der das unheimliche Wesen eben noch stand, nur ein paar violette Funken zu sehen, die in der Luft tanzen und sich rasch auflösen.
„Wir danken Notch dafür, dass er mir die Kraft gab, den Dämon zu vertreiben!“, ruft Magolus aus. Primo allerdings bezweifelt, dass der Priester tatsächlich die Ursache dafür ist, dass der Schattenmann verschwand.
Golina weint jetzt hemmungslos. Primo läuft zu ihr und nimmt sie in den Arm.

Das vierte Abenteuer von Karl Olsberg's Das Dorf-Reihe ist wieder ein gelungener Jugend-Abenteuer-Roman, der die Klötzchen-Welt von Minecraft ein weiteres Mal gekonnt einfängt. Und zwar so detailreich, dass Minecraft-Spieler vieles auf Anhieb wiedererkennen werden.
Doch Das Ende erzählt nicht nur ein spannendes, ja schon fast episches Abenteuer. Es beinhaltet auch etwas, das es von den bisherigen drei Teilen unterscheidet: es besitzt einige philosophische Ansätze. Wie, wann und in welchem Rahmen diese vorkommen, wird von mir aber natürlich nicht verraten. Auf jeden Fall lassen sie einen sogar ein wenig über den Sinn des Lebens grübeln, was dem gesamten Buch eine bisher unbekannte Tiefe verleiht.

Fazit:

Wie bereits die drei vorhergegangenen Teile ist auch Das Ende wieder ein gelungener und liebevoll geschriebener Jugendroman, der zwar in der Welt von Minecraft spielt, aber nicht nur Kenner dieses Spiels gut unterhalten wird. Die Geschichte rund um Primo, Kolle und Co. ist nämlich dermaßen spannend und detailliert geschrieben, dass man auch ohne zu Wissen was Minecraft genau ist, sich alles genau vorstellen kann und so viel Freude beim Lesen des Buches haben wird.

Zu erwerben gibt es Das Dorf - Band 4: Das Ende für 6,99€ (bzw. 2.99€ als eBook) bei Amazon oder im Buchhandel.
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Special vom: 06.12.2015
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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