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Stromausfall - Das Objekt: Ein Fall für Schröder
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Stromausfall_neu

Das_ObjektNachdem wir die letzten drei Male an dieser Stelle Minecraft-Bücher bzw. -Romane besprochen haben, wollen wir diesmal mal wieder etwas anderes bieten, schließlich bietet die (Nerd- und Geek-)Literatur noch mehr als nur Bücher zum Klötzchenspiel. Eines dieser Werke ist zum Beispiel Das Objekt: Ein Fall für Schröder, das wir in diesem Teil unseres Stromausfall-Specials einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Der Grund, warum wir diesmal gerade Das Objekt besprechen, liegt nicht nur darin, dass wir mal wieder etwas Abwechslung in diesem Special bieten wollen. Nein, ein weiterer ausschlaggebender Grund ist auch, von wem Das Objekt geschrieben wurde. Autor dieses Romans ist nämlich kein geringerer als Constantin Gillies. Der 1970 geborene Gillies sollte jedem der auf geekige Literatur steht, eigentlich ein Begriff sein. Neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftsjournalist, bei der er u.a. für Die Welt, Berliner Morgenpost und die Computerwoche schreibt, ist Gillies auch Autor von drei Romanen, nämlich Extraleben, Der Bug und Endboss. Die drei Romane rund um Nick und Kee sind Kult in der Retro-Szene und gelten dort als so etwas wie der heilige Gral. Schon allein das war Grund genug um Das Objekt hier einmal genauer vorzustellen.

Das Objekt: Ein Fall für Schröder ist keine Fortsetzung der ersten drei Romane, und somit treffen wir auch nicht Nick und Kee wieder. Stattdessen dreht sich diesmal alles um Schröder. Dieser ist aber nicht weniger nerdig wie es einst Nick und Kee waren und liebt genau wie die beiden Filme, Serien und Games aus den 8oern und kann unzählige Zitate von damals aufsagen. Schröder ist aber mehr als nur ein 80er-Jahre-Zitate-Lexikon. Er ist in erster Linie Computerforensiker der, gemeinsam mit seiner neuen Kollegin Harriet – die so klug und sexy wie die Star-Trek-Schönheit Seven of Nine ist – an einem mysteriösen Mordfall arbeitet: Ein unscheinbarer, rund 40jähriger Nerd, der noch bei Muttern wohnte, wurde erschossen und sein Rechner zerstört. Obwohl die Chancen gering sind, gelingt es Schröder und Harriet die Daten zu retten. Dabei finden sie zahlreiche Bilder des Mondes, die das Opfer für die NASA restauriert hat. Was hat der Tote auf den Mondfotos entdeckt, das er nicht sehen durfte? Eine Spur führt die beiden nach Las Vegas, wo sie von einer brenzligen Situation in die nächste geraten...

In Das Objekt dreht sich aber nicht alles nur einzig und allein um Schröder und Harriet. Im Buch tauchen noch zahlreiche andere Personen auf, die zwar alle etwas mit dem Fall der beiden zu tun haben, aber erst später zusammenfinden. Zunächst werden deren Geschichten alle einzeln erzählt, so das der bzw. die Hauptcharaktere von Kapitel zu Kapitel immer wieder wechseln. Zudem endet jedes Kapitel stets mit einem Cliffhanger, was die Spannung natürlich ungemein anheizt. Doch Spannung wird in Das Objekt ohnehin mehr als genug geboten. Auch wenn es keine Gewaltexzesse gibt, bietet die Story mit ihren Verschwörungstheorien, dem Raumfahrt-Thema und den Actionszenen genügend Stoff, der Das Objekt zu einem spannenden Buch macht.
Das allein würde im Grunde schon ausreichen um einen dermaßen zu fesseln, dass man immer noch ein Kapitel weiter lesen möchte, bis man irgendwann das halbe Buch verschlungen hat, ohne auch nur eine Pause gemacht zu haben.
Doch als i-Tüpfelchen obendrauf bietet Gillies' neuer Roman auch wieder unzählige Nerd-/Geek-Fakten und Gags, die das ganze perfekt abrunden und einen die 375 Seiten nicht nur endgültig verschlingen lassen sondern auch immer wieder zum Schmunzeln bringen oder in die gute, alte Vergangenheit versetzen.

Leseprobe:

»Ja, Frau Thorborg, ganz unten!«
Projekt Hintern-Check startet, das wird ganz groß! Ich kann schon sehen, wie Leines vor Lachen von seiner Sonnenliege fällt. Schnell noch für einen perfekten Bildausschnitt sorgen. Ich taste mich hinten am Monitor entlang. Wo ist bloß diese verfickte Webcam? Jetzt bloß nicht verräterisch mit den Kabeln rascheln. Vorsichtig biege ich das kugelige Kameragehäuse nach vorn. Noch ein bisschen, noch ein bisschen, stopp! So, jetzt müsste die Cam genau auf die unterste Schublade zeigen, dahin, wo sich unter anderem mein Niveau befindet. Keine Sekunde zu spät, das Küken kommt gerade angerauscht.
Mit verschränkten Armen mustert sie den Rollschrank neben dem Schreibtisch.
»Echt jetzt?«
Nun ist es Zeit für eine Antwort in Hollywood-Qualität, der nächste Satz muss hundert Pro überzeugend klingen.
»Jau, alle kaputt.« Kurze Kunstpause einlegen, beiläufig auf den Firmenparkplatz schauen – und raus mit der schlechten Nachricht. »Bis auf die unterste Schublade.«
Da! Ihre Augenbrauen ziehen sich zusammen und türmen eine Mini-Falte direkt über ihrer Nase auf. Hat sie den Braten gerochen? Hat sie unseren kleinen Plan durchschaut? Muss ich den Hintern-Check womöglich abblasen? Da wird Leines aber ganz schön enttäuscht sein. Nein, Schwein gehabt. Ihre Stirn entspannt sich wieder. Wahrscheinlich hat sie zuerst gedacht: »Ein Gentleman hätte seine Schublade oben angeboten«, den Gedanken aber beiseitegeschoben, um gute Stimmung zu machen. Jedenfalls knipst sie ihre Lampen an. »Na denn, Herr Schröder ...« Ihre hellblauen Augen leuchten. »Ach ja: Und die Frau Thorborg lassen wir mal, okay?«
Dann muss ich wohl kontern.»
... und hier sagt jeder nur Schröder, einfach so, ohne Herr.« Eigentlich eine Frechheit, dass ein junger Hüpfer einem gleich das Du aufzwingt.
»Und Sie, äh, du, äh, also sagt man Harriet?«, haspele ich rum.
Absolut lächerlich, dieser Name. Haben ihre Eltern etwa bei Der Doktor und das liebe Vieh gepoppt oder was? Ach Quatsch, da hieß der Arzt ja mit Nachnamen Herriot. Eigentlich kann ich mich nur noch daran erinnern, dass diese Serie so unfassbar hell war, als ob man das Studio mit einer Supernova ausgeleuchtet hätte.
»Eigentlich sagen alle Harry zu mir.« Wenn sie lächelt, sieht man, dass ihre Oberlippe einen Tick über die Unterlippe hinausragt, wie bei der frühen Nicolette Krebitz. Links und rechts hat sie kleine Grübchen in der Wange. Nett.
Okay, sie hat mit dem Gesäusel angefangen. Ein geselliger Mensch müsste jetzt mit einer lockeren oder gar humoristischen Einlassung kontern. Doch womit genau? Der Dame mitzuteilen, dass man jahrelang sehr gut mit der Teamgröße Eins gelebt hat, kommt an dieser Stelle wohl nicht infrage. Und dass man bei Gender-Diversität, Sozialkompetenz und dem anderen Bullshit, von dem die Personalhäschen ständig schwafeln, das kalte Kotzen kriegt, wohl auch nicht.
Trotzdem: Ich muss gute Stimmung machen – bloß was findet so eine lustig? Keine Zeit, um lange nachzudenken, jetzt heißt es, so zu tun, als ob man schlagfertig wäre und jeden Tag mit Frauen zu tun hätte. Oder überhaupt mal über einen längeren Zeitraum was mit Frauen zu tun hatte. Also: Harry, Harry, Harry ... genau!
»Ja, dann würde ich mal sagen: Harry, hol den Wagen!«
Stolz garniere ich meinen Riesenbrüller mit einem gönnerhaften Schmunzeln.
Der war doch gut, oder? War er doch?
Wohl eher nicht.
Während sie krampfhaft versucht, ihr Lächeln am Einstürzen zu hindern, türmt sich schon wie der diese Falte auf, und zwar höher als vorher. Sie dreht ihre Handflächen nach außen und deutet ein Kopfschütteln an. Ihr ganzer Körper sendet nur noch eine Nachricht aus: Hä? Was ist denn dein Problem?
Vielleicht ist sie so ein analfixierter Klugscheißer und stört sich daran, dass ich nicht richtig zitiert habe. Es müsste ja eigentlich heißen: »Harry, wir brauchen den Wagen, sofort«, den anderen Satz hat Tappert ja nie gesagt. Das ist wie mit »Beam mich rauf, Scotty« – kam so auch nie in Raumschiff Enterprise vor.
Nein, das ungenaue Zitat scheint sie nicht zu stören.
Natürlich! Supi Schröder, das haste ja wieder toll hingekriegt. Die ist viel zu jung, um den Witz zu verstehen! Mensch, als in den Neunzigern der letzte Derrick lief, war die ja gerade mal aus der Grundschule raus, da hatte sie am Freitagabend was anderes zu tun, als vor der Kiste zu hocken. Und weil sie das Zitat nicht kennt, denkt sie natürlich, »hol den Wagen« sei eine chefmäßige Arbeitsanweisung von mir oder so. Das muss sofort zurückgeholt werden. Zu spät.
Sie hat schon »Äh, genau« gemurmelt und sich zu ihrer Umzugskiste umgedreht.
Weißt du, es gab da früher so eine Krimiserie im Fernsehen ... auch egal. Erklär ich später mal.
Jetzt sind andere Dinge wichtig. Zum Beispiel unser Hintern-Check, der sich gerade an schickt, in seine heiße Phase zu treten!
Die Kleine hat sich ihren Arm mit Ladekabeln vollgepackt und steuert auf den Schubladenschrank zu. Ich mache einen Schritt zur Seite, damit die Webcam freie Sicht auf den Schreibtisch hat. Action!

Fazit:

Wer die Extraleben-Romane mochte, wird auch Das Objekt: Ein Fall für Schröder mögen. Schröder ist zwar nicht Nick oder Kee, aber fast genauso nerdig wie die zwei Hauptcharaktere aus Gillies' Kult-Romanen. Es vergehen keine fünf Seiten, auf denen nicht zumindest eine Anspielung auf die guten alten 80er fallen. Doch nicht nur der Hauptcharakter und dessen 80er-Sympathie wird Nerds und Geeks begeistern, auch der Fall, an dem Schröder arbeitet, ist unterhaltsam und nimmt mit jeder Seite an Tempo zu, so dass man das Buch nur schwer wieder aus den Händen legen kann. Mit Das Objekt: Ein Fall für Schröder ist Constantin Gillies also wieder ein hervorragender und spannender Nerd-Ronan gelungen, der hoffentlich schon bald seine Fortsetzung finden wird.

Zu erwerben gibt es Das Objekt: Ein Fall für Schröder für 9.99€ bei Amazon (auch als eBook), im Buchhandel oder direkt bei Goldmann.
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Special vom: 28.04.2015
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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