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Stromausfall - Ready Player One
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stromausfall

Ready Player One

Ready_Player_One_CoverDie Achtziger. Vielen ist dieses Jahrzehnt vor allem wegen seiner schrecklich bunten Mode im Gedächtnis geblieben. Für Menschen wie mich, die sich viel mit Videospielen beschäftigen (und einen Teil ihrer Jugend auch noch in den Achtzigern verbrachten) steht dieses Jahrzehnt allerdings noch für etwas ganz anderes – nämlich für eine Zeit in der ihr liebstes Hobby richtig zu blühen anfing. So wurden zu jener Zeit durch den Start des Commodore 64, dem stetigen Aufstieg des Atari 2600 und Filmen wie War Games Video-/Computerspiele erst so richtig massenkompatibel und ebneten damit den Grundstein für das, was wir heute genießen dürfen.
Aus diesem, und natürlich noch aus vielen weiteren Gründen, gelten für Zocker in meinem Alter die Achtziger als eine Art Gral, dem man so oft wie nur möglich huldigen sollte.

Dieser Ansicht scheint auch der 1972 in Ashland, Ohio geborene Ernest Cline zu sein. Denn in seinem Roman Ready Player One lässt er keine Gelegenheit aus, um den Achtzigern seine Ehrerbietung zu beweisen. Dabei spielt sein Werk nicht einmal ansatzweise in diesem Jahrzehnt. Die Geschichte in Ready Player One spielt nämlich im Jahr 2044. Zu jener Zeit herrscht auf der Erde eine gewaltige Rezession, die viele Menschen dazu zwingt, in aufeinander gehäuften Containern, den sogenannten Stacks, zu leben und mit dem wenigen Geld das sie haben sehr vorsichtig umzugehen. Es ist also eine Welt, die wenig zu bieten hat. Doch zum Glück gibt es einen Ausweg – zumindest einen virtuellen. Dieser Ausweg heißt OASIS und ist ein (großteils kostenfreies) riesiges virtuelles Utopia, das sich über unzählige Planeten ausbreitet und in dem man leben, arbeiten, spielen, sich verlieben – also so ziemlich alles machen kann, was man nur möchte. In diese Welt von OASIS zieht es auch Wade Watts. Der Junge, der wie so viele andere in ärmlichen Verhältnissen lebt, geht in der OASIS nicht nur zur Schule sondern auch einem ganz speziellen Hobby nach: Er ist ein sogenannter Gunter bzw. Egg Hunter. Diesem Hobby geht er nach, seitdem der Erfinder der OASIS und frühere Videospielentwickler James Halliday gestorben ist, und dieser in seinem Testament festschreiben ließ, dass er sein unvorstellbares Vermögen demjenigen hinterlassen würde, der als erster das von ihm persönlich irgendwo in der OASIS versteckte Easter Egg findet.

Was das Ganze mit den anfangs angesprochenen Achtzigern zu tun hat? Ganz einfach, Halliday war ein großer Fan der Achtziger, und so findet man viele Hinweise, die einen auf die Spur des Easter Eggs bringen in Filmen, Spielen, Liedern, Serien usw. aus den 80ern.
Zu finden sind diese Hinweise allerdings sehr schwer – sogar so schwer, dass Jahre vergehen in denen kein einziger nützlicher Hinweis gefunden wird. Doch dann hat Wade plötzlich Glück und findet mit Hilfe seines unglaublichen Wissens über die 80er und Halliday einen neuen wichtigen Hinweis, der ihn eventuell ein gutes Stück näher an den Gewinn bringt. Doch natürlich hat diese Entdeckung auch ihre Konsequenzen. Denn neben den Guntern sind auch die sogenannten Neuner auf der Suche nach dem Easter Egg. Aber nicht etwa weil sie das Geld haben wollen. Nein, die Neuner gehören zu einem Konzern der die OASIS übernehmen und mit ihr kräftig Geld verdienen will. Durch den Fund des Hinweises ist Wade nun ein erklärtes Ziel der Neuner geworden – in der OASIS und der Realität. Und so entsteht schon bald ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nur derjenige überlebt, der als erster das Spiel zuende spielt...

Leseprobe:

Jeder in meinem Alter erinnert sich daran, wo er war und was er gerade getan hat, als er zum ersten Mal von dem Wettbewerb hörte. Ich saß in meinem Versteck und schaute Zeichentrickfilme, als mir der Newsfeed dazwischenfunkte: In der vergangenen Nacht war James Halliday gestorben.
Natürlich wusste ich, wer Halliday war. Jeder wusste das. Er hatte das Massively Multiplayer Online Game OASIS entwickelt, ein Computerspiel, aus dem nach und nach eine global vernetzte Virtuelle Realität hervorgegangen war, die von den meisten Menschen tagtäglich genutzt wurde. Der beispiellose Erfolg der OASIS hatte Halliday zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Anfangs verstand ich nicht, warum die Medien ein solches Theater um den Tod des Milliardärs machten. Schließlich hatten die Bewohner des Planeten Erde andere Sorgen. Die anhaltende Energiekrise. Der katastrophale Klimawandel. Hungersnöte, Armut und Krankheit. Ein halbes Dutzend Kriege. Sie wissen schon: »40 Jahre Dunkelheit, Erdbeben, Vulkanausbrüche. Die Toten erheben sich. Menschenopfer. Hunde und Katzen leben miteinander. Massenhysterie!« Normalerweise werden die Leute in Ruhe gelassen, wenn sie vor ihren interaktiven Sitcoms oder Soaps sitzen, außer es ist wirklich etwas Wichtiges passiert. Wenn zum Beispiel ein neuer Killervirus entdeckt wurde oder sich wieder eine Großstadt unter einem Atompilz in Asche verwandelt hat. Schwerwiegende Dinge eben. Halliday war zwar berühmt gewesen, aber sein Tod hätte eigentlich als kurze Meldung in den Abendnachrichten abgehandelt werden sollen, damit die breite Masse der Zuschauer den Kopf schütteln konnte, wenn die Sprecher den obszön hohen Geldbetrag nannten, den seine Erben nun unter sich aufteilen würden.
Aber genau hier wurde es spannend. James Halliday hatte keine Erben.
Bei seinem Tod war er siebenundsechzig Jahre alt gewesen und Junggeselle, ohne lebende Verwandte und, dem Vernehmen nach, auch ohne Freunde. Die letzten fünfzehn Jahre seines Lebens hatte er in völliger Zurückgezogenheit verbracht, und wenn man den Gerüchten glauben konnte, war er in dieser Zeit total verrückt geworden.
Kein Wunder also, dass den Leuten an jenem Januarmorgen von Toronto bis Tokio die Kinnlade runterklappte, als bekannt wurde, was Halliday in seinem Testament verfügt hatte!

Fazit:
stefan2Diese Schnitzeljagd durch die virtuelle Welt der OASIS und die ganz reale Jagd auf Wade wird von Ernest Cline dermaßen spannend geschrieben, dass es einem schwerfällt das Buch vor dem Erreichen der letzten Wörter überhaut nochmals aus der Hand zu legen. Vor allem da Ready Player One noch viel mehr zu bieten hat. Neben der spannenden Jagd vermittelt sie auch eine gewisse Gesellschaftskritik und zeigt einem eine dystopische, reale und eine  fantastische, virtuelle Welt, die man sich so heute kaum vorstellen kann. Was das Buch aber wirklich grandios werden lässt, sind die unzähligen Anspielungen, Deutungen und direkte Verweise auf die 80er, das tatsächlich ein wenig Wehmut über die schöne alte Zeit geweckt wird – zumindest wenn man alt genug ist. Alle anderen werden während des Lesens wohl öfters Wikipedia öffnen müssen, um nachzuschauen wer um Gottes Willen zum Beispiel dieser Gygax oder diese komischen Serien sind, von denen im Buch immer wieder die Rede ist. Doch selbst wenn dies der Fall sein sollte, wird man von dem Buch gefesselt sein. Denn auch ohne diese 80er-Jahre-Kenntnisse wird man viel Spaß mit dem Buch haben. Die spannende Jagd auf Wade durch die Neuner mit all ihren gut geschriebenen Charakteren kann man nämlich auch ohne Nerd- und Geek-Wissen genießen. Aus genau diesem Grund ist Ready Player One auch für jeden, der etwas für spannende Romane übrig hat, eine absolute Kaufempfehlung!

Zu erwerben gibt es Ready Player One für 19,99 Euro in jedem gut sortierten Buchhandel, bei Amazon oder direkt beim Penhaligon Verlag.

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Special vom: 06.03.2014
Autor dieses Specials: Stefan Heppert
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