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Little Dragons Café

Entwickler: Aksys Games
Publisher: Rising Star Games

Genre: Simulationen
USK Freigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 49,99 €

Systeme: PlayStation 4, Switch

Inhalt:
logo

Eine Geschichte wie sie nur das Leben schreiben kann, über Kapitalismus, Drachen und die Liebe zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihren zwei Kindern. Über kindliche Naivität und die grausame Welt der Erwachsenen. Little Dragons Café ist eine Dokumentation der harschen Realität, die ein Geschwisterpaar völlig überraschend einholte und sie zwang, über Nacht erwachsen zu werden.

Meinung:

Little Dragons Café fängt harmlos an. Die Zwillinge, denen der Spieler Namen gegeben hat, helfen ihrer Mutter im alltäglichen Betrieb im Café. Sie lernen, wie man draußen in der Wildnis Kochzutaten sammelt, wie man ein Gericht zubereitet und wie man Gäste bedient.

Alles könnte idyllisch sein, wäre da nicht die Vorahnung der Mutter, die eines Tages wahr wird. Eines Morgens wachen die Zwillinge auf und können ihre Mutter nicht finden. Nach banger Suche entdecken sie, dass sie immer noch im Bett liegt und trotz aller Bemühungen nicht aufwacht.

Bevor die Kinder in hilflose Panik verfallen können, taucht glücklicherweise ein alter Mann auf, der die Situation erklären kann. Er eröffnet den Kindern, dass ihre Mutter halb Drache ist und dass die beiden Blut-Arten in ihr sich nicht vertragen. Er weiß auch gleich, wie Abhilfe zu schaffen ist: die Zwillinge müssen einen Drachen heranziehen (da wir uns in eins der Zwillinge hineinversetzen und entsprechend kindlichen Gemüts sind, nehmen wir das einfach mal so hin).

Zu diesem Zweck müssen die Zwillinge ihr neues Haustier mit den feinsten Speisen füttern, die das Café hergibt, sowie nebenbei das Café führen und seinen Ruf verbessern. Kein Problem, Mama hat sie schließlich gut ausgebildet. Außerdem finden sich auch sehr schnell drei bunte Figuren ein, die den Kindern im Betrieb helfen. Die grundsätzliche Struktur des Spiels folgt ab jetzt der Routine im Café: Zutaten sammeln, neue Rezepte zum Menü hinzufügen und Gäste bedienen.

Endloses Zutatensammeln
Die nötigen Zutaten finden sich überall auf der Insel in der Natur. Man sollte vielleicht nicht zu lange darüber nachdenken, warum Felsen Zucker liefern. Oder Sahne. Oder Honig. Oder Ketchup. Zum Ausgleich kommen Eier, höchst logisch, von Eiervögeln.

Die meiste Zeit verbringt man also damit, die Insel nach Zutaten abzusuchen. Leider wird das recht schnell repetitiv. Zwar öffnen sich nach und nach neue Gebiete, die alle sehr kreativ und ansprechend gestaltet sind. Trotzdem ist der Reiz des Entdeckens nur von kurzer Dauer, wenn man (in-game) tagelang immer dieselben Stellen abklappert, um genügend Zutaten für das Café zu sammeln.

Echte Gefahr droht nirgends. Die einzigen aggressiven Lebewesen auf der Insel sind die Zucchidons, hünenhafte Bär-Wildschwein-Löwe-artige Geschöpfe. Wenn sie den Zutaten sammelnden Zwilling sehen, stürmen sie auf ihn zu und fressen eins der Gerichte aus dem Inventar, also eine zwar störende, aber zu verkraftende Unannehmlichkeit. Sobald der Drache groß genug ist, kann er sie auf Befehl (und nur auf Befehl) angreifen, woraufhin sie verpuffen und Fleisch fallen lassen.

Leider hat die Befehlsfunktion eine große Schwäche: Um die Anweisung geben zu können, muss der Spieler viel zu nah an einen Zucchidon herangehen und dann pfeifen. Währenddessen ist er eine gute Sekunde lang nicht in der Lage, sich zu bewegen oder auszuweichen. Selbst wenn man es geschafft hat, sich von hinten anzuschleichen und nicht schon längst entdeckt zu werden, kommt es viel zu häufig vor, dass der Zucchidon Lunte riecht und selbst zum Angriff übergeht, lange bevor der Drache auch nur in der Nähe ist. Sobald man es mit einem Rudel zu tun hat, ist es so gut wie unmöglich, nicht entdeckt zu werden. Wenn der Drache schon nicht von selbst auf die Idee kommt, anzugreifen, wäre es doch dringend notwendig, den Drachen auch aus der Entfernung zum Angriff schicken zu können. So trickst man die Zucchidons lieber ohne Hilfe des Drachen aus und nutzt ihre hirnlose Wut aus, um sie gegen einen Felsen laufen zu lassen, an dem sie dann verpuffen.

Kochen ist Musik
Zusätzlich zu den verschiedensten Zutaten finden sich im Gelände immer wieder hier und da Fragmente, die zu Rezepten zusammengesetzt werden können. Um ein Gericht nach diesen Rezepten zuzubereiten, wählt man zuerst nach gewissen Vorgaben Zutaten aus dem Lager aus. Die eigentliche Zubereitung geschieht dann über ein Rhythmusspiel, in dem zur Musik die richtigen Richtungstasten gedrückt werden müssen. Die Schwierigkeit richtet sich nach dem Rang des Rezeptes und der ausgewählten Zutaten. Je besser man sich schlägt, desto höher auch die Qualität des kulinarischen Endergebnisses, wobei das Spiel sehr großzügig ist und es nicht besonders schwer macht, zumindest passable Qualität zu erreichen.

Was fehlt, ist Information. Es scheint ein Zusammenhang zu bestehen zwischen der Qualität der benutzten Zutaten und der Qualität des zubereiteten Gerichts. Leider habe ich diesen Zusammenhang in dutzenden Spielstunden nicht endgültig durchschauen können. Auch die Art der Zutaten hat vermutlich Auswirkung. Fast immer kann man die unterschiedlichsten Zutaten wählen, die zusammen realistischerweise ein durch und durch furchtbares Gericht ergeben müssten. Fisch in einem Eisbecher? Weintrauben in Paella? Die seltsamsten Kombinationen sind möglich, aber Auswirkungen scheint das nicht zu haben. Zwar geben die Gäste eine Art Rückmeldung, die aber wenig bis nichtssagend ist. Es wäre schön, wenn das System hier mehr ins Detail ginge.

Glücklicherweise muss man das Koch-Minispiel nicht für jede Bestellung durchexerzieren. Vielmehr bilden die vom Spieler zubereiteten Gerichte die Grundlage für das Empfehlungsmenü, das so nach und nach mit immer höherwertigeren Gerichten gefüllt wird. Die Bestellungen der Gäste werden bearbeitet von Koch Luccola, einem flamboyanten Ork, der sich auf den ersten Blick in das pittoreske kleine Café verliebt hat.

Der Gast ist König
Natürlich wird im Café nicht nur gekocht. Die Aufnahme von Bestellungen, das Auftragen der Speisen und das Abräumen der Tische übernimmt der NPC-Zwilling, unterstützt von zwei weiteren hilfreichen Freunden: einem halbstarken Möchtegern-Musiker namens Billy und einer leicht reizbaren, temperamentvollen jungen Dame namens Ipanema. Um zu gewährleisten, dass möglichst viele Gäste zufrieden gestellt werden und der gute Ruf des Cafés wächst, kann und sollte auch der Spieler-Zwilling regelmäßig mithelfen und Gäste bedienen.

Hier zeigt sich leider eine weitere der vielen, kleinen Schwächen im Gameplay. Während die NPCs im hektischen Geschäftsalltag ungehindert durch andere NPCs hindurchhuschen können, bleibt der Spielercharakter an ihnen hängen und wird mitgezogen. Nicht selten kommt es vor, dass man einen Gast nicht rechtzeitig bedienen kann, weil z.B. Billy im letzten Moment in den Weg rennt. Das sorgt für Ärgernis beim Gast, der schließlich unverrichteter Dinge das Café verlässt. Ganz zu schweigen davon, dass es furchtbar nervig sein kann, ständig von den NPCs aufgehalten zu werden und um sie herum navigieren zu müssen. Dieser Effekt wird noch verstärkt dadurch, dass keiner der Charaktere in der Lage ist, mehr als ein Gericht oder ein Gedeck zu tragen. Dies führt zu endlosem, hektischem Hin- und Hergerenne zwischen Küche und Gastraum, gerade wenn das Haus im späteren Verlauf des Spiels voller und voller wird. Hier wäre vielleicht eine Art Level-System angebracht gewesen, in dem die Charaktere wenigstens grundlegende Servierertätigkeiten entwickeln, um das Chaos etwas aufzulösen. (Vielleicht würde dann auch mal irgendeiner der Charaktere merken, dass kein einziger Gast es für nötig hält, zu bezahlen.)

Na klar, bleib, so lang du willst
Zusätzlich zum Restaurantbetrieb bietet das LDC auch eine Handvoll Gasträume, die glücklicherweise nicht aktiv gepflegt werden müssen. Hier findet sich eine Reihe Gäste ein, jeder von ihnen mit eigener Geschichte und auf verschiedenste Art hilfebedürftig. Ein Mädchen ist nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Vater von zu Hause weggelaufen, ein junger Mann muss mit der Tatsache zurechtkommen, dass er ein Werwolf ist, eine Wahrsagerin ist überzeugt, dass die Welt kurz vor ihrem Ende steht. Die Belegschaft des Little Dragons Café nimmt sie alle fürsorglichst auf, hilft ihnen, ihre Probleme zu lösen, und wächst selbst an dieser Aufgabe. Die Geschichten mögen nicht die große Literatur sein, aber sie sind liebevoll durchdacht und wissen zu berühren. Dass letzten Endes immer ein besonderes Gericht zur endgültigen Lösung des Problems führt, kann man großmütig akzeptieren, schließlich ist die Kochkunst zentrales Element der Prämisse.

Drachen aufziehen leicht gemacht
Die Aufzucht des Drachen gestaltet sich vergleichsweise unproblematisch. Er möchte hin und wieder gekrault werden und das ein oder andere leckere Gericht fressen. Die meisten Gerichte beinhalten Farbstoffe, die die Farbe der Schuppen des Drachen beeinflussen. Ansonsten hat die Art des Gerichts aber wenig direkte Auswirkung, abgesehen davon, dass seine Stamina wieder aufgeladen wird. Mit wachsender Größe kann der Drache dann mehr und mehr beim Zutatensammeln mithelfen, zum Beispiel indem er mit einem Schwanzschlag kleinere Grasbüschel mäht, die Früchte verstecken. Selbstverständlich kann man später auch auf ihm reiten, was nicht nur neue Gebiete eröffnet, sondern auch wie erwartet einfach Spaß macht. Was seltsamerweise fehlt, ist Feueratem. Möglicherweise war man der Meinung, den Drachen Feuer speien zu lassen sei für den insgesamt sehr ruhigen und friedlichen Ton des Spiels doch zu brutal.

Knuddlig, aber pixelig
Die gesamte Welt und die in ihr lebenden Geschöpfe sind sympathisch und ansprechend gestaltet. Das Design ist an eine Art Geschichtenbuch-Optik angelehnt, die sehr gut zu dem Fantasy-angehauchten Setting mit freundlichen Drachen, Orks, Elfen und Hexen passt. Nichts in Little Dragons Café ist gruselig oder unheimlich, selbst Vampire entpuppen sich sofort als harmlos. Es könnte allein schon dadurch das perfekte Feel-Good-Spiel sein, wenn da nicht ein Grafik-Fehler wäre: die Schatten sind unterste Schublade. Wie es sein kann, dass die ansonsten wunderschönen Texturen durch derart verpixelte Schatten auf PS1-Niveau entstellt werden, ist mir ein Rätsel. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass Schatten allgegenwärtig sind, sodass fast jede Einstellung darunter leidet.



Fazit:
Little Dragons Café ist alles andere als schwer. Erfahrene Gamer werden kein Problem haben, das Gelände abzugrasen, Gerichte zuzubereiten und den Ruf des Cafés in kurzer Zeit auf das nötige Niveau zu verbessern. Wer gerne in ansprechender Umgebung Zutaten sammelt, um sie zu verarbeiten und einfach ein ruhiges, stressfreies, niedliches Spiel ohne große Herausforderung sucht, ist mit Little Dragons Café nicht schlecht beraten.

Little Dragons Café - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Helena Lichtmeß

Screenshots














Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 6.5625 Grafik: 7.25
Sound: 7.00
Steuerung: 6.00
Gameplay: 6.00
Wertung: 6.5625
  • Niedliche Grafik
  • Herzerwärmende Geschichten
  • Interessantes, leicht zu erlernendes Crafting-System
  • Drachen reiten! Woohoo!
  • Grafik-Fehler
  • Gameplay kann frustrieren
  • Wird schnell repetitiv

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Rezension vom: 30.09.2018
Kategorie: Simulationen
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