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Yonder: The Cloud Catcher Chronicles

Entwickler: Prideful Sloth
Publisher: NBG

Genre: Adventure
USK Freigabe: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: 29,99 €

Systeme: PC, PlayStation 4

Ausgezeichnet mit dem Splash Hit Inhalt:
yonder_logo

Vergleiche drängen sich viele auf beim Versuch, Yonder: The Cloud Catcher Chronicles von Prideful Sloth zu beschreiben. Klare Anleihen gibt es bei Harvest Moon, Stardew Valley, Animal Crossing, Slime Rancher, aber auch ein bisschen The Legend of Zelda und Strukturen einschlägiger JRPGs sind zu erahnen. Eins macht Yonder aber doch ganz anders: es ist ein Spiel für all jene, die, anstatt sich heroisch um die am Horizont lauernde Apokalypse zu kümmern, viel lieber Pazifismus praktizieren, Blumen/Mineralien/Kinkerlitzchen sammeln, Dorfbewohnern ihre verlorenen Haustiere zurückbringen, alle möglichen Fischarten fangen, Bauernhöfe wieder aufbauen, ihren Meisterbrief in jedem Beruf machen und leicht verstimmt sind, wenn es letzten Endes doch nichts mehr zu tun gibt, außer endlich den bösen Obermotz zu beseitigen.



Meinung:


Yonder hat durchaus eine Story, die aber schnell erzählt und grundlegende RPG-Kost ist. Vor Jahren schickten eure Eltern euch zum Schutz ins Exil, denn eure Heimat, die Insel Gemea, wurde von geheimnisvollen, giftigen Wolken heimgesucht. Jetzt kehrt ihr zurück und müsst den Grund für die Wolken finden und beseitigen.

Rette Gemea! Aber es eilt nicht, keine Sorge.
Zuallererst aber gibt es auf Gemea alles Mögliche (außer kämpfen) zu tun und das Meiste hat bestenfalls marginal mit eurem eigentlichen Ziel zu tun. So marginal, dass wahre Heroen, die es sich in den Kopf gesetzt haben, die Insel zu retten, anstatt ihre Bewohner und Geheimnisse kennenzulernen, locker und gemütlich in weniger als 8 Stunden alles Nötige erledigen und das Finale erleben können, ohne sonderlich viel von der Insel gesehen zu haben.

Die Insel Gemea
Die Insel ist unterteilt in verschiedene Regionen, die sich durch Flora, Fauna und Klima unterscheiden. So ist es ganz im Norden der Insel klirrend kalt und eisig, während im Südosten ein tropischer Strand wartet. In jeder Region wachsen nur bestimmte Bäume und jede Tierart ist nur in ihrer eigenen Region zu finden.

Hier und dort haben sich Menschen angesiedelt, die euch herzlich empfangen und auch gleich mehr oder weniger absurde Aufträge für euch haben. Den Anfang macht die Bitte eines Bürgermeisters, den örtlichen Bauernhof doch wieder aufzubauen.

Harvest Moon in klein
So einen Bauernhof gibt es in jeder Region und jeden davon könnt ihr auf- und ausbauen, um verschiedene Pflanzen anzubauen und die dort einheimischen Tiere zu adoptieren. In jeder Region einen kompletten Bauernhof führen zu müssen klingt erstmal wie eine herkulische Aufgabe. Wenn aber erstmal Beete angelegt, Tiergehege gebaut und ein paar der freilaufenden Tiere einquartiert sind, führt sich ein Hof so gut wie von alleine und ihr müsst nur hin und wieder die Erträge abholen.

Baumkuschler werden belohnt
Beim Versuch genug Holz für euer großes Tiergehege zu sammeln, scheint es naheliegend, alle Bäume der Umgebung zu fällen und ihr Holz zu sammeln. Doch Vorsicht, Bäume wachsen nicht von alleine nach. Glücklicherweise findet ihr regelmäßig Baumsamen, die ihr an entsprechenden Orten pflanzen könnt. Für eine 100%-Wertung müsst ihr die teilweise sehr gut versteckten Erdhügel finden und in jedem einen Baum pflanzen.

G-G-Geister?!
Gleich zu Beginn eures Abenteuers trefft ihr einen kleinen Geist namens Leuchti, der sich spontan entschließt, euch zu begleiten. Im Laufe des Spiels werdet ihr eine ganze Reihe von Leuchtis Freunden finden, mal müsst ihr sie einfach vom Wegesrand aufsammeln, mal müsst ihr ein kleines Rätsel lösen oder eine Quest bewältigen, um die Geister dazu zu bewegen, euch zu begleiten. Ihr solltet auf jeden Fall möglichst viele der Geister sammeln, denn nur mit ihnen könnt ihr die Düsternis beseitigen.

Am ehesten noch storyrelevant von allen Aktivitäten auf der Insel ist die Beseitigung eben dieser Wolken aus „Düsternis“, die überall auf der Karte zu finden sind. Wenn ihr die jeweils nötige Anzahl an Geistern gefunden habt, deckt ihr mit ihrer Hilfe unter den Düsterniswolken neue Bereiche auf und erreicht letzten Endes das Finale.

Hol mir X, ich bin zu faul, kthxbye
Yonder verlangt von euch keine epischen Heldentaten. Zu keinem Zeitpunkt seid ihr in Gefahr, Kämpfe finden nicht statt. Selbst wenn ihr ins tiefe Wasser fallt, werdet ihr ohne weitere Konsequenz einfach wieder an Land gesetzt. Die Quests, die ihr erhaltet, sind stattdessen mehrheitlich die typischen Fetch-Quests, die in anderen Spielen das Beiwerk stellen und die Spieldauer verlängern sollen. Ihr sammelt die entlaufenen 55 Katzen einer grantigen alten Dame, ihr besorgt einer Vogelscheuche die neueste Mode, ihr baut an bestimmten Orten Brücken über Flüsse und Abgründe und dergleichen mehr. Das ist alles nie wirklich schwierig, sondern fordert vor allem eure Ausdauer und Geduld heraus, wenn ihr von einer Ecke der Insel zur anderen lauft und jede Nische und jeden Winkel genau untersucht, um das gewünschte Objekt oder die nötigen Materialien zu finden.

Junge, warum hast du nichts gelernt?
Alle Gegenstände, die das Spiel zu bieten hat, einschließlich der Questgegenstände, könnt ihr mit genügend Ausdauer durch Tauschhandel ergattern. Einen Großteil könnt ihr aber auch selbst aus gesammelten Materialien herstellen, indem ihr den jeweiligen Beruf lernt. Dazu steht in jedem Ort ein Questgeber, der euch fragt, ob ihr der ansässigen Gilde beitreten wollt, und euch gleich eure ersten Rezepte beibringt. Neben den üblichen Berufen wie Koch oder Schneider könnt ihr auch lernen, mit Stein und Holz zu arbeiten, Feuerwerkskörper herzustellen oder hilfreiche Maschinen für euren Hof zusammenzuschrauben.

Zwar zählt Yonder Angeln und Bergbau nicht zu den Berufen, aber welches vage rollenspielartige Spiel, das etwas auf sich hält, kommt schon ohne diese beiden Standard-Aktivitäten aus? In jedem Gewässer der Insel könnt ihr angeln und je nach Jahreszeit, Uhrzeit und Wetter die unterschiedlichsten Fischarten fangen, die ihr dann zu Essen weiter verarbeiten oder im Tauschhandel einsetzen könnt. Sobald ihr eine Spitzhacke habt, könnt ihr die an Felswänden allgegenwärtigen Erzadern abbauen und die Erträge ebenfalls weiter verarbeiten.

Tausche 500.000 Zweige gegen einen Goldbarren
Abgesehen von einer besonderen Währung, die ihr überall auf der Insel finden könnt, um damit Kleidung, Frisuren, etc. für euren Charakter zu erstehen, gibt es auf Gemea kein Geld. Jeglicher Handel erfolgt durch Tauschen. Das Konzept ist im Grunde interessant, aber schwierig umzusetzen. Das zeigt sich auch deutlich darin, dass jedem Gegenstand trotzdem ein numerischer Basiswert zugeordnet ist, um die einzelnen Gegenstände vergleichen zu können. Interessanterweise orientieren sich die Preise im Laden nur am Basiswert und werden je nach Angebot und Nachfrage nach oben oder unten angepasst.

So viel Rumgerenne!
Gemea ist eine gemütliche Gegend, die erkundet werden will. Selten passieren aufregende, nervenaufreibende Dinge und ihr seid die einzigen, die den ganzen Tag durch die Walachei rennen, denn Fasttravel ist in Yonder allenfalls rudimentär möglich. In jedem Bereich der Insel gibt es irgendwo einen Stein der Weisheit, einen riesigen Felskopf. Dieser stellt euch eine kleine Aufgabe und reißt bei Erfüllung den Rachen auf, um euch zu einem beliebigen anderen bereits freigeschalteten Stein reisen zu lassen. Außerdem gibt es eine Handvoll Portale, die sich zu bestimmten Tageszeiten öffnen und den Weg zu jeweils genau einem anderen Portal freigeben.

Insgesamt sind diese Möglichkeiten, weite Entfernungen zu überwinden, den Aufwand meist nicht wert. Sie sind meist nicht ohne weiteres zugänglich und nur spärlich gesät, sodass es üblicherweise weniger Aufwand ist, einfach in die gewünschte Richtung loszulaufen, anstatt sich teleportieren zu lassen. Der hohe Wert, den das Spiel auf Erkundung legt, macht diese Unannehmlichkeit aber in den meisten Fällen wieder wett und belohnt euch mit unerwarteten Entdeckungen an jeder Ecke.

Einen Wermutstropfen gibt es ja immer
Der große Minuspunkt des Spiels ist seine UI. Sie wirkt teilweise nicht zu Ende gedacht, teilweise unfertig. Das HUD ist hierbei noch am annehmbarsten.

Während ihr Gemea erkundet, habt ihr die üblichen Bildschirmelemente: Links oben findet ihr euer aktuell ausgewähltes Werkzeug. Mit den Schultertasten könnt ihr durch die Liste der verfügbaren Werkzeuge durschalten, die leider im Lauf des Spiels immer länger und unhandlicher wird. In der rechten, oberen Ecke seht ihr euren Fortschritt in der aktuellen Quest.

Unten links werden die Tageszeit, Jahreszeit und das Datum und eine kleine Umgebungskarte angezeigt, die sich mit euch dreht. Geschmackssache, ob man lieber eine immer genordete Karte hätte, umstellen kann man das leider nicht. Ein Overhead-Display, das euch ständig die Richtung angibt, gibt es nicht, was aber wiederum dem Fokus auf das Erkunden zugute kommt. Ihr lernt die Gegend kennen, anstatt einfach einem Pfeil hinterher zu laufen.

Zusätzlich zur Minimap könnt ihr euren Kompass aufrufen, der als Questlog dient. Leider wird dieses Questlog schnell recht unübersichtlich, da die Anzahl der Quests rapide ansteigt. Anstatt einer simplen Liste der Questtitel wäre eine Aufteilung oder Kategorisierung, z. B. nach Standort des Questgebers oder ähnlichem, deutlich weniger frustrierend.

Auch eine große Übersichtskarte ist vorhanden. Diese wird nach und nach von euch aufgedeckt und bietet eine Fülle an Informationen. Hier könnt ihr z. B. allgemein euren Fortschritt im Aufbau jeder einzelnen Region prüfen, aber auch den nächsten Stein der Weisheit finden und verfügbare Quests als Ziel anwählen. Quests sind jedoch, unverständlicherweise, das einzige, das ihr als Ziel auswählen könnt. Händler, Siedlungen, Portale etc. werden zwar auf der Karte als Icons angezeigt, interagieren könnt ihr damit aber nicht.

Die Menüführung ist schlicht und intuitiv, sowohl Inventar als auch Berufe, Charakterpersonalisierung und Checklisten z. B. über gefangene Fische sind schnell aufgerufen. Allerdings sind sowohl das Inventar als auch die Berufe verbesserungswürdig.

Alles, was ihr sammelt, wird im Inventar in Stapeln bis zu 50 Stück auf den ersten freien Platz gelegt. Was aber schmerzlich fehlt, ist die Möglichkeit, das Inventar automatisch zu ordnen. So herrscht nach kurzer Zeit Kraut und Rüben und euch fehlt der Überblick, wie viel Holz, wie viele Kartoffeln, wie viele Sonnenbrillen ihr denn tatsächlich habt, da alle Stapel durcheinander angezeigt werden.

Der fehlende Überblick über die vorhandenen Materialien wird bei den Berufen noch frustrierender. Ein ausgewähltes Rezept zeigt zwar neben den benötigten Materialien auch die davon bereits vorhandenen an. Sobald ein Rezept jedoch Materialien benötigt, die selbst zuerst hergestellt werden müssen, wird die Sache höchst unübersichtlich.

Yo no hablo ingles
Sprachausgabe gibt es keine, alle Charaktere geben allenfalls kurze Laute von sich und Dialoge werden in Textrahmen angezeigt. Die deutsche Lokalisierung der Bildschirmtexte ist, wie gewohnt, mittelprächtig. Gewisse Inkonsistenzen in den Begrifflichkeiten belegen die fehlende Absprache unter den Übersetzern. Holprige und unnatürlich klingende Formulierungen sind teilweise auffällig. Ein bestimmter Charakter, der nichts als Witze erzählt, kommt besonders schlecht weg, wenn unübertragbare Wortwitze einfach stur wörtlich übersetzt werden, anstatt sich eigene Gedanken zu machen.

Alles so schön bunt und putzig hier!
Visuell sind Vergleiche mit Titeln wie The Legend of Zelda – The Wind Waker nicht von der Hand zu weisen. Cell Shading mag nicht jedem gefallen, es passt aber zu den simplen, stilisierten Designs des Spiels.

Alle Lebewesen sind im vertrauten Super Deformed-Stil designt. Jeder menschliche Inselbewohner hat sein eigenes individuelles Aussehen. Die kuriosen Tierarten der Insel sind durchweg knuddelig, bunt und humorvoll gestaltet, sodass man am liebsten alle auf einmal adoptieren will.

Besonders beeindruckend sind die Lichteffekte. Wenn im Tagesverlauf das Licht sich langsam ändert und nachts die Sterne am Himmel funkeln, dann kann man auch mal eine Weile einfach nur auf einem Hügel stehen und dem Naturschauspiel zu sehen.

Gravierende Grafikfehler sind mir keine aufgefallen und nur ein einziges Mal clippte während einer der Zwischensequenzen (in Spielgrafik!) ein NPC in einen Holzpfeiler. Nach mehreren Stunden dauernden Spielsessions ruckelte es hier und da ein wenig. Ansonsten war die Kamera das ein oder andere Mal ein wenig widerspenstig, aber den Spielspaß minderte das nicht.



Fazit:

Sidequest: Das Spiel Yonder ist absolut nichts für "coole" Leute. Tiefgründige Einsichten in die menschliche Existenz oder epische Schlachten sind genau das, was man hier nicht findet. Stattdessen erlebt ihr entspannte Stunden, in denen ihr einfach in die bunte, friedliche Welt eintaucht. Das Sammeln von Materialien entwickelt sich mit der Zeit geradezu zur Meditation, die nur hier und da von entzücktem Quietschen (wahlweise auch nur in Gedanken) unterbrochen wird, wenn ihr eins der possierlichen Tierchen entdeckt.

Wer über die holprige UI hinwegsehen kann und einfach nur abschalten und sich an blühenden Landschaften erfreuen will, der kann mit Yonder: The Cloud Catcher Chronicles dutzende angenehme Stunden verbringen.



Yonder: The Cloud Catcher Chronicles - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Helena Lichtmeß

Screenshots


















Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 8.5625 Grafik: 9.50
Sound: 8.00
Steuerung: 7.75
Gameplay: 9.00
Wertung: 8.5625
  • Originelles Spielkonzept, das die Prioritäten des RPG auf den Kopf stellt
  • Wunderschöne, leuchtend bunte, lebendige Gestaltung
  • Humorvoll, ohne je bösartig zu sein
  • UI ist unausgereift und liefert an zentralen Punkten zu wenig Informationen
  • Kamera ist manchmal ein wenig widerspenstig

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Rezension vom: 31.08.2017
Kategorie: Adventure
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