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1954: Alcatraz

Entwickler:
Publisher: Daedalic Entertainment

Genre: Adventure
USK Freigabe: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG.
ca. Preis: ca. 30 bis 32€ €

Systeme: PC

Inhalt:

alcatraz_logo

1954: Alcatraz stellt die erste Kooperation zwischen Daedalic Entertainment und Irresponsible Games dar. Während der deutsche Adventure-Spezialist für gewöhnlich hauptsächlich mit Humor und fantastischen Elementen aufwarten kann, erwartet uns auf »The Rock« eine Ausbruch- und Gangstergeschichte im San Francisco der 1950er Jahre. Ob das spannend genug ist, und die Kooperation Früchte getragen hat, könnt ihr hier nachlesen.



Meinung:

Alcatraz galt als das sicherste Gefängnis der Welt. In der Bucht von San Francisco stehen neben dem eigentlichen Gefängnis auch das eiskalte Wasser mit seiner tödlichen Strömung zwischen den Gefangenen und dem Festland. Die Gefangenen konnten im Gegensatz zu anderen Gefängnissen dieser Zeit nur mit Warmwasser duschen, was ganz sicher nicht nett gemeint war, sondern das Abhärten für Fluchtversuche verhinderte. Solche gab es einige, jedoch ist lediglich der Verbleib von  fünf Flüchtlingen ungeklärt – man vermutet, dass sie ertranken. Ein wahrer Ausbruchsversuch war die Vorlage für »Flucht von Alcatraz« mit Clint Eastwood. Auch hier blieb der Ausgang offen. Immerhin hat es Sean Connery von der Insel geschafft, im Spiel hat Joe genug vom Einsitzen (etwa 40 Jahre müsste er brummen) und will das unmöglich scheinende wahr machen.

Einer drinnen, eine draußen
Der technisch begabte Gefängnisinsasse hat keine Entlassung in naher Aussicht. Er half bei einem Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem es keine Verletzte gab. Als Schwarzer war er aber ein gefundenes Fressen für einen rassistischen Police Detective. Gleichzeitig hat Joes Frau Christine ebenfalls ein Problem: Ihr Engagement in der von Jazz, Soul und Literatur beeinflussten Beatnik-Szene (sie will ein selbst gedrucktes Magazin herausbringen) ist eher eine brotlose Kunst, und in der ehemals gemeinsamen Wohnung funktioniert bald gar nichts mehr. Dazu kommt, dass ihr Gangster Mickey ein Ultimatum gestellt hat: Er glaubt nicht, dass die Beute des Überfalls einfach verbrannte, wie angenommen wird, und möchte das Geld innerhalb eines Monats haben. Wenn nicht, will er Christine umbringen. Derweil schmiedet Joe Ausbruchspläne und braucht mindestens einen Verbündeten außerhalb des Gefängnisses.

Genau das ist auch das Besondere an 1954: Alcatraz: Man spielt sowohl Joe als auch Christine und kann nach einem schnellen Einstieg ständig zwischen den beiden hin- und herschalten. Und während Joe oftmals recht eingeschränkt ist (z.B in der Einzelhaft), jagt Christine drei Schlüsseln hinterher, die den Safe mit der Beute öffnen sollen. Das ist schön nichtlinear und genau das, was vielen Adventures fehlt.

Belüg dich, oder belüg dich nicht
Eine weitere Besonderheit: Schon beim ersten Besuch, bei dem Christine und Joe miteinander reden können, kann man als Joe entweder die Wahrheit sagen, nämlich dass damals nur Geldattrappen verbrannt sind, oder stattdessen lügen. Das hört sich zwar interessant an, entpuppt sich aber als Schwachstelle. Lügt man, so eröffnet einem Christine, dass sie seine geheime Botschaft (für die man ansonsten in der gemeinsamen Wohnung etwas anklicken müsste) längst gefunden hat. Ab und zu gibt es diese Situationen im Spiel, bei denen die beiden Protagonisten loyal oder illoyal zueinander sein können, wodurch einige Details des Handlungsablaufs geändert werden, und was letztlich zu alternativen Enden führen kann. Genau genommen ist das jedoch genau so merkwürdig wie Schach spielen gegen sich selbst. Da man nämlich sowohl Christine als auch Joe steuert, und beide zur Lösung des Spiels benötigt, widerstrebt es einem einfach, sich die beiden illoyal zueinander verhalten zu lassen – vor allem, da man einfach keinen Vorteil sieht, und sich der Spielablauf auch nicht besonders ändert. Außerdem will man doch selbst die Wahrheit wissen, weswegen soll man dann Joe z.B. lügen lassen? Dass man die Wahrheit dennoch erfährt kann man sich zwar denken, allerdings eben nicht wann. Und normalerweise will man es eben bestenfalls sofort wissen.

Mrs. Fixit
Auch ein paar komische Szenen und Logikfehler haben sich eingeschlichen. Am Anfang hat es mich dabei schon aus dem Konzept gebracht, dass Christine die durchwühlte Wohnung wieder blitzblank hinkriegt, und danach sogar die demolierten Einrichtungsgegenstände wie Plattenspieler, Wanduhr, etc. wieder einwandfrei aussehen und funktionieren. Das ist erstens situationsbedingt unpassend (notdürftiges Aufräumen wäre angebrachter gewesen), zweitens würde sie als Reparaturgenie ja auch nicht behaupten, dass ohne Joe langsam alles den Geist aufgibt. Vielleicht sollte das ganze ja auch eher ein Scherz sein, unpassend war es trotzdem.

Im Prinzip ist die Handlung trotz solcher Stellen aber gut erzählt. Klar, die großen Vorbilder des Gefängnisfilms (oder auch der -serie, etwa Prison Break) werden bei weitem nicht erreicht. Da hätte es wirklich noch mehr Potenzial gegeben, besonders was ausgefeilte Charaktere, spannende Situationen und trickreiche Manöver angeht. Ein schlechtes Adventure wird aus 1954: Alcatraz dadurch aber nicht. Die Rätsel sind zwar nicht besonders schwer, eine Hilfe-Funktion fehlt aber. Da man aber einfach den Charakter wechseln kann, wenn man mal hängt, und man sich so nicht an einer Stelle festbeißen muss, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Eine Hotspot-Funktion ist vorhanden.

Nicht schon wieder ins Kinderspielregal!
Bei der Alterseinstufung zeigen sich jedoch wieder die Schwächen des USK-Systems. Während viele Spiele für Erwachsene geschnitten werden oder erst gar nicht bei uns herauskommen (obwohl sich da schon einiges gebessert hat), wird 1954: Alcatraz von der USK ab 12 eingestuft, während die PEGI ab 16 empfiehlt und auf die Gewalt hinweist. Da man in Adventures aber nicht »direkt handelt« wird das von der USK als harmloser eingestuft. Aber schon alleine die derbe Ausdrucksweise der Charaktere lassen einen schon daran zweifeln, ob die deutsche Einstufung gerechtfertigt ist. Persönlich wäre mir eine EU-weite PEGI-Anerkennung lieber (da fehlt meines Wissens nach nur Deutschland), die bei solchen Dingen etwas strenger ist, aber dafür keine Spiele für Erwachsene zensieren lässt bzw. erst gar nicht freigibt.

3D statt 2D
Grafisch hat man dieses Mal auf 3D-Figuren vor 2D-Hintergründen gesetzt. Wie in vielen Adventures passiert daher auch nicht viel, wenn Christine oder Joe mal etwas machen sollen. Sie gehen in die Hocke, bewegen die Hände, etc. – ein richtiges Hantieren mit Inventargegenständen ist nicht zu sehen, aber das wird wie gesagt ja in vielen Adventures bzw. Spielen so gehandhabt. Dennoch haben es die Grafiker hinbekommen, dass Figuren und Hintergründe gerade noch so zusammenpassen. Die Hintergrundgrafiken sind dabei keine Meisterwerke, aber durchaus ordentliche Arbeit.

Auch die Synchronisation ist wieder sehr gelungen. Die Stimmen passen und hören sich professionell an. Die Musik passt nicht nur zum Beatnik-Unterthema, sondern auch allgeimein zur Atmosphäre des Spiels.



Fazit:
Bild unseres Mitarbeiters Michael Hambsch 1954: Alcatraz ist kein großer Wurf geworden, aber dennoch weit davon entfernt, ein schlechtes Adventure zu sein. Ja, es ist immer noch weitaus besser als etwa Geheimakte 3. Die nichtlinearen Ansätze sind gelungen, die Entscheidungsmöglichkeiten sollte man aber nochmals überdenken. Denn wer möchte schon zwei seiner Spielfiguren absichtlich gegeneinander ausspielen, wenn nicht irgendwas Außergewöhnliches dabei heraus kommt, oder es nicht aus bestimmten Gründen notwendig erscheint. Insgesamt rätselt man sich als Adventurefan aber doch eher gerne durch das Spiel und ist auch nie gelangweilt.

1954: Alcatraz - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Autor der Besprechung:
Michael Hambsch

Screenshots














Wertungen Pluspunkte Minuspunkte
Wertung: 7.375 Grafik: 7.25
Sound: 8.00
Steuerung: 7.25
Gameplay: 7.00
Wertung: 7.375
  • Handlung geht in Ordnung, ...
  • Teils schöne Hintergründe
  • Wechsel zwischen zwei Charakteren jederzeit möglich
  • ... könnte aber besser sein
  • Entscheidungsmöglichkeiten unpassend

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Rezension vom: 17.02.2014
Kategorie: Adventure
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